Immobilienmarkt wackelt: In China braut sich ein Crash zusammen – FOCUS Online

Eine Riesen-Immobilienpleite schockt Chinas Wirtschaft: Die Aktienmärkte werden nervös und befürchten eine Kettenreaktion. Denn auch das Wachstum schwächelt und die Regierung führt mit den Techkonzernen einen Machtkampf.
„Das könnte zur Lehman-Krise Chinas werden“, warnen Analysten aus Hongkong. Der Immobiliengigant Evergrande  ist in Zahlungsschwierigkeiten und warnt die Weltöffentlichkeit vor „beispiellosen Problemen“. Schulden von umgerechnet mehr als 300 Milliarden US-Dollar lasten auf dem chinesischen Immobilienkonzern.
Nicht nur die Aktien und Unternehmensanleihen von Evergrande haben ein Blutbad an der Börse angerichtet – es wächst die Furcht vor einer Kettenreaktion an den Finanzmärkten, es drohen nun gewaltige Kreditausfälle im Bankensystem. Denn Evergrande ist nicht alleine – die chinesische Immobilienblase droht nach Jahren des Megabooms zu platzen. „Für Chinas Immobilien- und Kreditwirtschaft hat sich der perfekte Sturm zusammengebraut“, warnen die Experten der Ratingagenturen.
Wie bei anderen chinesischen Großkonzernen sind die Beteiligungen Evergrandes an mehr als 200 Tochterunternehmen verschachtelt – tief hinein auch in die Autoindustrie. Die Kredite und gegenseitigen finanziellen Verpflichtungen sind schwer durchschaubar, aber klar ist, dass der Zusammenbruch des Konzerns viele andere Unternehmen des Verbunds mitreißen würde.
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Auch Tausende von Kleinanlegern und Wohnungskäufern sind betroffen. Proteste von wütenden Evergrande-Kunde werden öffentlich, obwohl die chinesische Staatsmedien über den Crash kaum objektiv berichten dürfen. Im Internet verbreiten sich freilich Videos von wütenden Protesten gegen das Unternehmen. Viele Kleininvestoren und Wohnungskäufer haben – wie in China üblich -, bereits Vorkasse für Wohnungen geleistet, die nun nicht fertiggebaut werden. Lieferanten und Subunternehmer von Evergrande melden, dass Rechnungen nicht bezahlt werden und stellen die Arbeiten ein, die zahlreichen Baustellen stehen still. Evergrande hatte im Sommer noch versucht, mit Dumpingangeboten für neue Wohnungen Liquidität zu mobilisieren, doch die Schieflage ist gewaltig.
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Die Evergrande-Pleite wirkt auf China wie ein Fanal. Seit Jahren warnen Ökonomen davor, dass die Immobilienblase des Landes einmal platzen könnte. Nun scheint es soweit zu sein. Kein geringerer als der Star-Investor George Soros warnt in der „Financial Times“, dass die Immobilien-Branche der „verletzlichste“ Sektor Chinas sei. Die Umstände „könnten einen Crash auslösen“. „Die Gefahr einer Überhitzung des chinesischen Immobilienmarktes ist nicht von der Hand zu weisen“, warnt auch der besonnene Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. „Die deutschen Unternehmen sind besorgt, dass dort eine Blase platzten könnte.“

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Deutsche Exporteure fürchten, dass ein Platzen der Immobilienblase mitsamt Konsumeinbruch bald auf deutsche Produktionen zurückschlagen könnte. Im Jahr 2020 wurden Waren im Wert von 212,9 Milliarden Euro zwischen Deutschland und der Volksrepublik China gehandelt (Exporte und Importe). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, war damit die Volksrepublik China zum fünften Mal in Folge Deutschlands wichtigster Handelspartner. Die Sorge in Deutschland ist daher besonders groß.
Tatsächlich kommen einige negative Dinge zusammen. Denn die chinesische Volkswirtschaft insgesamt kommt ins Stottern. Die jüngsten Wachstumszahlen waren enttäuschend. Im August war der Einkaufsmanagerindex auf Werte gefallen, die ein Ende der Sonderkonjunktur infolge der Corona-Aufholjagd signalisieren. Im September dann zeigten die Einzelhandelsumsätze einen Wachstumseinbruch auf nurmehr 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wirtschaftswissenschaftler hatten mit etwa 7 Prozent gerechnet. Auch das Wachstum der Industrieproduktion blieb hinter den Erwartungen zurück.

