Homeoffice als Jobkiller? – «Die Ehrgeizigen gehen wieder an ihren Arbeitsplatz» – 20 Minuten

Ab Montag gelten die neuen Corona-Lockerungen. Mitarbeitende können wieder ins Büro zurückkehren – sofern die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber ihr oder sein Personal mindestens einmal pro Woche auf das Coronavirus testen lässt.
Viele Expertinnen und Experten empfehlen eindringlich die Rückkehr ins Büro.
So etwa Richard Baldwin. Der Wirtschaftsprofessor am Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung in Genf sagt zur «SonntagsZeitung»: «Wollen Sie Ihren Job behalten? Gehen Sie zurück ins Büro.»
Machen Firmen Massentests, können sie ihre Mitarbeitenden wieder zurück ins Büro holen.
Viele Angestellte wollen aber weiterhin im Homeoffice bleiben.
Laut Personalexpertinnen und -experten ist das keine gute Idee und sie empfehlen, wieder ins Büro zu gehen.
Wer sich im Büro zeigt, hat mehr Aufstiegsmöglichkeiten und muss weniger Angst um seinen Job haben.
Ab Montag gelten die neuen Corona-Lockerungen. So wird auch die Homeoffice-Pflicht aufgeweicht. Mitarbeitende können wieder ins Büro zurückkehren – sofern die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber ihr oder sein Personal mindestens einmal pro Woche auf das Coronavirus testen lässt.
Wer das Arbeiten von zuhause schätzt, muss sich künftig also fragen: Soll ich wirklich wieder zurück ins Büro? Schliesslich bietet Homeoffice viele Vorzüge: länger schlafen, kein Pendlerstress, flexibles Gestalten des Arbeitsalltags. Die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer wollen daher aufs Arbeiten zuhause nicht verzichten (siehe Box).
Viele Expertinnen und Experten empfehlen allerdings eindringlich die Rückkehr ins Büro. So etwa Richard Baldwin. Der Wirtschaftsprofessor am Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung in Genf sagt zur «SonntagsZeitung»: «Wollen Sie Ihren Job behalten? Gehen Sie zurück ins Büro.»
Zu viel Homeoffice mindert laut Baldwin die Aufstiegschancen. Auch setze man seinen Arbeitsplatz aufs Spiel. Denn Firmen hätten nun gemerkt, dass sich bestimmte Arbeiten problemlos aus der Ferne erledigen lassen. Jobs drohten daher, in günstigere Standorte ausgelagert zu werden.
Wie Baldwin sagt, kann man mit Büropräsenz zeigen, warum man vor Ort gebraucht wird. Das ist vor allem für Karriere-Bewusste wichtig. Der Experte meint daher: «Die Ehrgeizigen gehen wieder an ihren Arbeitsplatz.» Alle anderen drohten, abgehängt zu werden.
In der Schweiz will die Mehrheit der Berufstätigen auch von zuhause arbeiten können. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Schweizer Immobilienunternehmens Steiner. Demnach sagen 91 Prozent der Befragten, die aktuell zuhause arbeiten oder dies zumindest theoretisch könnten, dass sie auch künftig im Homeoffice sein möchten. Befragt wurden 1000 Berufstätige in der Deutsch- und Westschweiz.

Laut der Umfrage arbeiten in der Stadt und bei grossen Firmen mehr Menschen von zuhause aus als auf dem Land und in KMU-Betrieben. Vor allem Chefinnen und Chefs (51 Prozent) oder Arbeitnehmende aus der Unternehmensleitung (61 Prozent) arbeiten aktuell im Homeoffice. Vor der Pandemie waren es knapp 42 Prozent beziehungsweise 37 Prozent.
Auch Susanne Pladeck rät, mindestens ein Drittel bis die Hälfte der Arbeitszeit im Büro zu sein. «Und zwar vor allem dann, wenn auch der Chef und die Mehrheit des Teams vor Ort sind und es wichtige Besprechungen gibt», sagt die Personalexpertin beim Vermittler Manpower zur «SonntagsZeitung».
Die Präsenz vor Ort sei ein Zeichen der Wertschätzung. Im Homeoffice werde man aber zur Einzelkämpferin oder zum Einzelkämpfer. Zuhause könne man den Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen und der Chefin oder dem Chef ausweichen. Der Vorteil im Büro seien etwa die spontanen und wertvollen Begegnungen. Gerade in Pausen oder an der Kaffeemaschine tausche man wichtige Informationen aus.
Noch ist unklar, ob das Homeoffice zum Jobkiller wird. Das Szenario macht aber den Gewerkschaften zu schaffen. Laut Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, besteht die Gefahr, dass Jobs in andere Regionen innerhalb der Schweiz oder gleich ins Ausland verlegt werden.
Auch Richard Baldwin glaubt, dass die Pandemie eine Stellen-Verlagerung befeuert. «In den nächsten fünf Jahren werden viele, viele Arbeitsplätze in andere Länder verlagert. Auch aus der Schweiz», so der Wirtschaftsprofessor.
Vorerst müssen aber viele Mitarbeitende weiter im Homeoffice bleiben, da die Rückkehr ins Büro nur mit Massentests möglich ist. Der Aufwand dafür ist aber vor allem für kleine und mittlere Unternehmen zu gross. Daher verzichten viele auf regelmässiges Testen.
Auch der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse erachtet die «bürokratischen Hürden» für die Tests als meist zu hoch. Die Regelung führe daher zu einer «faktischen Verlängerung der Homeoffice-Pflicht».
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