Aktien oder Immobilien? Diese Anlage bringt wirklich mehr Rendite – t-online

MEINUNGLangfristig investiert  
Eine Kolumne von Gerd Kommer
Immobilie im Bau (Symbolbild): Privatanleger überschätzen häufig die Rendite von Immobilien. (Quelle: Drazen/Getty Images)
Mit Statistiken hat es das menschliche Gehirn nicht so. Das sieht man auch daran, wie hoch wir die Erträge von Kapitalanlagen einschätzen. Warum sie in Wahrheit viel niedriger sind – und wie Sie trotzdem ein Vermögen aufbauen.
Privatanleger neigen zur Übertreibung: Sie überschätzen sowohl die langfristigen Renditen von Vermögensanlagen im Allgemeinen als auch die erzielten Renditen ihrer eigenen Vermögensanlagen im Speziellen. Das ist ein in der Forschung und in Umfragen gut belegter Fakt. Überschätzen bezieht sich dabei gleichermaßen auf die Vergangenheit wie auf die Zukunft.
Für die Vergangenheit lässt sich der Überschätzungseffekt leicht überprüfen: Man stellt die “gefühlten” oder geschätzten Angaben von Privatanlegern zu den historischen Renditen von Aktien, Immobilien, Gold und Sparbüchern jenen Zahlen gegenüber, die Fachleute tatsächlich ermittelt haben.
Möchte man wissen, wie sehr Privatanleger künftige Renditen überschätzen, muss man etwas mehr Zeit einplanen. So lässt man sie zunächst schätzen, wie sich die Marktrenditen in einem bestimmten Zeitraum entwickeln werden – beispielsweise in einem Jahr oder in fünf Jahren. Gleiches gilt für die Renditen, die sie künftig mit ihrem eigenen Vermögen erzielen werden.

Nach Ablauf des Zeitraums vergleicht man die Schätzungen mit den tatsächlichen Ergebnissen. Auch das haben amerikanische Wissenschaftler schon getan. Wiederum mit dem Ergebnis, dass die tatsächlich erzielten Renditen unterhalb der Renditen lagen, die die Anleger ein oder mehrere Jahre zuvor prognostiziert hatten.
Der “ETF-Papst”
Dr. Gerd Kommer ist seit mehr als 20 Jahren Bestsellerautor für Investmentratgeberbücher. Zugleich ist er Geschäftsführer der Gerd Kommer Capital GmbH, einer digitalen Vermögensverwaltung, bei der Kunden bereits mit kleinen Beträgen starten können, sowie der Gerd Kommer Invest GmbH, einem Honorarberatungsunternehmen. In seiner t-online-Kolumne schreibt er gemeinsam mit seinen Kollegen Felix Großmann und Daniel Kanzler alle zwei Wochen über sein Spezialgebiet: den langfristigen Vermögensaufbau mit ETFs.

In der nachfolgenden Tabelle zeige ich die Langfristrenditen der sechs wichtigsten Anlageklassen. In diese Anlageklassen können Sie direkt investieren, beispielsweise in Aktien. Aus diesen Anlageklassen sind auch die allermeisten “verpackten” Finanzprodukte abgeleitet, wie zum Beispiel aktiv gemanagte Investmentfonds, kapitalbildende Lebensversicherungen, Bausparguthaben, offene und geschlossene Immobilienfonds, Zertifikate und unzählige andere.
Es ist übrigens eine mathematische Notwendigkeit, dass diese Anlageklassen und die aus ihnen abgeleiteten Finanzprodukte für alle Anleger zusammengenommen, also in Summe, keine höheren Renditen haben können als die in der Tabelle dargestellten Marktrenditen.
Tabelle: Inflationsbereinigte Renditen von sechs Haupt-Anlageklassen für die Zeiträume 1900 bis 2020 (121 Jahre) und für das vergangene Jahrzehnt

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Wenn Ihnen die Renditezahlen in der Tabelle enttäuschend niedrig erscheinen, wundern Sie sich nicht. Sie gehören damit zur Mehrheit aller Privatanleger.
Dabei ist noch zu bedenken, dass hier keine Steuern und keine Transaktionskosten für Kaufen/Verkaufen enthalten sind und auch keine laufenden Kosten, wie sie bei allen “verpackten” Finanzprodukten anfallen. Dazu zählen beispielsweise aktiv gemanagten Investmentfonds oder Lebensversicherungen.
Die niedrig erscheinenden Renditen in der Tabelle sind jedoch diejenigen, die wohl 90 Prozent und mehr aller Privatanleger über Zeiträume von fünf Jahren aufwärts nicht erreichen – egal, ob sie in Eigenregie anlegen oder dafür einen Bankberater oder Vermögensverwalter nutzen.
Es gibt viele Gründe dafür, warum Privatanleger die nachhaltig erzielbaren Renditen in allen Anlageklassen, einschließlich Immobilien, so verbreitet überschätzen. Mehrere davon sind psychologischer Natur, darunter die Verwechslung nominaler Renditen (Renditen inklusive Inflation) mit realen Renditen (exklusive Inflation) – nur letztere zählen.

Zweitens berücksichtigen viele Privatanleger Steuern und Kosten nicht. Drittens hat unser Gehirn mehrere unschöne Eigenschaften: eine mächtige Tendenz zur selektiven Erinnerung und zur selektiven Wahrnehmung, zur Selbstüberschätzung und zum Wunschdenken.

Viertens, die fortwährende Desinformation durch die Finanzbranche und die Medien: Beide berichten viel häufiger über die Minderheit der Fälle hoher Renditen als über die Mehrheit der Fälle durchschnittlicher oder unterdurchschnittlicher Renditen. Außerdem versagen beide auf ganzer Linie darin zu zeigen, welch große Rolle der Zufall bei besonders hohen Renditen spielt.
Die Krux: In Wirklichkeit sind die Renditen in der Tabelle überhaupt nicht niedrig, wenn man sich vergegenwärtigt, woher sie schlussendlich kommen müssen – nämlich aus dem Wachstum der Weltwirtschaft. Das betrug inflationsbereinigt in den vergangenen rund 120 Jahren ziemlich genau 3 Prozent pro Jahr und nur etwa die Hälfte, wenn man es auf Pro-Kopf-Basis berechnet.
Der Zinseszinseffekt sorgt erfreulicherweise dafür, dass selbst eine jährliche Rendite von “nur” 4 Prozent nach Steuern und Kosten das investierte Vermögen alle 18 Jahre verdoppelt – sofern Sie nicht laufend Geld entnehmen. Mehr zum Zinseszins lesen Sie hier.
Fassen wir zusammen: Die langfristigen Renditen von Anlageklassen und den daraus abgeleiteten Finanzprodukten – einschließlich der Anlageklasse Wohnimmobilien – werden von den allermeisten Haushalten überschätzt.
Weil die tatsächlichen Renditen niedriger sind als die angestrebten Renditen, ist es besonders wichtig, Kosten zu senken und Fehler zu vermeiden. Wie man diese beiden kontrollierbaren Ziele erreicht, damit befassen wir uns in dieser zweiwöchentlichen Kolumne.
Am 29. August geht es weiter mit der Frage, wie man ein einfaches ETF-Weltportfolio aufbaut.

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