Grüne Aktien: So investieren Sie in Klimaschutz – aber richtig – WirtschaftsWoche – bfp – Bundesfinanzportal.de

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Bild:  Getty Images, Marcel Stahn
Der Kampf gegen den Klimawandel nimmt Fahrt auf. Aktien von Unternehmen, die dafür technische Lösungen entwickeln, bieten große Chancen. Nur: Welche Technologien sind das? Experten geben Antworten.
Der UN-Klimareport lässt keinen Interpretationsspielraum. Will die Weltgemeinschaft verhindern, dass die Erde sich um mehr als zwei Grad aufheizt, muss sie jetzt entschieden gegensteuern und die Treibhausgasemissionen senken, heißt es im Report der UN-Organisation International Panel on Climate Change (IPCC). Bis 2030 muss sich der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2), dem wichtigsten Treibhausgas, demnach gegenüber 2010 um ein Viertel verringern und bis 2070 auf netto null fallen. Eine gewaltige Herausforderung, denn bisher steigt der Ausstoß in der Tendenz immer weiter an. Zwischen 2010 und 2019 kletterte er global von 34 auf 38 Gigatonnen pro Jahr, ein Plus von zwölf Prozent. 
Damit aus dem Plus endlich ein Minus wird, sind drastische Maßnahmen nötig. Viele Staaten haben sich ambitionierte Ziele gesetzt, um den Treibhausgasausstoß zu senken. Klar ist, dass Unternehmen mit technischen Lösungen einen großen Beitrag leisten können und müssen. Daraus ergeben sich Chancen: Wer an der Börse in Firmen investiert, die helfen, den Ausstoß zu senken, sammelt nicht nur Karma-Punkte – sondern sichert sich auch Renditechancen. Nur: Wie erkennt man Unternehmen, die wirklich relevante Technologien anbieten und unterscheidet sie von reinem Klima-Hokuspokus?
Um dieses Thema anzugehen, hat die WirtschaftsWoche mit Klimawissenschaftlern des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) gesprochen. Sie erklären entlang der fünf für den Treibhausgasausstoß wichtigsten Wirtschaftssektoren, welche Technologien wirklich helfen. In der aktuellen Titelgeschichte stellt die WirtschaftsWoche auf dieser Basis 20 besonders aussichtsreiche Klimaschutz-Aktien vor
Einer der größten Klimasünder ist laut aktuellem IPCC-Bericht die Land- und Forstwirtschaft sowie der sonstige Flächenverbrauch auf der Erde. Schuld ist vor allem die große Lust der Menschen auf Fleisch und Milch. „Wiederkäuer, vor allem Rinder, machen im Moment den Großteil der Treibhausgas-Emissionen in der Landwirtschaft aus“, erklärt Benjamin Bodirsky vom PIK. Denn die Tiere stoßen während des Verdauungsprozesses reichlich Methan aus, das neben Kohlendioxid und Stickstoffdioxid zu den wichtigsten Treibern der globalen Erwärmung zählt. Die Lösung: Pflanzlicher Ersatz für tierische Produkte. „Alles, was erlaubt, mehr Nahrung aus derselben Menge an Erntegut herzustellen, hilft, die Treibhausgase zu reduzieren“, so Bodirsky. „Da Tiere viel Futter benötigen, sind pflanzliche Substitute für Fleisch und Milch hier effizienter.“
An der Börse gibt es inzwischen einige Unternehmen, die entsprechende Produkte anbieten. Nach dem Fleischlos-Burger-Hersteller Beyond Meat, der 2019 an die Börse ging, feierte dieses Jahr Hafermilchproduzent Oatly sein Börsendebüt. Allerdings sind die schwer gehypten Aktien teuer. Interessanter ist es deswegen, in Zulieferer oder indirekte Profiteure des Wandels zu pflanzlichen Substituten zu investieren. 
Noch keine Alternative ist für Bodirsky hingegen Fleisch aus dem Labor, das immer wieder als Hoffnungsthema verkauft wird. Er meint: „Fleisch aus dem Labor ist technologisch sehr herausfordernd und steht noch ganz am Anfang.“ Entsprechend unattraktiv ist der Bereich für private Investorinnen und Investoren.
Während in der Landwirtschaft vor allem der Ausstoß von Methan ein Problem fürs Klima ist, ist es in der Energieerzeugung das Treibhausgas Kohlendioxid. Die Verfeuerung von Kohle und Gas zur Stromerzeugung setzt große Mengen davon frei; die Staaten müssen deshalb möglichst schnell weg von fossilen Brennstoffen und stattdessen auf Wind und Solar setzen. Auch Deutschland müsse sich hier gewaltig anstrengen, sagt Bodirskys Kollege Falko Ueckerdt: „In Deutschland brauchen wir bei Wind und Solar sehr große Zuwächse, wenn die Ziele für 2030 erreicht werden sollen.“ Doch tatsächlich stockt der Ausbau der Erneuerbaren hierzulande mächtig. International geht es dagegen unaufhörlich voran. Vor allem China macht beim Ausbau von Solar- und Windkraftanlagen Tempo. 
Vom Boom profitieren aber nicht nur Hersteller von Windkraftanlagen, wie die dänische Vestas, oder Solarmodulen, wie die Chinesen von Jinko Solar. Auch Unternehmen, die die schwankende Energie aus den Erneuerbaren effektiv ins Netz einspeisen, gewinnen durch den Wandel in der Stromerzeugung. 
