Ende der Homeoffice-Pflicht: Wie man Stress und Frust als Berufspendler verringert – WEB.DE News

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Das Infektionsschutzgesetz, zu dem die gesetzliche Homeoffice-Pflicht zählt, ist bis Ende Juni befristet. Danach werden wieder mehr Beschäftigte den täglichen Weg zum Arbeitsplatz zurücklegen müssen, denn einige Unternehmen erwarten von ihren Mitarbeitenden, dass sie zumindest für ein paar Tage pro Woche ins Büro zurückkehren.
Das Pendeln zählt zu den unbeliebtesten Begleiterscheinungen des Arbeitsalltags und bringt gerade nach der coronabedingten Zeit im Homeoffice vermehrt Stress und Frust zurück. Die Bahn hat Verspätung, mit dem Auto steht man im Stau und auch mit dem Fahrrad kann der Weg zur Arbeit in dicht gedrängten Straßen nervenaufreibend sein. Keine guten Voraussetzungen für einen gelungenen Start in den Arbeitstag.
Eine kürzlich von der WHU – Otto Beisheim School of Management veröffentlichte Studie kommt sogar zu dem Ergebnis, dass sich negative Erlebnisse auf dem Arbeitsweg maßgeblich auf die Produktivität sowie die Motivation der Mitarbeiter auswirken und auch den Arbeitsfluss hemmen können.
Dieser negative Zusammenhang war dann besonders ausgeprägt, wenn die Angestellten über eine hohe Impulskontrolle verfügen mussten, also mit schwierigen Kunden oder Kollegen umgehen mussten. Des Weiteren kristallisierte sich heraus, dass ein stressiger Weg zur Arbeit die Fähigkeit beeinträchtigt, sich selbst für fordernde Aufgaben zu motivieren. Ein anstrengender Arbeitsalltag kann danach schlechter bewältigt werden.
Doch nicht nur die Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsplatz verursachen Stress, sondern auch die Folgen für das soziale Umfeld. Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen mit einem einfachen Arbeitsweg von mehr als 45 Minuten häufiger unter Rücken- und Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder Schlafstörungen leiden.
Besonders betroffen sind familienorientierte Menschen und solche mit sozialen Netzwerken, denen wegen langer Arbeitswege die Zeit für Beziehungspflege fehlen.
Dass das alles nicht sein muss, weil es eine Reihe von Strategien gibt, um die negativen Auswirkungen des Pendelns auszuschalten oder zumindest abzufedern, weiß Verkehrspsychologin und TÜV SÜD-Expertin Andrea Häußler.
Stressfreier Autofahren kann man zum Beispiel, indem man Zeitpuffer einbaut. “Das schont die Nerven bei Staus, schlechtem Wetter oder der Parkplatzsuche”, erklärt die Expertin. “Und immer mit unvorhergesehenen Dingen rechnen: neue Baustellen, Unfälle, Streiks …”
Fahrgemeinschaften mindern zudem Stress, da sich die Fahrer abwechseln können und man Ansprache hat.
Viele sind auf dem täglichen Weg zur Arbeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Auch hier kann man die Anspannung minimieren, erläutert Andrea Häußler. “Fahrten mit Bus und Bahn schonen die Umwelt und sind meist besser planbar. Dabei ist es oft sinnvoll, Strecken ohne Umsteigen zu wählen, auch wenn sie länger sind. Dadurch entfällt die Sorge um den Anschluss.”
Um die Fahrt angenehmer zu machen und der Fahrzeit überhaupt einen Sinn zu geben, sollten sich Pendler eine Beschäftigung suchen. Laut Häußler werden die Stunden dann weniger als verschwendet wahrgenommen und in der Folge treten weniger psychische Probleme auf.
Der öffentliche Nahverkehr hat den Vorteil, dass man lesen oder auch arbeiten kann. Es lohnt sich in jedem Fall beim Arbeitgeber mal nachzufragen, ob er diese Arbeitszeit dem Zeitkonto gutschreibt, empfiehlt die Verkehrspsychologin.
Im Auto Musik, Hörbücher oder Podcasts hören trägt ebenfalls zur Entspannung bei, denn wer Fahrtzeiten aktiv für sich nutzt, kommt zufriedener zur Arbeit und zurück nach Hause.
Auch die Forscherinnen und Forscher der WHU Studie konnten durch die Untersuchungen Strategien aufzeigen, durch die sich negative Erlebnisse auf dem Weg zur Arbeit weniger stark auf die Produktivität der Mitarbeitenden auswirkten. So hilft es beispielsweise, wenn Pendler die gestresst bei der Arbeit ankommen vor dem Arbeitsbeginn einen Plausch mit einem Kollegen halten oder eine kurze Achtsamkeitsübung machen.
Außerdem sollte die Arbeit so strukturiert werden, dass verbrauchte Energie wieder aufgefüllt wird. Es helfe etwa, mit Aufgaben zu beginnen, die zu schnellem Erfolg führen. Monotone Tätigkeiten sollten sich der Forscher zufolge außerdem mit herausfordernden abwechseln. Vor Beginn einer Aufgabe gilt es angemessene Fristen zu setzen.
Unternehmen selbst können ihre Mitarbeiter dabei unterstützen, indem sie flexible Arbeitszeiten oder vermehrt Homeoffice ermöglichen. So kann man außerhalb der “Rush Hour” schneller ans Ziel kommen. Manchmal kann der Arbeitgeber auch schon mit einem sicheren Parkplatz den Stress verringern.
Vor allem jedoch sollte man regelmäßig prüfen, ob sich die Lebenssituation nicht dahingehend verändern lässt, Wohn- und Arbeitsort einander anzunähern.
Verwendete Quellen

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