Inflation: Wie Anleger auf steigende Inflationsraten reagieren sollten – finanzen.net

Das Schreckgespenst Inflation ist sowohl an den Aktienmärkten als auch in der Politik immer wieder Thema. Doch was ist Inflation genau? Wie entwickelt sich die Inflationsrate? Und welchen Einfluss hat diese auf Anleger und Investoren? In unserem Ratgeber erfahren Sie, welche Chancen und Risiken sich in Zeiten der Inflation auftun und mit welchen Maßnahmen Sie ihre Geldanlagen schützen können.
Grundsätzlich spricht man von Inflation, wenn das Preisniveau von Waren und Dienstleistungen steigt. Das ist gut für Unternehmen, die die steigenden Preise an ihre Kunden weiterreichen können, für sie bringt die Inflation höhere Umsätze und Gewinne. Für Anleger bieten sich mit ausgewählten Aktien also Chancen bei moderat steigenden Inflationsraten. Steigt die Inflation besonders schnell an, bieten Aktien neben Gold immerhin die Möglichkeit, das Vermögen zu bewahren – dazu später mehr.
Für Sie als Verbraucher ist Inflation eher schlecht, denn dann können Sie für die gleiche Summe Geld weniger konsumieren. Wenn Sie beispielsweise früher für Ihr Eis 50 Cent bezahlt haben und die Kugel heutzutage einen Euro kostet, dann hat der Euro die Hälfte seiner Kaufkraft verloren. Daher kommen auch die parallel verwendeten Begriffe Geldentwertung oder Kaufkraftminderung. Häufig entsteht im Rahmen der Inflation vor allem eine subjektive Wahrnehmung dafür, dass etwas teurer geworden ist. Dies nennt man „gefühlte Inflation“. Welche Produkte oder Leistungen das genau umfasst und in welchem Rahmen die prozentuelle Steigung stattgefunden hat, dafür fehlt aber manchmal der Überblick.
Vor diesem Hintergrund berechnet das Statistische Bundesamt in Wiesbaden die Inflationsrate für Deutschland, um dem Bürger einen greifbaren Wert mitteilen zu können. Hierfür wird ein imaginärer Warenkorb eines durchschnittlichen deutschen Haushalts (2,3 Personen) und dessen Konsum in den Kategorien „Alltagsprodukte“, „Langlebige Wirtschaftsgüter“ sowie „Dienstleistungen“ erstellt.
Neben Lebensmitteln, Waschmaschine und Miete fließen also auch Wasser und Gas, der Friseurbesuch oder auch der öffentliche Nahverkehr mit in den sogenannten Verbraucherindex. Anhand dessen, wie sich der Preis für diesen Warenkorb im Vergleich zum Vorjahr entwickelt hat, wird die aktuelle Inflationsrate ermittelt. Da diese jedoch individuell von verschiedenen Faktoren – wie unter anderem der Wohnsituation oder Ernährungsweise – abhängig ist, bietet das Statistische Bundesamt einen Inflationsrechner an, mit dem Sie Ihre persönliche Inflationsrate bestimmen können.
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Ausschlaggebend für den Anstieg der Inflation ist selten nur ein Faktor, meist ist es das Zusammenspiel verschiedener Gegebenheiten. Einer der Gründe für eine steigende Inflationsrate ist beispielsweise ein sich veränderndes Verhältnis zwischen existierender Geldmenge und vorhandener Warenmenge. Dieses Verhältnis verändert sich unter anderem dann, wenn die EZB – also die Europäische Zentralbank – eine expansive Geldpolitik betreibt, demnach verhältnismäßig viel Geld in die Wirtschaft „pumpt“, um die Konjunktur anzukurbeln.
Auf der anderen Seite können sich auch wachsende Produktionskosten für eine steigende Inflationsrate sorgen. Ursache hierfür können sowohl zunehmende Rohstoffpreise als auch Lohnerhöhungen sein. Sogenannte Inflationszyklen sind dann die Folge: Positiv wirtschaftende Unternehmen geben den Gewinn in Form von höheren Löhnen an ihre Mitarbeiter weiter, welche dadurch wiederum mehr konsumieren. Die Unternehmen ziehen im Gegenzug erneut die Preise an, um nicht an ein Produktionslimit zu stoßen.
Meist tritt Inflation in wirtschaftlich starken Phasen auf und ist daher nicht generell als schlecht anzusehen – vorausgesetzt die Inflationsrate bewegt sich in einem Bereich von ungefähr zwei Prozent. Aber selbst bei einer Inflationsrate von bis zu fünf Prozent sprechen manche Experten von einer „schleichenden Inflation“, bei welcher Sie als Privatperson keine schwerwiegenden Folgen befürchten müssen, im Gegenteil: Eine moderate Inflation ist aus wirtschaftlicher Sicht sogar erstrebenswert, da sie das Kaufverhalten der Menschen zum Positiven beeinflusst. Ein Großteil der Konsumenten zielt darauf ab, der Preissteigerung zuvorzukommen, und investiert daher eher heute als morgen in neue Sachgüter. Auf diese Weise wird mehr Wirtschaftswachstum generiert.
