Das Depot für Zocker: Wie Sie Aktien für kurzfristigen Erfolg auswählen – FOCUS Online

Nur rund ein Sechstel der Deutschen besitzen Aktien. Dabei bringen die mehr Rendite als jedes Sparkonto. FOCUS Online zeigt in einer neuen Serie, wie einfach Sie am Aktienmarkt investieren. Heute: So zocken Sie an der Börse.
Aktienhandel ist doch nur was für Zocker und Spekulanten, so lautet auch heute noch ein weit verbreitetes Vorurteil. Dabei stimmt das nicht. Natürlich gehört auch immer ein bisschen Glück dazu, aber wir haben in den vorherigen Teilen gezeigt, dass sich langfristiger Erfolg an der Börse durchaus planen lässt. 
Vielleicht haben Sie aber nicht so viel Zeit oder suchen einfach ein bisschen mehr Nervenkitzel? Dann können Sie, wenn Sie wollen, auch an der Börse zocken. Viele Aktien zeigen kurzfristig deutliche Kursausschläge nach oben und nach unten – und wer an der richtigen Stelle einsteigt, kann damit weit mehr Geld verdienen als mit einer langfristigen Anlage. Aber Vorsicht: Schlägt die Aktie zur falschen Seite aus, können Sie hier auch viel Geld verlieren. 
Bevor wir zur Gestaltung eines kurzfristigen Aktiendepots kommen, müssen wir erst das Wort „kurzfristig“ definieren. Im Börsen-Slang bezeichnet das einen Anlagezeitraum von einem bis zwei Jahren. Es gibt auch noch kürzere Zeiträume, etwa Day-Trading, bei dem Aktien innerhalb eines Tages ge- und verkauft werden, aber das ist dann wirklich etwas für Fortgeschrittene. 
Anlagen über mehrere Monat bis maximal ein Jahr bezeichnet der Börsianer auch als „Swing-Trading“, weil Sie damit versuchen, über die kurzfristigen Kursausschläge Geld zu verdienen. Dafür spielen langfristige Unternehmensdaten nur eine untergeordnete Rolle. Alles, was wir Ihnen im Kapitel zur Fundamentalanalyse beigebracht haben, können Sie für kurzfristige Anlagen also erst einmal nach hinten schieben. 
Stattdessen geht es einzig um die Frage, wie sich ein Aktienkurs entwickeln wird – und damit wären wir bei der Technischen Analyse und vor allem der Chartanalyse. Für den kurzfristigen Anleger sind zunächst Aktien interessant, die derzeit unter Wert gehandelt werden, die also ein möglichst niedriges KUV, KGV, KBV und KCV aufweisen. Allerdings müssen Sie das mit den möglichst aktuellen Daten berechnen – in der Regel sind das die Quartalszahlen der entsprechenden Unternehmen. 
Bei interessanten Konzernen sollten Sie dann als nächstes auf die in der Chartanalyse gelernten Daten achten, wobei hier eher kurzfristige Indikatoren zählen, also etwa die 90-Tage-Linie beim gleitenden Durchschnitt, den MACD, den RSI und die Bollinger-Bänder (für Details dazu gehen Sie zu Teil 7 der Serie). 
Wir haben das einmal an einem Beispiel durchgerechnet. BMW ist eine Aktie, die in den vergangenen Jahren meist günstig bewertet war. Gehen wir vier Jahre in der Börsen-Historie zurück, wäre am 20. November 2014 ein günstiger Kaufzeitpunkt gewesen. An diesem Tag durchbrach der Aktienkurs die 90-Tage-Linie nach oben (Kaufsignal 1), das obere Bollinger-Band nach oben (Kaufsignal 2) und der MACD war bereits wenige Tage vorher von fast 0 wieder deutlich ins Positive geschwenkt (Kaufsignal 3). Der RSI zeigte eine neutrale Kaufaktivität für die BMW-Aktie, es drohten also auch keine Verkäufe. 
Der Einstiegskurs an diesem Tage wäre bei 84,71 Euro gelegen. Heute liegt er bei 79,40 Euro. Ein langfristiger Trader hätte in diesem Zeitraum allerdings viermal Dividenden erhalten und wäre damit heute zehn Prozent im Plus. 
Ein Swingtrader hätte im selben Zeitraum die Aktie 18 Mal ge- und verkauft. Ohne auf die Details jedes dieser Trades einzugehen, hätte der Swingtrader ein Plus von 57 Prozent eingefahren – obwohl er im selben Zeitraum nur zweimal Dividenden erhalten hätte. In den anderen beiden Jahren hätte er zum Zeitpunkt der Dividendenauszahlung keine Aktien von BMW besessen. 
Das klingt fantastisch, ist aber mit Vorsicht zu genießen: Erstens wären auch Verlustphasen unter den 18 Trades gewesen. Ein Swingtrader muss also so etwas aushalten können. Zweitens wird der Gewinn dadurch geschmälert, dass auf Kursgewinne bei Aktienverkäufen die 25-prozentige Abgeltungssteuer fällig wird. Und außerdem verlangt ein Broker normalerweise für jeden Trade eine Gebühr. Je nachdem, über welche Bank Sie Ihr Geld anlegen, schlägt das bei 18 Trades mehr oder weniger aufs Portemonnaie. 
Trotzdem: Selbst mit all diesen Kosten bliebe dem Swingtrader in diesem Beispiel noch ein Plus von 36 Prozent über vier Jahre. Das macht eine jährliche Rendite von rund acht Prozent. 
Dies ist – wichtig – aber nur ein Beispiel. Selbst mit den besten Chartindikatoren bleibt ein Restrisiko, dass sich Kurse gegen den Trend entwickeln. Kurzfristige Anlagen sind zudem anfälliger für einmalige Ereignisse von politischen Entscheidungen über wirtschaftliche Berichte bis hin zu Naturkatastrophen. Als Swingtrader müssen Sie deswegen nahezu täglich den Aktienmarkt im Blick haben und nach Kauf- und Verkaufsgelegenheiten suchen. 
Deswegen bleibt eine wichtige Grundregel des Aktienhandels auch bei kurzfristigen Anlagen bestehen: Sie müssen Ihr Geld diversifizieren. Auch Swingtrades sollten nicht nur mit Aktien aus einem Land oder einer Branche stattfinden und am besten über 10 bis 15 verschiedene Positionen gestreut werden. So minimieren Sie Ihre Verluste, wenn sich ein oder zwei Aktien dann einmal doch nicht so entwickeln, wie Sie das gedacht hätten.
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Teil 1: Depot eröffnen und loslegen: So kaufen Sie Ihre erste eigene Aktie
Teil 2:  Mit 75 Euro sind Sie dabei: Der Börsen-Einstieg kostet weniger, als Sie denken
Teil 3: Die einfachste Aktien-Strategie: Wie Sie mit ETFs ihr Erspartes vermehren
Teil 4: So bauen Sie sich das ideale Aktien-Depot auf
Teil 5: So analysieren Sie die wichtigsten Kennzahlen eines Unternehmens
Teil 6: Technische Analyse: Wann ist eine Aktie günstig, wann ist sie teuer?
Teil 7: Chartanalyse: Wie Sie Kursschwankungen einer Aktie analysieren
Teil 8: Das Depot für die Rente: Wie Sie Aktien für langfristigen Erfolg auswählen
Teil 9: Das Depot für Zocker: Wie Sie Aktien für kurzfristigen Erfolg auswählen
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Dienstag, 21.08.2018 | 16:29 | Dieter Koch
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