Zugleich findet hinter den Kulissen ein harter Machtkampf der Parteifunktionäre gegen die Wirtschaftselite des Landes statt – ähnlich wie zwischen der Putin-Administration und den russischen Oligarchen vor 20  Jahren. Peking forciert die Regulierung mehrerer Schlüsselbranchen, insbesondere der Tech-Konzerne. Daraufhin brechen die Kurse der großen Digitalunternehmen an den Börsen ein, weil Investoren um eine marktfremde Politisierung oder gar Enteignungen der Unternehmen fürchten. Auch der Immobiliensektor wird politisch plötzlich eingehegt und mit neuen Vorschriften zu Mietpreisen, Eigenkapital und Spekulationen überzogen. An den Aktienmärkten in Hongkong fallen daher die Indizices seit Monaten. Der Hangseng-Index ist von seinem Jahreshoch von 31.183 Punkten nun unter die Marke von 25.000 abgerutscht.
Damit kommen gleich mehrere Probleme zusammen: ein Wachstumseinbruch, das Platzen der Immobilienblase, Schieflagen der Finanzindustrie, ein Machtkampf der Eliten – zu all dem Ungemach gesellen sich auch neue Corona-Ausbrüche hinzu. In der Provinz Fujian müssten sogar ganze Großstädte wieder in den Lockdown.

Erste Schlüsselanleger Asiens fürchten nun einen ökonomischen Gesamtrückschlag Chinas und wollen raus aus ihren Investments. Die amerikanische Star-Investorin Cathy Wood hat bereits im großen Stil chinesische Aktien verkauft. Viele Fonds folgen. Die Aktien von Alibaba  haben sich binnen einen Jahres von 260 auf nunmehr 130 Euro glattweg halbiert. Tencent -Aktien kosteten im Februar noch mehr als 80 Euro, jetzt gibt es sie für weniger als 50 Euro.
Optimisten hoffen nun auf die chinesische Notenbank, die bislang ähnliche Krisen immer durch gewaltige Geldspritzen gelöst hat. Doch im Fall von Evergrande scheint das nicht mehr zu gelten. Die Parteiführung sieht in den übermütigen Konzernleitungen Hasardeure, deren Spekulationen man nicht immer wieder retten dürfe. „Die Tage garantierter Rettungen sind vorbei“, schrieb das Wirtschaftsmagazin „Caixin“. Doch damit steigt das Risiko der Kettenreaktion und eines Crash.