Auf der Negativseite dieser Spirale muss leider auch verzeichnet werden, dass eine steigende Inflationsrate nicht selten zu noch mehr Preissteigerungen und somit wiederum einer noch höheren Inflation führt. Gerät diese Preisspirale außer Kontrolle, sprechen wir von einer Hyperinflation, wie es zwischen 1913 und 1923 in Deutschland der Fall war. Vielleicht haben Sie das Bild im Kopf, wie Schubkarren voll mit Geld in die Geschäfte gekarrt und sogar Wände mit Banknoten tapeziert wurden. Damit so etwas nicht wieder passiert, steuern unabhängige Zentral- und Notenbanken wie die EZB den Anstieg bzw. das Absinken der existierenden Geldmenge. Dadurch sorgen sie für eine Stabilität des Geldwertes und für mehr Vertrauen bei den Konsumenten.
Bereits früher kam es vor, dass als Folge einer starken Inflation ein Einbruch an den Aktienmärkten zu verzeichnen war. Ein Börsencrash kann Investoren wie Unternehmen aus heiterem Himmel treffen. Wie Sie als Anleger reagieren sollten, wenn die Aktienkurse einbrechen, verraten wir Ihnen in unserem Ratgebervideo Börsencrash: Was tun in einer Finanzkrise wie der Corona-Krise? Tipps zum Anlegen in der Krise.
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Sparer, die auf Tages- oder Festgeldkonten setzen, müssen in Zeiten steigender Inflation die Zähne stärker zusammenbeißen. Grund hierfür ist unter anderem der seit 2015 im Negativbereich liegende Realzins. Dadurch kommen selbst die lukrativsten Bankangebote kaum auf einen positiven Realwert. Dem gegenüber liegen die zu versteuernden Zinseinnahmen (sofern Einnahmen überhaupt zustande kommen sollten).
Sollten Sie überlegen, Ihr Erspartes in Festgeld anzulegen, so ist in Zeiten einer steigenden Inflationsrate vor allem von langen Laufzeiten abzuraten. Denn selbst äußerst niedrige Zinsen könnten durch die EZB angehoben werden, sollte dies im Angesicht einer zunehmenden Inflation für notwendig befunden werden.
Doch wie sieht es dagegen an der Börse aus? Welchen Einfluss hat die steigende Inflation auf Wertpapiere und Dividenden? Jede Entwicklung am Markt ist mit Chancen und Risiken verbunden, dementsprechend kann man mit den richtigen Fonds und Aktien auch in Zeiten der Inflation das angelegte Vermögen bewahren, wenn nicht sogar Gewinne erzielen. Dies ist unter anderem davon abhängig, ob Sie sich bei Ihrer Investition für einen wertstabilen Sektor entscheiden. Denn natürlich bietet nicht jede Art von Sachwert einen Inflationsschutz.
Lohnend ist es daher, wenn Sie sich ein breitgefächertes, jedoch speziell verlesenes Portfolio aufstellen. Dies gilt sowohl für die Investition in Aktien als auch in ETFs. Hier ist es wichtig, das Kapital auf Daueranlagen zu verteilen, da sie der unsicheren Preisentwicklung eher gewachsen sind als beispielsweise gehypte Start Ups. Insbesondere weil Wachstumsfirmen noch viel Kapital benötigen, dessen Zinsen durch eine aufkommende Inflation angezogen werden. Ebenso sollten Sie als Anleger einen Bogen um konjunkturanfällige Unternehmen machen und sich stattdessen lieber mit großen Konsumgüterkonzernen befassen. Letztere sind durch deren ihre Marktmacht dazu in der Lage, die Inflation in Form von Preiserhöhungen an die Kunden weiterzugeben. Auf diese Weise sind die Gewinnmargen sicherer als in anderen Branchen.
Tipp: In unserem Ratgeber-Artikel zum Thema Depotwechsel erfahren Sie alles, was Sie über Ihre Möglichkeiten wissen müssen.
Auch empfehlenswert sind Anlagen im Energiesektor. Deren Preisentwicklung ist ein essenzieller Faktor bezüglich der sich entwickelnden Inflationsrate, wodurch die Umsätze in diesem Bereich parallel zur Inflation steigen. So konnten mehr als zwei Drittel der notierten Öl- und Gasunternehmen in den vergangenen Jahren stets die Inflation mit einer realen Rendite von knapp neun Prozent überbieten. Generell lohnt sich in Zeiten der Inflation ein Blick auf den Rohstoffhandel. Insbesondere ETFs und ETCs eignen sich hier für langfristig steigende Notierungen.
Des Weiteren können REITS (Real Estate Investment Trusts) dabei helfen, Ihr Vermögen vor dem Wertverlust zu bewahren. Der Grund ist offensichtlich: Ähnlich wie bei den Konzernen der Konsumgüterbranche können hier steigende Preise direkt in Form von Mieterhöhungen an die Endkunden weitergegeben werden. Mit steigenden Mieten gehen auch die Renditen nach oben und Anleger erfreuen sich hoher Dividende unabhängig vom direkten Aktienkurs. Da REITS hauptsächlich in Großprojekte in Ballungsgebieten investieren, ist dies ein Modell, welches für Sie als Aktionär in der Regel nahezu risikofrei verläuft.
Beitrag verfasst von:
Leslie Springer - Redakteurin finanzen.net RatgeberLeslie Springer verstärkt das Ratgeber-Team bei finanzen.net seit Juni 2021. Zuvor war sie sowohl als freiberufliche Texterin als auch im Content Marketing tätig. Sie studierte Media & Communication Management sowie Business Psychology und kann auf einige Jahre Erfahrung in verschiedenen Redaktionen zurückblicken.
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Bildquelle: pichetw / Shutterstock.com
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