Online-Identifikation: Wenn Banken vom E-Commerce lernen – Geldinstitute

Um ein Bankkonto zu eröffnen, muss niemand mehr persönlich in die Filiale eines Geldinstituts kommen – Online-Prozessen und Geldwäschegesetz-konformer Fernidentifikation sei Dank. Doch besteht hinsichtlich der Konversionsrate ein Unterschied zwischen der Kontoeröffnung am Schalter und online: Was können Banken hier von den Erfahrungen im Handel lernen?
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Um ein Bankkonto zu eröffnen, muss längst niemand mehr persönlich in die Filiale eines Geldinstituts kommen – Online-Prozessen und Geldwäschegesetz-konformer Fernidentifikation sei Dank. Doch besteht hinsichtlich der Konversionsrate, also der Anteil an Interessenten, die zu Kunden werden, ein Unterschied zwischen der Kontoeröffnung am Schalter und online: Seltenst wird der Interessent es sich in der Filiale nochmal anders überlegen, in den Phasen des Online-Prozesses hingegen gehen Interessenten „verloren“. Ein Return-of-Investment in die Kundenakquise wird jedoch erst mit der erfolgreichen Kontoeröffnung möglich. Wie also gelingt auch online eine möglichst hohe Konversionsrate?
Geht es nach der Bestellung im Online-Shop in den Checkout-Prozess, ist man immer öfter überrascht, wie viele verschiedene Bezahloptionen angeboten werden. Die Auswahl unter sieben Paymentverfahren ist keine Seltenheit mehr.
Dieses große Serviceangebot ist weniger mit der steigenden Anzahl verfügbarer Bezahldienste zu erklären, sondern mit dem Blick auf die Konversionsrate: Je mehr Möglichkeiten dem Kunden geboten werden, seine Ware zu bezahlen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die von ihm bevorzugte dabei ist. Mit anderen Worten: Es sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kunde den Kaufprozess abbricht, weil die passende Zahloption nicht zur Verfügung steht.
Übertragen auf die Bankkontoeröffnung online versus am Schalter bedeutet dieses, dass einem Kunden möglichst viele Optionen der Online-Identifikation geboten werden sollten. Doch das ist einfacher gesagt als getan, denn da gibt es noch das Geldwäschegesetz (GwG).

Das hohe Sicherheitsniveau, welches das GwG mit seinen Vorgaben verfolgt, ist absolut berechtigt. Doch fällt der Rahmen von technischen Lösungen für eine Online-Identifikation entsprechend schmal aus und es ist anspruchsvoll, technische Lösungen zu entwickeln, welche die gesetzlichen Voraussetzungen richtig erfüllen. 
Erst seit 2014 gibt es überhaupt die Videoidentifikation, die sich zum De-Facto-Standard für Online-Identifikation bei Banken entwickelt hat. Die eID-Funktion des Personalausweises hat hier wie in anderen Bereichen bisher keine echte Praxisrelevanz erreicht. Seit etwas mehr als einem Jahr existiert nun ein weiteres GwG-konformes Verfahren, mit dem sich die Identität über ein bestehendes Bankkonto mit Online-Banking und einer Referenzüberweisung verifizieren lässt
Autor: Frank S. Jorga ist Gründer und CEO von WebID Solutions, einem Unternehmen, das auf digitale Identifizierungsverfahren und Online-Signaturen spezialisiert ist. Er verantwortet die strategische Ausrichtung sowie die weltweite Expansion des 2012 gegründeten Unternehmens. WebID ist mit seiner Erfindung der Pionier im Segment der GwG-konformen Video-Identifikation (GwG = Geldwäschegesetz). © JANNIS DIRKSEN
Bei Banken, die diese neue Lösung zusätzlich zur Videoidentifikation – und dem Postident in der Postfiliale, die älteste GwG-konforme „Offline“-Fernidentifikation – anbieten, lässt sich beobachten, wie die Anzahl an erfolgreich durchgeführten Identifizierungen insgesamt steigt. Das zusätzliche Online-Angebot führt also zu mehr Identifizierungen – und in der Folge dann zur Bankkontoeröffnung und zum Abschluss des Ratenkreditvertrages. Der „Payment-Effekt“ ist deutlich: So wie Online-Händler mit mehr Bezahloptionen mehr Umsatz mitnehmen können, schließen Banken mit mehr Online-Identifizierungsmöglichkeiten mehr Verträge ab.
Daher ist es den Banken zu wünschen, dass noch mehr digitale Identifizierungsverfahren als so sicher eingestuft werden, dass sie nach dem GwG zulässig werden.
Auch bei Banken ist das Interesse groß, das Potenzial Künstlicher Intelligenz (KI) zur Digitalisierung und weitreichenden Optimierung von Geschäftsprozessen zu nutzen. Auch für Identifikationsverfahren wird KI bereits mit Erfolg genutzt. Festzuhalten ist hierbei, dass es sich um Teilprozesse handelt, die von KI automatisiert und sehr effektiv übernommen und ausgeführt werden können. Mit weiteren technischen Verfahren kombiniert, zeigt der gesamte Identifizierungsvorgang hervorragende Resultate im Niedrigrisikobereich.
KI leistet seinen Teil zur Sicherheit des Gesamtprozesses, jedoch ist nicht zu erwarten, dass eine KI den Identifizierungsprozess für Banken übernehmen wird. Nach wissenschaftlichem Stand ist es heute nicht möglich, KI derartig sicher zu machen, dass sie den hohen Sicherheitsanforderungen genügt, die GwG-konforme Lösungen erfüllen müssen.
Ob es aber nun KI für Teilprozesse ist oder andere innovative Technologien eingesetzt werden: Zur Erhöhung von Konversionsraten gemäß des „Payment-Effekts“ muss es ein Ziel sein, den Banken noch mehr sicherere und nutzerfreundliche Lösung für die regulatorisch vorgeschriebenen Authentifizierungsprozesse zur Verfügung zu stellen.
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