Ortsfahrbahn zugeparkt: Stadt will an der Waldersee-Siedlung handeln – Marler Zeitung

Im Zuge der Knöllchen-Offensive am Datteler Berg II monierten zahlreiche Leser, dass in anderen Wohngebieten nahezu paradiesische Zustände für Falschparker herrschen. Dort würde das Ordnungsamt aber nicht tätig werden. Ralf Feldhaus, Fachdienstleiter für Verkehrsangelegenheiten im Rathaus, kann das nicht bestätigen. „Ich habe gerade den Erlenkamp auf dem Schreibtisch“, sagt er im Zuge eines Ortstermins an der Waldersee-Siedlung. Diese liegt direkt an der Ortsfahrbahn, die parallel zur Friedrich-Ebert-Straße zwischen Winkel-Siedlung und dem Gewerbegebiet an der Rudolf-Diesel-Straße. Und das Parken ist an der schmalen Straße seit Jahren ein echtes Problem. Das Ordnungsamt hat das auf dem Schirm und will nun tätig werden.
Knapp 2,80 Meter ist die Ortsfahrbahn breit. Autos können hier eigentlich problemlos passieren, auch breite SUVs und Sprinter kommen noch durch, wenn die Anwohner denn ihre Fahrzeuge nicht direkt auf dieser Fahrbahn vor ihrem Haus abstellen würden. Doch das scheint in der Siedlung gang und gäbe zu sein. Wie ein Anwohner bestätigt, werde seit Jahrzehnten so geparkt und auch beim Ortstermin mit dem Ordnungsamt stehen gleich mehrere Fahrzeuge auf der Fahrbahn. Aber wie kommen dann die Fahrzeuge durch, die aus beiden Richtungen auf die Ortsfahrbahn zu den Wohnhäusern gelangen können? Hier bleibt dann nur noch der Weg über den anliegenden Rad- und Fußweg, der allerdings durch einen erhöhten Bordstein sowie durch eine durchgezogene weiße Linie abgetrennt ist. Das Befahren mit dem Auto ist hier verboten.
Neu ist das Thema für das Ordnungsamt nicht, wie Ralf Feldhaus bestätigt. Es sei nicht erst durch die Knöllchen-Debatte und die Meldungen der Bürger auf den Tisch gekommen. Vielmehr habe die Stadt schon im Oktober 2019 ein Schreiben an die Bewohner der Häuser Friedrich-Ebert-Straße 165 bis 171b verschickt, um auf die geltenden Verkehrsregeln aufmerksam zu machen. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass auf der Ortsfahrbahn nur noch Tempo 30 gilt, was durch Piktogramme auf dem Boden gekennzeichnet wird. Zuvor galt auf der schmalen Straße Tempo 50. Zur Vermeidung von Verwarn- und Bußgeldern wurden die Anwohner aufgefordert, nicht mehr im Fahrbahnbereich zu parken.
„Doch dann kam Corona“, sagt Ralf Feldhaus und die Mitarbeiter des Ordnungsamtes waren dementsprechend vermehrt an anderen „Baustellen“ aktiv. Jetzt soll das Parken in Wohnsiedlungen aber wieder in den Fokus rücken. „Wir werden verstärkt in diese Bereiche gehen, um zu kontrollieren“, sagt er und betont, dass es dabei um die Verkehrssicherheit für Radfahrer, Fußgänger aber auch die Anwohner gehe. An mehreren Stellen in der Stadt werde die Zufahrt für Rettungswagen oder die Drehleiter der Feuerwehr versperrt. Und dagegen müsse vorgegangen werden. „Mein Job ist es nicht, die Stadtkasse zu füllen. Auch wenn der Kämmerer das bestimmt nicht gerne hört“, sagt Feldhaus.
Laut Auskunft eines Anwohners, sei die Sicherheit ein Hauptgrund, warum das Auto direkt vor der Tür geparkt werde. Die Hauseingänge würden direkt an der schmalen Straße liegen und als Autos bis vor zwei Jahren noch mit Tempo 50 vorbeigesaust sind, sei die Gefahr, insbesondere für kleinere Kinder, groß gwesen. Beide Seiten sind sich eigentlich einig, dass die baulichen Gegebenheiten an der Ortsfahrbahn nicht mehr zeitgemäß sind. Doch als zur Friedrich-Ebert-Straße (L610) angehörige Ortsfahrbahn ist Straßen.NRW für die baulichen Gegebenheiten verantwortlich. Und der Landesbetrieb habe derzeit kein Interesse, in diesem Bereich tätig zu werden, erklärt Feldhaus. In den kommenden Wochen soll es ein Treffen zwischen Anwohnern und dem Ordnungsamt geben, um eine Lösung zu erarbeiten. Denn in den offiziellen Bauplänen aus dem Jahr 1992 sind hinter den Wohnhäusern zahlreiche Stellplätze eingeplant. In der Realität sind hier aber Gartenanlagen entstanden – nur vereinzelt finden Autos auf dem Hinterhof Platz. Dabei bestehe nach eigenen Angaben der Anwohner in den Hauptzeiten und wegen mittlerweile erwachsener Kinder ein Bedarf von 27 Stellplätzen. „Unser Anliegen ist es nun auch nicht, die Gartenanlagen platt zu machen und Stellplätze zu erzwingen“, sagt Ralf Feldhaus. Daher sollen nun gemeinsame Lösungen gesucht werden.
Knapp 19.000 Knöllchen wurden 2016 vom Ordnungsamt noch an Falschparker verteilt. Bis 2019 ist die Zahl auf 13.834 gesunken. Im Corona-Jahr 2020 wurden sogar insgesamt nur 9473 Knöllchen verteilt. Ralf Feldhaus verweist darauf, dass dies nicht an Personalmangel beim Ordnungsamt liege, in den vergangenen Jahren sei eher aufgestockt worden. 14 Mitarbeiter besetzen zurzeit insgesamt 13 Stellen im Außendienst. Er gehe davon aus, dass ein Lerneffekt bei den Anwohnern einsetze, wenn das Ordnungsamt regelmäßig kontrolliert. Das ändere sich aber schnell, wenn die Kontrollen über mehrere Monate hinweg ausgesetzt werden.
Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.
Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

source

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*