Finanzkolumne: So könnt ihr eure Aktienverluste mindern – Business Insider Deutschland

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Wenn man sich in verschiedenen Zeitschriften oder auf Blogs umschaut, berichten viele immer wieder von ihren herausragenden Aktiengewinnen und wie sie ihre Einsätze vervielfacht haben. Überall bekommt man viele tolle Tipps, wie man sein Geld vermehren kann – aber nur selten, was zu tun ist, wenn man einmal doch verliert.
Der Albtraum aller Anleger
2019 habe ich die Wirecard-Aktie für etwa 110 Euro gekauft. Die Zahlen sahen gut aus, das Geschäftsmodel schien erfolgversprechend. Nur ein Jahr später fehlten plötzlich 1,9 Milliarden Euro bei Wirecard. Die Bescheinigung über die Summe, die bei der BDO Unibank liegen sollte offenbar nur gefälscht. Nur ein Jahr später hatte sich mein Investment in Luft aufgelöst. Genauso wie sich das Geld von Wirecard scheinbar in Luft aufgelöst hatte, passierte ähnliches mit meinem Investment. Im Mai halbierte sich der Kurs und am 26. Juni stand die Aktie schließlich nur noch bei 1,42 Euro.
Für viele klingt das nach dem absoluten Schreckensszenario. Plötzlich ist das hart verdiente, fleißig angesparte Geld weg. In den Medien hatte man immer wieder über Menschen gelesen, die einen sechsstelligen Betrag oder gleich ihre gesamte Rente verloren haben. Ich bin mit einem blauen Auge davongekommen. Das Geld zu verlieren, tat natürlich weh. Es gibt aber Möglichkeiten, wie ihr euch davor schützen könnt.
So investiert ihr ohne Totalverlust
Das oberste Gebot beim Investieren lautet, dass ihr nicht alles auf eine Karte setzt, sondern euer Vermögen streut. Dabei hat sich der Spruch „Lege nie alle Eier in einen Korb“ durchgesetzt. Das bedeutet, dass ihr in möglichst verschiedene Unternehmen investiert. Denn egal, wie gut das Unternehmen wirkt, es kann sich auch immer in die andere Richtung entwickeln.
Wer erinnert sich nicht an Nokia? Als ich mit etwa 15 Jahren mein erstes Handy bekam, musste es ein Nokia sein. Nokia war einfach DIE Handymarke schlechthin. Mitte 2000 stand die Aktie bei 63 Euro. Heute kann man eine Nokia-Aktie für 4,60 Euro kaufen. Vor 20 Jahren hätte sich niemand vorstellen können, dass Nokia einmal so sehr abschmiert, weil das Unternehmen einfach den Anschluss verpasst hat.
Egal, wie überzeugt ihr also von einem einzelnen Unternehmen seid – setzt nicht euer gesamtes Geld darauf. Streuung beziehungsweise Diversifikation ist angesagt. Wenn ihr in Einzelaktien investiert, solltet ihr mindestens zehn verschiedene Unternehmen im Depot haben. Wichtig dabei ist auch, dass es sich dabei um Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und Regionen handelt. Wenn ihr also in zehn Automobilaktien investiert, habt ihr ein Problem, wenn es der gesamten Branche mal schlecht geht.
Gleiches gilt für die Region: Beschränkt euch am besten nicht nur auf ein einzelnes Land oder einen einzigen Kontinent. Oft entgehen euch dadurch auch bessere Renditemöglichkeiten.
Wenn ihr nach diesem Prinzip investiert und ein einziges Unternehmen nur einen kleinen Anteil an eurem Gesamtvermögen ausmacht, sind Totalabstürze wie bei Wirecard trotzdem ärgerlich – sie ruinieren euch aber nicht finanziell und bringen euch nicht um eure Altersvorsorge.
Genau das ist der Grund, warum Wirecard für mich auch ärgerlich, aber nicht tragisch war.
