Gold, Immobilien, Anleihen: So schützen Sie Ihr Vermögen vor steigender Inflation – manager magazin

Höherer Eurobetrag für dieselben Waren: Die Angst vor Geldentwertung (Inflation) hat sich verstärkt
“Inflation ist Besteuerung ohne Gesetzgebung”, proklamierte einst Milton Friedman (1912-2006), Wirtschafts-Nobelpreisträger und Begründer des Monetarismus. Steigende Teuerungsraten haben unter Anlegern einen schlechten Ruf – und Investoren haben durchaus Grund zur Sorge. Denn nicht nur in den USA, sondern auch in der Eurozone rechnen Experten damit, dass sich die Inflation im März wegen eines Anstiegs der Energiepreise verstärkt hat. In Deutschland ist die Teuerung im März bereits deutlich gestiegen.
Analyst Christoph Balz von der Commerzbank prognostiziert für den Währungsraum eine März-Inflationsrate von 1,4 Prozent. Seiner Einschätzung nach dürften die Inflationsraten im Euroraum in diesem Jahr durch eine veränderte Struktur des Warenkorbs und durch die Corona-Krise verzerrt sein. Diese Effekte dürften sich im März aber noch in Grenzen halten. Mit einem weiteren Schub für die Teuerungsrate ist nach Einschätzung von Experten der Dekabank in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen. Dann werde sich unter anderem die zeitweise Senkung der Mehrwertsteuer in Deutschland im Jahresvergleich auswirken.
Zwar können steigende Preise im Aufschwung auch durchaus Vorteile haben, solange sie nicht aus dem Ruder laufen. Doch zahlreiche Ökonomen warnen bereits davor, dass Europa und auch die USA vor einer Trendwende stehen: Nach Jahren mit extrem niedriger Inflationsraten stehe nun eine Trendwende bei den Preissteigerungen bevor. Fraglich ist nur, wie stark und dauerhaft diese Preissteigerungen sein werden.
Investoren, die ihre Geldanlagen nun inflationssicher machen wollen, stehen aber vor keiner leichten Aufgabe. Zwar gibt es laut Experten ein ganzes Bündel an Vermögensanlagen, die sich angeblich als Schutz gegen Geldentwertung eignen. Bei den meisten davon sind jedoch verschiedene Einschränkungen und andere Haken und Ösen zu beachten, wie die folgende Übersicht zeigt:
Gold gilt als klassischer Inflationsschutz schlechthin – aber warum eigentlich? Sicher, wer Gold in Form von Münzen oder Barren im Safe liegen hat, kann zumindest auf dessen Substanzwert vertrauen. Die Gefahr, das Investment im Ernstfall komplett zu verlieren, besteht also wohl kaum. Allerdings ist der Goldpreis nicht besonders niedrig. Zu Beginn der Coronavirus-Pandemie in Europa Mitte März 2020 stieg er zunächst von 1380 Euro je Feinunze auf über 1700 Euro Anfang August. Seitdem ging der Preis wieder auf 1420 Euro Anfang März 2021 zurück – doch Ende März lag der Preis je Feinunze wieder bei fast 1500 Dollar.
Und Experten warnen schon lange: Statistisch gesehen sei Gold kein besonders guter Schutz vor Inflation. Bei echten Krisen schütze Gold zwar. Doch eine ansteigende Inflation werde an den Börsen zwar kritisch gesehen, sei aber noch kein beängstigendes Krisenszenario. Zudem werde Gold bei Inflationsraten im einstelligen Bereich eher unattraktiver. Das Edelmetall werfe weder Dividenden noch Zisen ab. Diese Differenz müsse erst einmal ausgeglichen werden, warnen Anlageexperten – und das sei nicht unbedingt gewährleistet.