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Sonntag, 19.09.2021 | 10:02 | Klaus Meine
seine kompletten Ersparnisse und die Rentenvorsorge ausschließlich auf Aktien und Wertpapiere abzustützen. 😉
Freitag, 17.09.2021 | 17:33 | Jutta Denker  | 2 Antworten
Vor "beispiellosen Problemen" warnt der chinesische Immobiliengigant Evergrande die Weltöffentlichkeit. Das heißt wohl zweierlei: Die Probleme sind schon da, und sie werden größere Ausmaße haben als beim Zusammnbruch von Lehmanns in 2008. Damit ist auch klar, dass es nicht mehr reicht, nur aus Alibaba oder anderen chinesischen Aktien auszusteigen. Wir stehen vor dem nächsten weltweiten Crash. Hat jemand auf Herrn Merz und Herrn Lindner gehört und seine ganzen Ersparnisse für die Rente schon in Aktien angelegt?
Samstag, 18.09.2021 | 13:23 | Jutta Denker
So ein Fonds ist auch bisher nicht festgelegt, denke ich. Es gibt viele Renditemöglichkeiten außerhalb der Börse, und Diversifizierung ist stets das Beste. Ich vermute mal, die Grünen würden in grüne und nachhaltige Anlageformen investieren.
Freitag, 17.09.2021 | 16:50 | Hermann Odsix
Wer sich mal die Muehe macht zu erheben, mit wieviel Prozent ein durchschschnittlicher chinesischer Betrieb in der Kreide steht und auf welch duenner Margenbasis der faehrt, der wird rausch aus allen Kuckucksheim-Wolken fallen. All das schoene Wachstum in China der letzten 10 Jahren ist kuenstlich – komplett auf Pump gebaut. Zwar werden derartige Kennzahlen in deutschen Medien gerne unter den Tisch gekehrt, doch am Ende kommts dann sowieso raus, versprochen! All die tapferen Wandel-durch-Handel-Phantasten, all die Chinaversteher, die Diktatorenclacqueure in Deutschland werden dann naemlich draufkommen, dass sie ein totes Pferd reiten. Doch wer die Digitalisierung und dazu noch E-Mobilitaet komplett verpennt hat, muss eben mit Diktaturen ins Bett steigen. Und so wie die TESLA kopieren 🙂
Freitag, 17.09.2021 | 14:46 | Thomas Bäẞ  | 1 Antwort
Diese Firma ist Systemrelevant und das Kommunistische China wird dieses Unternehmen letztendlich Verstaatlichen. Dies wird aber momentan Weltweit so gemacht, ob bei Banken, Großen Firmen wie in Deutschland die Bundesbahn, Lufthansa, Commerzbank usw. Ein zweites Lehmanns wird es nicht mehr geben. Die Staaten haben das Gelddruckmonopol und bestimmen nach eigenen Ermessen. Sie Japanische Notenbank wie hoch der Anteil an Firmen beteiligen liegt. 2020 Geldpolitik Japans Notenbank wird größter Aktionär des Landes Die Bank von Japan machte Aktienkauf zum Mittel der Geldpolitik.
Freitag, 17.09.2021 | 15:35 | Thomas Bäẞ
Nach einer Schätzung von Shingo Ide, dem Chefstrategen des Wirtschaftsforschungsinstitut des Lebensversicherers Nippon Life, wuchs der Wert des Aktienportfolios der Bank von Japan bis Ende November auf 45,1 Billionen Yen. Dagegen landete der GPIF (Nationale Pensionsfonds) in der Kalkulation nur auf 44,8 Billionen Yen. Nun ist das passiert, was damals 2010 nur wenige wahrhaben wollten.
Freitag, 17.09.2021 | 14:46 | Dieter Schmeer
Kant hatte einmal gesagt: der Mensch hat nicht nur einen Preis, sondern auch eine Würde. Und diese Würde wir dem Chinesischen Volk vorenthalten. Der Kapitalismus der in China zu beobachten ist, wird irgendwann zu einer Pluralisierung der Gesellschaft führen. Kapital fließt immer dorthin, wo die Wirtschaft boomt. Zweistellige Wachstumsraten haben die westlichen Anleger und Milliardäre in Scharen angelockt. Da spielt es absolut keine Rolle, dass die Chinesische Wirtschaft in wenigen Jahren die westlichen Industrie-Länder abhängt. Hauptsache man ist dabei. Durch Zukäufe westlicher Firmen gibt es obendrein noch den notwendigen Technologietransfer. Bis zum gigantischem Crash in China, der unweigerlich kommen wird, wenn die Bürger ihren Teil am Aufschwung einfordern werden.
Freitag, 17.09.2021 | 14:36 | Norbert Dümpert
die Bundesregierung steht schon in den Startlöchern und greift Euch, ach so armen Chinesen gern unter die Arme. Wir haben es ja so Dicke.
Freitag, 17.09.2021 | 14:33 | Andre Sokolew
Nicht China pfeift im Walde, sondern eher die, die sich einen Zusammenbruch des chinesischen Systems wünschen und gleichzeitig zittern, weil wir die darauffolgenden Beben in Europa kaum überstehen könnten. Doch keine Sorge. China ist per Saldo nicht im Ausland verschuldet. Die Schuldenproblematik in China ist wahrscheinlich wirklich ein Problem, aber es bleibt ein inner-chinesisches Problem! Mit üblicher (westlicher) Geldpolitik wäre es wohl eine Gefahr, doch in einer vom Staat gelenkten Geldpolitik gibt es Wege, einen Gau zu verhindern, die uns gar nicht einfallen könnten.
Freitag, 17.09.2021 | 13:44 | Volker Klein
Wenn es wirklich "nur" um 300 Milliarden Dollar geht, sollte das für China einfach zu verkraften sein. Wenn man einfach mal den Immobilienwert von Peking anschaut, werden es wohl mehr als 3.000 Milliarden Dollar sein, da wären 300 Milliarden Dollar nur ein Korrektur von 10%. Auf das ganze Land gerechnet werden diese Milliarden wohl nur ein Korrektur um ca. 1% bewirken und ist als Crash-Gefahr doch sehr wenig.
Freitag, 17.09.2021 | 13:30 | Klaus Klatscher
machen es so wie Trump: Reichtum mit Schulden anhäufen. Die westlicheb Banken haben maßlos Geld reingepumpt, jetzt gibt es kein Zurück mehr und auch die Politiker wissen das. China darf nicht pleitegehen, die Banken wären platt und es gäb Flüchtlingswellen in neuen Dimensionen.
Freitag, 17.09.2021 | 13:24 | Fred Klatt  | 1 Antwort
Ich möchte wissen, wo hier das Problem liegt. Nach den Kosten für die Pandemie und den noch ausstehenden Aufwendungen für die notwendigen Investitionen im Klimaschutz sind unsere Schulden im Vergleich auf die Anzahl der Bevölkerung um ein x-faches höher. Mein Bedauern hält sich da sehr in Grenzen, zumal China einer Hauptschuldigen mit dem Errichten von weiteren Kohlekraftwerken ist. Und: Corona kam ja auch aus China….
Freitag, 17.09.2021 | 18:18 | Walter Neumeier
Glueckwunsch. Ich bin erstaunt, dass ihr Kommentar durch die chinahoerige Zensur des Focus gegangen ist. Kritik an denen wird doch meistens blockiert.
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