Experten geben Tipps: Diese Aktientrends sollten Sie 2021 im Auge behalten – t-online.de

Experten geben Tipps  
Von Mauritius Kloft
Eine Anlegerin schaut auf Aktienkurse (Symbolbild): Was bringt das Aktienjahr 2021? (Quelle: China Photos /Getty Images)
Das ablaufende Börsenjahr war in vieler Hinsicht turbulent. Doch was liegt vor uns? Welche Trends spielen 2021 eine Rolle? Und wie können Anleger profitieren? t-online hat Aktienexperten um ihre Tipps gebeten.
Corona, Corona, Corona. Nichts hat das Börsenjahr 2020 so sehr geprägt wie die Pandemie und ihre Bekämpfung.
Der rasante Einbruch der Märkte im Frühjahr, das nahezu v-förmige Anziehen der Kurse über den Sommer, schließlich neue Rekordstände bei den amerikanischen Aktienindizes Dow Jones und Nasdaq: Trotz neuerlichen Lockdowns scheint die Erholung vom Covid-Schock an den Finanzmärkten zum Jahresende nahezu perfekt.
Wie aber geht es weiter? Wie sieht das Börsenjahr 2021 aus? t-online hat drei Aktienexperten zu neuen Trends befragt – und mit ihnen einen Blick in die Zukunft gewagt.
“Nach dem turbulenten Börsenjahr 2020 können wir uns auf ein entspannteres Jahr 2021 freuen”, sagt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte bei der Dekabank. Das Jahr 2021 dürfte vor allem von drei Entwicklungen geprägt sein, so der Experte:
1. Konjunkturelle Erholung: “Wir haben den wirtschaftlichen Tiefpunkt durchschritten. 2021 wird die Erholung deutlich fortgesetzt – auch dank eines Corona-Impfstoffes.”
2. Steigende Unternehmensgewinne: “Klar ist: Mit einem Corona-Impfstoff wird es auch mehr Normalität geben – sei es im gesellschaftlichen Leben als auch an der Börse.” Die Folge: “Die Unternehmen werden ihre Gewinne verbessern – respektive überhaupt wieder Gewinne einfahren.”
3. Entsprechende Rahmenbedingungen: “Es gibt zurzeit jede Menge monetäre Anreize. Sei es von der Geldpolitik aber auch von Staaten.” Schallmayer rechnet damit, dass diese Entwicklung weiter anhält: “Ich gehe davon aus, dass die EZB weiter an ihrer Krisenpolitik festhält. Wir werden also noch länger mit einem niedrigen Zins zutun haben.” Aktien würden für Anleger deshalb alternativlos.
“2021 wird vom Corona-Impfstoff geprägt sein”, sagt Benjardin Gärtner. Er leitet bei der Fondsgesellschaft Union Investment das Portfoliomanagement Aktien. “Die zentrale Frage wird sein, ob die Bekämpfung des Virus durch die Impfstoffe erfolgreich sein wird.”
Für den Fondsmanager steht fest: “Am 9. November 2020 hat die Zukunft für den Aktienmarkt ohne Corona begonnen.” Das war der Tag, als Biontech eine Impfstoff-Wirksamkeit von 90 Prozent verkündet hat.
“Kommendes Jahr steht vor allem im Fokus, ob die Realwirtschaft die hohen Erwartungen erfüllt, die Anleger an sie gestellt haben”, sagt Carsten Brzeski, Chefökonom der Direktbank ING Deutschland.
Damit meint er: Die Aktienkurse sind nach den Hoffnungen auf einen Corona-Impfstoff stark gestiegen. Diese “Vorschusslorbeeren”, die Investoren den Firmen so gegeben hätten, müssten die Unternehmen erst einmal wirklich erwirtschaften. “Nach dem absoluten Optimismus muss nun geliefert werden”, sagt Brzeski.
“Klar ist auch: Mindestens das erste Halbjahr wird noch vom Virus geprägt sein.” Deshalb würden die Notenbanken weiterhin im “Krisenmodus” bleiben, so Brzeski – und Milliarden in die Märkte pumpen. Die Zinsen werden weiterhin niedrig bleiben, und Aktien deshalb alternativlos. “Ich befürchte daher keine großen Kurskorrekturen.”
Außerdem würden mehrere Faktoren wegfallen, die Anleger bislang kurzfristig verunsicherten, so Brzeski. “Die Brexit-Hängepartei ist 2021 beendet – und Donald Trumps Tweets dürften Investoren kaum mehr interessieren. Nächstes Jahr stehen deshalb wieder die Unternehmenszahlen im Vordergrund.”
“2021 werden besonders die Branchen zulegen, die wegen Corona Einbußen hinnehmen mussten”, sagt Aktienexperte Schallmayer. Damit meint er etwa die Industrie, aber auch Rohstoffwerte. “Besonders Zyklikerunternehmen werden 2021 stark gewinnen.”
Gemeint sind damit klassischerweise Aktien von Auto- und Maschinenbauern oder etwa Unternehmen aus der Bauwirtschaft. Für Schallmayer steht deshalb fest: “Anleger sollten deshalb Aktien aus diesen Segmenten im Blick behalten.”

