Totalverlust bis Gewinn: Wie riskant ist Investieren wirklich? – Business Insider Deutschland

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„Ich investiere nicht in Aktien. Mein Vater hat damals mit der Telekom-Aktie sein ganzes Geld verloren.“
Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich schon diesen Spruch gehört habe. „Vater“ könnt ihr auch wahlweise gegen Opa, Onkel, Lehrer, Nachbar, Bäcker und so weiter austauschen. Die Telekom-Aktie hatte es damals tatsächlich geschafft, ganz Deutschland von Aktien zu begeistern und wurde daher auch „die Volksaktie“ genannt. 1996 machte sogar der beliebte und mittlerweile verstorbene Fernsehkommissar Markus Krug TV-Werbung für das Aktieninvestment. Was jedoch folgte, war im Jahr 2000 das Platzen der Dotcom-Blase und somit der tiefe Absturz zahlreicher Aktien. Vom Allzeithoch im März 2000 mit umgerechnet 104,90 Euro, erreichte die Aktie im Sommer 2004 den Tiefststand von 8,14 Euro. Viel erspartes Geld löste sich in Luft auf und viele Träume platzten.
In meiner letzten Kolumne habe ich euch bereits davon erzählt, wie ihr mit Verlusten umgehen und diese mindern könnt. Jetzt sprechen wir über die Wahrscheinlichkeit von Verlusten.
Zunächst einmal müssen wir jedoch die Frage nach dem Risiko klären: Was bedeutet Risiko überhaupt? Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Frank H. Knight prägte den Begriff der „Knight’sche“ Unsicherheit, was bedeutet, dass weitestgehend unvollständiges Wissen darüber besteht, welche Zielerreichung nach dem Eintreten bestimmter denkbarer Handlungsalternativen eintreten wird. Das heißt: Wenn ihr heute 100 Euro in eine Aktie investiert, könnt ihr nicht vorhersagen, wo die Aktie in einem Monat, einem Jahr und erst recht in 10 Jahren stehen wird. Das ist das Risiko, auf das sich AnlegerInnen einlassen müssen.
Die meisten wollen dieses Risiko aber nicht eingehen und setzen stattdessen lieber auf eine Zielerreichung, die sie kennen. Auch wenn das vielleicht bedeutet, dass das Ziel nicht gerade üppig ausfällt. In Zeiten hoher Inflation und Strafzinsen wird das Sparbuch zum Luxus, den man sich leisten können muss. Trotzdem ignorieren das die meisten deutschen Sparer und haben am Ende lieber ein paar Euro weniger in der Tasche, aber dafür ist das Geld vermeintlich „sicher“ – oder eben das, was noch davon übrigbleibt. Mit dem Sparbuch und Girokonto kann ich eben planen: Ich weiß, dass wenn ich heute 10.000 Euro auf meinem Girokonto herumliegen lasse (eine der beliebtesten „Sparoasen“ der Deutschen), habe ich auch in zehn Jahren noch die Summe dort. Dass mir bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2 % nach 10 Jahren nur noch ein reeller Wert von etwa 8.200 Euro bleibt, übersehen die meisten.
Und hierbei stellt sich natürlich auch die Frage: Was ist risikoreicher – mit einer Unbekannten zu arbeiten oder sicher zu wissen, dass ich mein Geld verdiene?
Die Vorhersage, wo eine Aktie zu einem bestimmten Zeitpunkt stehen wird, ist ungewiss. Aber auch auf dem Weg dorthin wissen wir nicht, wie sie sich verhalten wird. Aktienkurse schwanken eben, mal nach oben, mal nach unten. Diese Schwankungen einer Aktie um ihren eigenen Mittelwert herum bezeichnet mal als Volatilität. Eine hohe Volatilität bedeutet, dass es nach besonders hohen Kursen zu besonders niedrigen kommen kann. Eine niedrige Volatilität heißt, dass die Schwankungen nur gering sind.
Man kann das Ganze auch mit einer Beziehung vergleichen: Wir treffen jemanden, der uns gefällt und lassen uns mit dieser Person auf eine Beziehung ein. Ausgang ungewiss. Wir wissen zu dem Zeitpunkt nicht, ob uns dieser Mensch das Herz bricht oder wir ein Leben lang zusammenbleiben (= Knight’sche“ Unsicherheit). Auch was in der gesamten Zeit dazwischen passiert, wissen wir nicht: haben wir eine harmonische Beziehung, streiten wir viel, erleben wir gemeinsame Schicksalsschläge, von denen wir uns erholen müssen, oder betrügt uns diese Person (= Volatilität)? Trotz all dieser Unsicherheiten würde aber vermutlich niemand von uns sagen, dass Beziehungen zu riskant sind, weil wir deren Ausgang nicht kennen.
Als AnlegerInnen müsst ihr euch überlegen, welche Schwankungen ihr aushalten könnt. Und zwar sowohl finanziell als auch mental. Das bedeutet, ihr solltet nie euer gesamtes Geld in Aktien investieren, sondern auch immer Rücklagen bereit haben: Mit dieser einfachen Methode schafft ihr es, jeden Monat Geld zu sparen – ohne das Gefühl zu haben, auf etwas zu verzichten.
Wenn wir übers Risiko sprechen, müssen wir uns auch überlegen, wie wahrscheinlich ist es, dass etwas eintritt und wie schwerwiegend ist es. Sehen wir uns die aktuelle Flutkatastrophe in Deutschland an. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Unwettern kommt, wird durch die Klimakatastrophe immer wahrscheinlicher. Die Eintrittsschwere ist aber abhängig davon, wo ich wohne: Steht mein Haus im Tal neben einem Fluss oder Bach ist die Eintrittsschwere für mich größer, als wenn ich oben auf dem Berg wohne.
Die Wahrscheinlichkeit, ob eine Aktie steigt oder sinkt, hängt von der Verfassung des Unternehmens ab. Investiere ich in ein Unternehmen, das ganz neu an der Börse ist, noch hohe Schulden macht und kaum Gewinne, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktie des Unternehmens sinkt größer, als bei einem großen Konzern, mit viel Eigenkapital und jahrzehntelanger Marktmacht. Hier kommt es also darauf an, was ich auswähle.
Die Eintrittsschwere hingegen hängt von mir persönlich ab. 10.000 Euro, die jemand in eine Aktie steckt, sind für den einen Peanuts und der Totalverlust verkraftbar, für den anderen bedeutet es eine schwere finanzielle Krise.
Wenn ihr an der Börse investiert, ist es wichtig euch mit diesen Themen auseinanderzusetzen und euch diese Frage stellen: Was halte ich finanziell aus?
Was die Telekom-Aktie betrifft: Sie hat sich seitdem nie wieder erholt und pendelt immer noch bei etwa 17 Euro. Dieses Risiko senkt ihr am besten, in dem ihr verschiedene Aktien im Depot habt und euch nicht nur von einer einzigen abhängig macht. An dieser Stelle unterlasse ich es lieber, Aktien mit Beziehungen zu vergleichen.
Margarethe Honisch ist Finanzbloggerin und Buchautorin. Auf ihrer Website Fortunalista und ihrem gleichnamigen Instagram-Account gibt sie Tipps rund um Altersvorsorge und Geldanlage. Für Business Insider schreibt sie die Kolumne „Aus Geld mehr machen“.
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