Auch Anteilsscheine an Unternehmen gelten als Sachwerte und bieten daher zumindest theoretisch einen gewissen Schutz gegen Geldentwertung. So haben Aktiengesellschaften beispielsweise die Möglichkeit, Preissteigerungen mit höheren Inflationsraten zu rechtfertigen und auf diese Weise im Idealfall ihre Margen zu steigern – zur Freude der Aktionäre. Andererseits: Sollte die Geldentwertung allzu rasant voranschreiten, leiden darunter auch die Firmen. Starke Preissteigerungen können Produktionskosten schneller ansteigen lassen als die Verkaufspreise. Das drückt dann die Marge – und lässt Aktienpreise fallen. Hinzu kommt: Die Aktienmärkte sind in den vergangenen Jahren ohnehin bereits stark gestiegen. Das Rückschlagpotenzial erscheint daher vergleichsweise groß – insbesondere, wenn Unsicherheitsfaktoren wie eine stark steigende Inflation ins Spiel kommen sollten.
Ähnlich ist es mit Immobilien, die ebenfalls als Substanzwerte und damit grundsätzlich als werterhaltend gelten. Die lockere Geldpolitik der Notenbanken hat nach den Schocks der ersten Coronapandemie-Wellen allerdings nicht nur die Aktienkurse weltweit wieder ansteigen lassen – auch die Immobilienpreise sind vielerorts weiter gestiegen. Wenn Notenbanken bei einem künftigen Anstieg der Inflationsraten nun eine restriktivere Geldpolitik umsetzen, könnte das auch in den Anlagemärkten Spuren hinterlassen. Sprich: Auch bei den Immobilienpreisen besteht wegen der starken Preisanstiege der vergangenen Jahre die grundlegende Gefahr von Rückschlägen. Die Zinsen für Hypothekenkredite sind seit Jahren extrem niedrig – was die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern zum Kauf und damit deren Preise weiter steigen lässt. Sobald die Zinsen wieder steigen, werden auch Kredite wieder teurer – und damit die Anschlussfinanzierung für den Immobilienkredit. Und wer darauf setzt, dass nach zehn Jahren mit steigenden Immobilienpreisen die Preise immer weiter steigen, könnte bei einer sinkenden Nachfrage von der Preisentwicklung enttäuscht werden.
Grundsätzlich ist es eine denkbar schlechte Idee, bei absehbar steigenden Inflationsraten in festverzinsliche Papiere, also etwa Staatsanleihen, zu investieren. Denn die höheren Preissteigerungsraten lassen in der Regel auch steigende Zinsen erwarten, was wiederum bei bereits am Markt befindlichen Bonds meist zu Kursverlusten führt. Dennoch meinen einige Experten, dass sich der womöglich beste Inflationsschutz für Kapitalanleger ausgerechnet am Anleihemarkt findet. Die Rede ist zum einen von Papieren mit variabler Verzinsung (“Floating Rate Notes”) und zum anderen von inflationsgebundenen Anleihen (“Inflation Linked Notes”). Nur diese Wertpapiere bieten einen echten Schutz gegen Inflation, meinen Experten.
Bei europäischen inflationsgebundenen Anleihen etwa wird sowohl auf den Kupon als auch auf den Rückzahlungswert ein Inflationsausgleich gezahlt. Anleger sollten deshalb allerdings unbedingt auf die Inflationsrate achten, die dem jeweiligen Papier zugrunde gelegt wurde. Darüber hinaus sind auch Anleihen mit variabler Verzinsung ein möglicher Inflationsschutz fürs Depot.
Solche Papiere haben einen variabel verzinslichen Kupon – also einen variablen Zinssatz, den ein Anleger während der Laufzeit aus Ausgleich dafür erhält, dass er dem Anleihenbegeber sein Geld überlassen hat. Der Kupon wird regelmäßig, monatlich oder vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich, an das aktuelle Zinsniveau angepasst – und sorgt damit für einen regelmäßigen Ausgleich der Inflation.
Enorme Verzinsungen dürfen sich Anleger aber nicht erwarten, wenn sie ihr Geld konservativ in Anleihen von Schuldnern mit besonders guter Bonität setzen. Denn auch am Anleihenmarkt gilt: Wer in Papiere mit höherem Risiko und damit höheren Kuponzahlungen investiert, kann am Ende der Laufzeit auch mehr Geld verlieren – wenn es bei dem Anleihenbegeber schlecht läuft.
Höherer Eurobetrag für dieselben Waren: Die Angst vor Geldentwertung (Inflation) hat sich verstärkt

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