Zudem gelte: “Nachhaltigkeit ist und bleibt auch 2021 ein Megatrend. Es werden deutlich mehr Anleger nach nachhaltigen Kriterien investieren.”
Benjardin Gärtner,  Leiter Portfoliomanagement Aktien bei Union Investment: "Anleger sollten 2021 den Aufschwung mitnehmen."  (Quelle: t-online/Union Investment)Benjardin Gärtner, Leiter Portfoliomanagement Aktien bei Union Investment: “Anleger sollten 2021 den Aufschwung mitnehmen.” (Quelle: Union Investment/t-online)

“Die Corona-Gewinner von diesem Jahr werden 2021 nicht so stark zulegen”, sagt Fondsmanager Gärtner. Stattdessen meint er: “Anleger sollten 2021 den Aufschwung mitnehmen.”
Das ginge am besten mit bereits erwähnten Zyklikerunternehmen, also Unternehmen, die von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig sind. “Die Reisebranche ist sehr vielversprechend. Ein Beispiel wäre hier ‘booking.com’ – das Unternehmen könnte sich sehr gut entwickeln”, so Gärtner. “Auch Mastercard oder Visa werden vom Reiseboom profitieren.”
Anleger sollten aber vorsichtig sein, warnt Gärtner. “Unternehmen, die 2020 hohe Kredite aufnehmen oder sogar vom Staat gerettet werden mussten, können 2021 nicht komplett durchstarten.” Damit würde etwa die Lufthansa wegfallen: Der Bund hatte sie teilverstaatlicht – und mit neun Milliarden Euro gerettet.
Aber nicht nur die Reisebranche könnte von der wirtschaftlichen Erholung profitieren. “Die Bankaktien werden vom Aufschwung profitieren.” Auch die Tech-Branche könnte nächstes Jahr zu den Gewinnern zählen, so Gärtner. “Die FAANG-Titel werden weiter kräftig zulegen – und ihre Gewinne weiter steigern.” Damit meint Gärtner die Aktien von Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google (“FAANG”).
“Sektoren, die unter der Pandemie am meisten gelitten haben, könnten 2021 zu den Gewinnern zählen”, ist sich ING-Ökonom Brzeski sicher. “Mit den Impfungen wird sich etwa die Reisebranche erholen.”
Doch Brzeski warnt auch: “Nicht jedes Unternehmen wird die Krise überleben.” Im Gegenteil: “2021 werden wir vermutlich eine Pleitewelle sehen.” Anleger sollten sich deshalb vor dem Investieren das jeweilige Unternehmen genau anschauen. Sein Ratschlag: “Kaufen Sie eine Aktie nur, wenn Sie wissen, dass das Unternehmen auf sicheren Beinen steht.”
Brzeski glaubt auch, dass besonders die Trends Digitalisierung und Nachhaltigkeit eine Rolle spielen werden. “30 bis 40 Prozent der Corona-Konjunkturpakete richten sich an diese Branchen. Hier wird massiv investiert. Anleger können davon profitieren.”
“Anleger sollten sich darauf einstellen, dass manche amerikanische Tech-Firmen 2021 an Dynamik verlieren”, sagt Dekabank-Experte Schallmayer. 

Es werde zwar keine “Rückwärtsbewegung” geben, meint der Aktienexperte – also, eine Entwicklung, in der die Kurse verlieren werden. “Aber im Vergleich zu anderen Unternehmen werden Tech-Werte nicht stark zulegen.”
“Sehr defensive, langweilige Werte werden nicht sonderlich dazugewinnen”, sagt Fondsmanager Gärtner. Der Grund: “Diese werden den schnellen Aufschwung nicht mitnehmen.”
Als Beispiele nennt Gärtner “die Konsumgüterbranche, also etwa Procter & Gamble, die Telekommunikationsbranche oder Immobilien”. Sein Fazit: “Wer sich 2020 über ein solches Investment freuen konnte, wird 2021 weniger Spaß damit haben.”
“Die absoluten Corona-Gewinner werden mit dem Ende des Virus nicht mehr so stark wachsen wie 2020”, ist sich Ökonom Brzeski sicher. Damit meint er vor allem “Stay-at-home”-Werte, also etwa Aktien von Lieferdiensten oder Streaminganbietern.
Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING: "Nach dem absoluten Optimismus muss nun geliefert werden." (Quelle: t-online/ING)Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING: “Nach dem absoluten Optimismus muss nun geliefert werden.” (Quelle: ING/t-online)
“Bei der deutschen Industrie wäre ich ebenfalls vorsichtig. Sie befand sich schon vor Corona in einem tiefgreifenden Strukturwandel“, so der Ökonom. “Hier muss sich erst zeigen, in welcher Form die heimische Industrie die jetzige Krise übersteht.” Anleger benötigten in diesem Bereich bisweilen einen “noch längeren Atem”.
Um von steigenden Kursen zu profitieren, können Sie einzelne Aktien kaufen. Gerade für den Fall, dass Sie Börsenanfänger sind, sollte Ihnen dabei aber das Risiko bewusst sein, das Sie eingehen: Die genaue Kursentwicklung einer einzelnen Aktie kann kein Experte vorhersagen.
Sollten Sie deshalb vor Einzeltiteln zurückschrecken, können Sie Ihr Geld an der Börse auch breit streuen. Dadurch verringern Sie Ihr Risiko, auf das falsche Unternehmen zu setzen. Am einfachsten geht das mit Fonds – das sind Geldkörbe, die die Investorengelder in viele Aktien anlegen. Sollte der Kurs eines Titels abstürzen, ändert das nicht allzu viel an der gesamten Wertentwicklung.
Die günstige Alternative zu klassischen, aktiv gesteuerten Fonds sind ETFs. Bei diesen speziellen Fonds wird kein Manager bezahlt, der Aktien kauft oder verkauft. Stattdessen bilden ETFs einen ganzen Aktienindex – wie etwa den US-Leitindex Dow Jones oder den Tech-Index Nasdaq100 nach.
So investieren Sie automatisch in alle Aktien, die in diesem Index gelistet sind. Das spart Kosten und Mühen.

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