Ihr könnt Aktienverluste verrechnen – aber nicht immer
Anfang Juni sorgte ein Urteil für Schlagzeilen: Der Bundesfinanzhof hält einen Teil der Aktienbesteuerung für verfassungswidrig. Aktuell könnt ihr eure Aktienverluste mit Aktiengewinnen verrechnen. Das bedeutet, wenn ihr eine Aktie verkauft und damit Gewinne erzielt habt, könnt ihr diese mit einer anderen Aktie, die ihr mit Verlusten verkauft habt, miteinander verrechnen und zahlt nur auf den Differenzbetrag Steuern. Wichtig an dieser Stelle ist, dass ihr dabei jährlich einen Freibetrag von 801 Euro habt.
Falls ihr nur in Aktien investiert, ist das eine tolle Sache, da ihr den Verlust aus einer Aktie nutzen und den Gewinn einer anderen Aktie nicht vollständig versteuern müsst.
Solltet ihr jedoch nicht nur in Aktien, sondern auch in ETFs investieren, profitiert ihr nicht mehr davon. Nun hat ein Ehepaar aus Schleswig-Holstein dagegen geklagt und vom Bundesfinanzhof Recht bekommen, Aktienverluste mit Erträgen aus anderen Kapitaleinkünften verrechnen zu dürfen.
Ich habe dazu mit Helen Dieckhöfer, Sarah Klinkhammer und Franziska Beschorner gesprochen, die hinter der Plattform „Wir lieben Steuern“ stehen und ihr Wissen als Steuerberaterinnen auf Instagram und YouTube teilen. Ihre Einschätzung zu dem Urteil: „Sollte die Regelung, dass Aktienverluste nur mit Gewinnen aus Aktienveräußerungen verrechnet werden können, tatsächlich als verfassungswidrig erklärt werden, wird eine Verrechnung der Aktenverluste mit sämtlichen positiven Einkünften aus Kapitalvermögen möglich werden, damit auch die Verrechnung mit Gewinnen aus Fonds.“
Für Aktionäre bleibt also abzuwarten, wie die letzte Instanz entscheidet.
ETF-Anleger sind im Vorteil
Viele Neuinvestoren setzen am Anfang nicht auf Einzelaktien, sondern investieren lieber in breit gestreute ETFs – auch weil diese als sicherer gelten. Dass auch ETFs für Verluste sorgen können, zeigt jedoch die Entwicklung des iShares Global Clean Energy ETF. 25 Prozent Verlust verzeichnet der ETF in den letzten sechs Monaten. Zuvor wurden herausragende Renditen erzielt. Seit Januar geht es jedoch erst mal nur bergab.
Während ich als Anlegerin meine Aktienverluste nur mit Aktienverlusten verrechnen kann, habe ich bei ETFs mehr Möglichkeiten. Und das funktioniert laut Dieckhöfer, Klinkhammer und Beschorner so: „Grundsätzlich führt die Bank die Verlusttöpfe, heißt als Anlegerin muss man sich hierum erstmal nicht weiter kümmern. Es gibt einen Verlusttopf für Aktienverluste und einen Verlusttopf für sonstige Verluste, also sämtliche Verluste aus Kapitalvermögen, die keine Aktienverluste sind. Der Topf für Aktienverluste kann nur mit Gewinnen aus Aktienveräußerungen verrechnet werden, der Topf für die sonstigen Verluste mit sämtlichen Kapitalerträgen.“
Entspannt bleiben, auch wenn es schwankt!
Übrigens: Verluste realisiert ihr nur beim Verkauf! Solang ihr eure Aktien oder ETF-Anteile nicht verkauft, habt ihr noch keine Verluste gemacht. Schwankungen im Aktiendepot sind hingegen total normal und es geht eben nicht immer nur bergauf. Wer breit streut und einen langen Anlagehorizont hat, muss sich aber davon nicht aus der Ruhe bringen lassen.
Denn auch, wenn ich mir mit Wirecard eine Nullnummer ins Depot geholt habe und es im gleichen Jahr durch Corona einen Börsencrash gab, hatte ich 2020 mein bisher erfolgreichstes Börsenjahr. Lasst euch also von negativen Schlagzeilen nicht von eurem Börseneinstieg abhalten!
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