Homeoffice von der Steuer absetzen: Der Traum von einer unbürokratischen Lösung – Politik – Tagesspiegel

Corona zwingt ins Homeoffice, aber das kostet. Der Bundestag befasst sich mit einer Steuerregelung. Möge der Wille zur Einfachheit mit ihm sein. Ein Kommentar.
Wenn an diesem Montag ab 12 Uhr im Europasaal des Paul-Löbe-Hauses das Jahressteuergesetz 2020 auf dem Programm steht, kann man nur wünschen, dass auch der Wille zur unbürokratischen Schlichtheit anwesend ist. Denn dann geht es im Finanzausschuss des Bundestags um die steuerliche Absetzbarkeit von Homeoffice, was als pandemietaugliche Arbeitsform inzwischen längst seine eigene Pandemie geworden ist.
61 Prozent der Belegschaften arbeiten, um die Coronavirusverbreitung zu verhindern, seit Monaten von Zuhause. 20 Prozent mehr als vor der Pandemie. Arbeiten, wo man wohnt, spart zwar den Weg zur Arbeitsstätte, kostet ansonsten aber auch mehr, als wenn man ins Büro geht. Manchen wird allein beim dauernden Einstöpseln der Ladekabel für PC und Smartphone bereits klar geworden sein, dass die Stromrechnung dieses Jahr nach oben ausschlägt und Nachzahlungen fällig werden. Und da ist die Beleuchtung für früher dunkle Tage noch nicht eingerechnet.
Auch wird in vielen Haushalten während der kommenden kalten Monate deutlich mehr geheizt werden als voriges Jahr zur selben Zeit. Von dem selbst zu kaufenden Sprudelwasser, das sonst der Arbeitgeber stellt, und dem täglichen Mittagessen auf eigene Rechnung, weil die bezuschusste Kantinenmahlzeit wegfällt, ganz zu schweigen. Auch Teppiche sollen vom vielen Herumtigern schon Reparaturfälle geworden sein. Wer kompensiert das und wie?
Eine maximal unbürokratische Lösung ist mehr als wünschenswert. Eine, die auf spitz zu rechnende Nachweise, wie groß die Ecke des Wohnzimmers wirklich ist, die jetzt zum Arbeiten genutzt wird, und ähnliche Quälereien verzichtet. Es müssen einfache Pauschalmodelle her, Vorschläge gibt es. Das erleichtert den Finanzämtern die Arbeit und den Wohnzimmer-Workern die Steuererklärung. Die Regelungen sollten im Geist der bisher ziemlich generösen Coronagießkannenhilfen des Staates für fast alle verfasst sein.
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Das wird zweifelsohne eine Herausforderung für ein Steuerwesen, dessen Neigung zur undurchdringlichen Umständlichkeit legendär ist. Was allein schon eine Befassung wert wäre. Was soll ein Steuerwesen, das sich den Menschen als abschreckende Hyperkonstruktion präsentiert, durchschaubar allein für eine immer kleiner werdende Expertengruppe? Auch das erzeugt Verdruss, von dem nach diesem herausfordernden Jahr genug in der Welt sein wird. Im Zuge der Absetzbarkeit von Homeoffice werden für dieses Jahr vermutlich mehr Menschen als sonst eine Steuererklärung einreichen, auch jene, die darauf sonst verzichtet haben. Ihnen allen den Weg ins Steuerberaterbüro zu ersparen, sollte das Ziel sein.

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