Home Office: Zurück ins Büro oder bleibt der Trend? – Business Insider Deutschland

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Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Arbeitswelt von heute für die meisten Menschen noch reine Utopie. Im Frühjahr 2020 kam dann quasi über Nacht der große Durchbruch. Was in den Unternehmen zuvor lange Zeit nicht möglich war, wurde Realität. Die Corona-Pandemie drängte Millionen Arbeitnehmer an den heimischen Schreibtisch und die Verpflichtung zur Arbeit im Home Office wurde ein wichtiger Bestandteil der Corona-Arbeitsschutzverordnung.
Die Büchse der Pandora war nun geöffnet. Mit der Aufnahme in das Infektionsschutzgesetz wurde die Pflicht zum Home Office noch weiter verstärkt. Arbeitgeber mussten ihre Mitarbeiter sogar zur Tätigkeit im Home Office anweisen, ohne dass diese dazu ihr Einverständnis geben mussten. Eine Verpflichtung ohne Dauerauftrag, denn dieses Weisungsrecht galt nur, solange die Pandemievoraussetzungen gegeben waren. Seit ein paar Wochen ist nun die Bundesnotbremse ausgelaufen und auch die Home Office-Pflicht für Unternehmen wurde nicht verlängert. Eine Nachfolgeregelung ist bislang aber nicht in Sicht. Zurück ins Büro oder bleibt der Trend?
Während nun viele Unternehmen ihre Büros schnellstmöglich wieder füllen, stellen andere schon die klassischen Konzepte von Arbeit auf den Kopf und erheben flexible Konzepte für das Home Office zum Credo eines neuen Arbeitsstils. So zeigte eine Umfrage des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, dass in dafür geeigneten Branchen drei Viertel der befragten Unternehmen, ihren Beschäftigten ermöglichen wollen, von zu Hause aus zu arbeiten. Zuerst hatte die Süddeutsche Zeitung darüber berichtet.
Ein Trend, der sich scheinbar auch mit der Wunschvorstellung vieler Beschäftigter deckt. Laut einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY gab ein Großteil (81 Prozent) der Beschäftigten an, nicht mehr an allen Wochentagen im Büro arbeiten zu wollen. Einige bevorzugen wöchentlich drei bis vier Büroarbeitstage, andere wiederum wollen nur noch an ein bis zwei Tagen zurück in die Firma. Grundsätzlich besteht also der Wunsch, zumindest einen Teil der Arbeit zu Hause zu erledigen.
Die Gründe sind verschieden. Familiäre Verpflichtungen, aber auch der Wunsch nach mehr persönlicher Zeitsouveränität werden häufig genannt. Vorstellungen dieser Art werden jedoch nicht grundsätzlich von allen Mitarbeitern geteilt, weil sie es vorziehen wieder ausschließlich im Büro zu arbeiten.
Was kann der Arbeitgeber in diesen Fällen tun? Die Arbeit im Home Office einfach anordnen? „Nein“, sagt Heiko Reiter, assoziierter Partner und Fachanwalt für Arbeitsrecht bei GÖRG Rechtsanwälte in Frankfurt. Eine Ausnahme gelte nur dann, wenn das „Home Office“ ausdrücklich als Möglichkeit im Arbeitsvertrag oder einer Betriebsvereinbarung vereinbart wurde. „Ist im Arbeitsvertrag festgeschrieben, dass die Arbeitsleistung im Betrieb erbracht wird, müssen Arbeitgeber dies nach dem Ende der Home Office-Pflicht wieder ermöglichen“, so Reiter. Ohne eine vertragliche Regelung, könne der Arbeitgeber die Mitarbeiter deshalb auch nicht in Ausübung seines Weisungsrechts nach Hause versetzen.
„Dass der Arbeitsort im Home Office nun zu einer Dauerlösung wird, kann der Arbeitgeber nicht einseitig anordnen“, meint Reiter und beruft sich dabei auf ein Urteil des LAG Berlin-Brandenburg. Allenfalls bei dringenden betrieblichen Erfordernissen käme auch eine Änderungskündigung in Betracht. Häufig scheitere diese aber schon an einem Kündigungsgrund. Zudem habe der Arbeitgeber auch kein Recht, über den privaten Wohnraum seiner Beschäftigten zu verfügen.
So gesehen ist der Arbeitgeber also sehr viel besser beraten, wenn er nach einer gemeinsamen Einigung mit seiner Belegschaft sucht. Denn bekanntermaßen setzt die Arbeit außerhalb des Unternehmens auch immer ein gewisses Maß an Vertrauen und Loyalität voraus. Eine einseitige Anordnung wäre dann sicher kein gelungener Start in eine neue Arbeitskultur. Also doch zurück zur alten Präsenzkultur?
Wohl kaum. Denn trotz anfänglicher Schwierigkeiten hat sich das Arbeiten im Home Office – ausgelöst durch die Corona-Pandemie – für alle erfolgreicher entwickelt als zunächst gedacht. In vielen Unternehmen bleiben deshalb auch nach dem Ende der Pflicht zum Home Office die Büroarbeitsplätze leer – vorerst zumindest. Das zeigt auch die aktuelle Studie „Neue Chancen für Vereinbarkeit“ des Wirtschaftsunternehmens Prognos, wonach zwei Drittel der befragten Unternehmen gute Erfahrungen mit flexiblen Arbeitsmodellen gemacht haben und deshalb auch nach der Corona-Krise beibehalten wollen.
Und auch die DAX Unternehmen haben laut einer Umfrage schon das Ende der traditionellen Fünf-Tage Woche im Büro eingeläutet und setzen in Zukunft auf ein Hybridmodell. Und auch die rechtliche Lage scheint postpandemisch nicht mehr so klar. Für den Arbeitsrechtler Arndt Kempken steht jedenfalls fest, dass für viele Beschäftigte eine Art „De-facto-Recht“ auf zumindest eine gewisse Anzahl von Tagen im Home Office entstanden sei. Er hält es sogar für sehr wahrscheinlich, dass diese Frage demnächst vor den Arbeitsgerichten verhandelt wird, mit der Folge, dass Unternehmen sich künftig flexibler zeigen und noch mehr Home Office zulassen müssten. Aus seiner Sicht „wäre es deshalb hilfreich, wenn der Bund doch noch eine einheitliche Regelung zur Home Office-Pflicht beschließen würde“, sagt er in einem Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.
Zweifellos würde ein gesetzlich verankertes Recht auf Arbeiten im Home Office für mehr rechtliche Sicherheit in den Unternehmen sorgen. Die Voraussetzungen dazu sind in vielen Bereichen der Wirtschaft auch gegeben. Die Digitalisierung ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass zumindest ein Teil der Arbeit von zu Hause oder von anderen Orten verrichtet werden kann. Künftig ginge es in den Unternehmen aber nicht darum die eine, grundsätzliche Regelung für alle zu finden, meint Heiko Reiter. Gefragt seien viel mehr individuelle Lösungen. Über die Pandemie hinausgehende Rechtsfolgen aus der bisherigen Pflicht zum Home Office sehe er jedoch nicht.
In Zukunft bleibt es also weiter spannend. Und wer eine Regelung „von oben“ braucht, muss warten können. Ungefähr so, als sei man mit der nächsten Eiszeit verabredet, meint Karriereexperte und Autor Martin Wehrle.
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