Kommt mehr Strom aus erneuerbaren Energien, verbessert das die Klimabilanz von Elektroautos. Auch deswegen ist das E-Auto für Klimaforscher Ueckert eine entscheidende Technologie. „In den nächsten zehn Jahren wird die direkte Elektrifizierung den größten Effekt auf den Treibhausgasausstoß im Verkehrssektor haben“, sagt er. Das spiegelt sich auch an der Börse wider. Autohersteller wie VW oder Daimler, die inzwischen voll auf Elektro umsteuern, haben Zauderern wie BMW, die am Verbrenner festhalten, den Rang abgelaufen. Für reine E-Autohersteller wie Tesla gilt das umso mehr.
Auch jenseits der Hersteller gibt es Profiteure der E-Auto-Wende: Batteriehersteller oder Anbieter von E-Ladesäulen etwa dürfen auch in Zukunft auf gute Geschäfte hoffen.  Dass andere Technologien, etwa Brennstoffzellen-Antriebe mit Wasserstoff, dem Elektroantrieb im Verkehr ernsthaft Konkurrenz machen, glaubt inzwischen kaum noch jemand. Daimler etwa hat den Verkauf seines Wasserstoffautos letztes Jahr eingestellt. Zu ineffizient ist diese Technik im Auto und vor allem: Zu knapp und wertvoll ist klimaneutral hergestellter, so genannter grüner Wasserstoff. „Wasserstoff wird bis 2030 sehr wenig verfügbar sein“, sagt Klimaexperte Ueckerdt. Zwar hat sich die EU ambitionierte Ziele für den Ausbau gesetzt. Aber: „Selbst wenn die EU ihre ehrgeizigen Ziele erreicht, wird Wasserstoff nur ein bis zwei Prozent der Endenergienachfrage abdecken.“
Der Wasserstoff, der dann da ist, wird in anderen Bereichen als dem Pkw-Verkehr dringender gebraucht, um den Treibhausgasausstoß zu senken. Zum Beispiel in der Industrie. Hier ist etwa die Herstellung von Stahl ein Problem. Sie emittiert wegen des Einsatzes fossiler Brennstoffe im Hochofen viel Treibhausgas. Mit Hilfe von Direktreduktionsanlagen, die mit Wasserstoff arbeiten, will etwa Thyssenkrupp vom Hochofen wegkommen und die Stahlerzeugung CO2-frei machen. Interessant sind deswegen zum Beispiel Hersteller von Elektrolyseuren, mit denen sich in großem Stil grüner Wasserstoff herstellen lässt – auch wenn die Industrie noch klein und der Klimaschutzeffekt gering ist. 
Schon jetzt einen Beitrag zur Treibhausgasreduktion leisten hingegen Unternehmen, die den Energieverbrauch in der industriellen Produktion senken – etwa durch Recycling.
In einzelnen Industriebereichen, etwa in der Zementherstellung, in denen sich Emissionen zwar reduzieren, aber nicht ganz vermeiden lassen, kann auch das Auffangen und Speichern von CO2, das so genannte CCS-Verfahren (von Englisch „Carbon Capture & Storage“), hilfreich sein. Hier wird das Treibhausgas in geologischen Speichern unter der Erde eingelagert. Aber: „Das Auffangen und Speichern von CO2 ist keine Universallösung“, schränkt Experte Ueckert ein. „Die geologischen Speicher auf der Erde sind begrenzt.“
Deutschland steht in Sachen Klimaschutz im weltweiten Vergleich relativ gut da. Anders als in anderen Industrienationen wie den USA oder Japan liegt der Treibhausgasausstoß hierzulande inzwischen weit unter dem Niveau von 1990. Ein Sektor aber schwächelte zuletzt deutlich: Im Gebäudebereich fielen die Treibhausgasemissionen in den vergangenen fünf Jahren kaum noch, nämlich nur um drei Prozent zwischen 2015 und 2020. Schlechter schnitt nicht mal der Verkehrssektor ab, der sein deutliches Minus 2020 allerdings nur Corona verdankte und ohne diesen Effekt noch genauso viel Treibhausgas emittiert wie vor 30 Jahren. 
Um die schwache Treibhausgasbilanz bei Gebäuden aufzupeppen, muss auch hier schnell der Abschied von Gas und Öl als Energieträger erfolgen. Die klimafreundlichere Alternative sind Wärmepumpen, die mit Strom arbeiten und so klimaneutral heizen oder kühlen können. Neben der Umstellung der Energieversorgung ist die bessere Isolierung von Gebäuden der zweite zentrale Punkt. Börsennotierte Profiteure des Wandels im Gebäudesektor sind also zum Beispiel Hersteller von Wärmepumpen wie etwa die amerikanisch-irische Trane Technologies oder Spezialisten fürs Dämmen, unter anderem der deutsche Konzern Steico. 
Mehr zum Thema: Beide Aktien sind Teil der WirtschaftsWoche-Titelgeschichte „20 Aktien fürs grüne Gewissen“. Darin stellt die Redaktion 20 Titel vor, die dazu beitragen, den Treibhausgasausstoß zu senken. Sie versprechen nachhaltiges Geschäft – und die Aussicht auf eine ansehnliche Rendite. Hier können Sie die Titelgeschichte lesen.
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