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27.09.2021 | Anlageberatung | Im Fokus | Onlineartikel
Die Corona-Pandemie hat auch in Deutschland einen Run auf die Börse ausgelöst. Eine Umfrage hat nun ermittelt, dass junge Menschen nicht mit Aktien zocken, sondern langfristig Geld anlegen wollen – und das möglichst unabhängig.  

Sie sind im Studium, in der Ausbildung oder am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn und wissen, dass sie ihr Geld langfristig anlegen müssen. Doch bei vielen Menschen unter 30 Jahren herrscht Unsicherheit im Hinblick auf die Risiken und Chancen. 

“Ereignisse wie die Turbulenzen um Gamestop oder der Hype um den Neobroker Robinhood haben eindrucksvoll demonstriert, dass sich im Lager der Privatanleger etwas gravierend verändert hat”, kommentiert Stefan Steib, Gründer und CEO von Fincraft, die Ergebnisse einer aktuellen Analyse des Finanz-Start-ups zur deutschen Börsenkultur. Für diese hat das Marktforschungsinstitut Civey im Juli 2021 deutschlandweit 2.500 Menschen ab 18 Jahren zu ihren Anlagegewohnheiten befragt. 

2020 | OriginalPaper | Buchkapitel
In diesem Kapitel werden langfristige Kapitalanlagen vorgestellt, bei denen die Ermittlung des Risikos und die Dauer der Investition eine entscheidende Rolle spielen und die in der Verzinsung widergespiegelt werden.

Während noch vor wenigen Jahren deutsche Sparer beim Thema Investment und Börse meist die Nase rümpften, sind in den vergangenen Monaten pandemiebedingt die Zahlen der Aktiendepots in die Höhe geschossen. Die Verbraucher investierten 2020 laut einer Analyse von ING Deutschland und Barkow Consulting Kapital in Höhe von 49 Milliarden Euro in Aktien. Das Anlagevolumen habe sich mit einem Anstieg von 160 Prozent gegenüber 2019 mehr als verdoppelt, zeigte die Erhebung aus dem Frühjahr. Auch sei das Interesse der Menschen an Kapitalanlage wie ETF-, Aktien-, Geldmarkt- oder Immobilien-Fonds deutlich gestiegen. 
Dabei setzt ein Großteil der Menschen ganz klar auf Selbstbestimmung, wie die aktuelle Civey-Studie offebart. 77 Prozent der Befragten sind der Auffassung, das jeder für seine finanzielle Zukunft selbst verantwortlich ist. Nur 8,5 Prozent sehen hier den Staat in der Pflicht. Ein Blick auf die Altersgruppen verrät jedoch die Unterschiede: Von den Menschen unter 30 Jahren wollen nur 56 Prozent ihr finanzielles Glück selbst in die Hand nehmen. 21 Prozent sehen hingegen die Verantwortung beim Staat. Bei Menschen im Alter ab 30 Jahren verändern sich diese Zahlen deutlich. Hier glauben 73 Prozent, dass man selbst für seine finanzielle Basis vorsorgen muss. Nur knapp fünf Prozent verlassen sich auf den Staat. 
Drei Viertel (76 Prozent) der Befragten möchten ihre finanzielle Zukunft selbst planen. Der Beratung durch Experten (10,7 Prozent), Familie (5,2 Prozent) oder Robo Advisors (0,7 Prozent) vertrauen schenken sie nur wenig Vertrauen. Aber auch hier liefert der Blick auf das Alter interessante Details: Während ein gutes Viertel (25,9 Prozent) aller Befragten unter 30 Jahren den Rat eines Bankkundenbetreuers oder eines anderen Experten sucht, legen bei den 30- bis 39-Jährigen hierauf nur noch 2,5 Prozent wert. 
Große Unsicherheit herrscht auch bei der Frage, welche Quellen bei Finanzfragen vertrauenswürdig sind: Ein Drittel (33,5 Prozent) ist sich hierbei unschlüssig. Nur ein Fünftel (20,7 Prozent) hält professionelle Finanzberater für gute Informationslieferanten. Fast jeder Vierte (24,8 Prozent) verlässt sich auf eigene Recherchen – etwa im Internet. 
Obwohl sich die Deutschen eher ungern mit Finanzfragen befassen (es sei denn, es geht ums eigene Einkommen) und obwohl häufg sogar einfache Grundkenntnisse fehlen, suchen viele auch bei der Geldanlage und der Vorsorge nach ‘Schnäppchen’ im Netz”, schreiben hierzu Antonio Sommese und Martin Eberhard im Buch “Finanzberatung für das digitale Zeitalter” (Seite 30).
Interessant ist, dass in der Gruppe der Unter-30-Jährigen erst zehn Prozent ihre Informationen für Anlageentscheidungen aus dem Internet und den sozialen Netzwerken beziehen. “Das überrascht nach den Beobachtungen in den vergangenen Monaten dann doch”, meint CEO Steib. “Das mag gewiss auch damit zusammenhängen, dass es allemal mehr Freude bereitet, im Internet den günstigsten Anbieter für die nächste Urlaubsreise zu recherchieren, als sich über die Performance und steuerliche Behandlung von unterschiedlichen Arten der Altersvorsorge zu informieren”, erläutern die Springer-Autoren Sommese und Eberhard. 
Dabei sind für die meisten Befragten der langfristige Vermögensaufbau (34 Prozent) und die Vorsorge für den Ruhestand (18,8 Prozent) die wichtigsten Gründe, um in Aktien zu investieren. Der Anteil sogenannter Spieler an der Börse liegt hingegen nur bei 3,5 Prozent. Unter den Befragten bis 30 Jahre wollen sogar 52,2 Prozent ihr Geld langfristig anlegen. Allerdings haben 29 Prozent der Teilnehmer keinen konkreten Grund für ein Börseninvestment oder wollen einfach nur “schnell Geld machen” (5,8 Prozent). 
Die Gründe, warum manche Menschen dennoch nicht den Schritt in den Kapitalmarkt wagen, sind vielfältig: 62,9 Prozent fürchten nach wie vor die Risiken, 37,8 Prozent fehlt das nötige Wissen, 34,5 Prozent haben kein ausreichendes Vermögen und 22,7 Prozent vertrauen den Experten nicht. Dabei eignet sich laut Claudia Müller für den langfristigen Vermögensaufbau und für die Altersvorsorge eine Investition in Aktien oder Anleihen sehr gut. 
Ein großer Vorteil gegenüber der Investition in Immobilien ist die Möglichkeit, bereits mit kleinen Beträgen zu starten und dafür dennoch eine breite Risikostreuung zu erzielen. Außerdem lag die durchschnittliche Rendite von Aktien zwischen 1990 und 2016 bei acht Prozent pro Jahr. Das ist eine Rendite, wie sie bei vergleichbarem Risiko und vergleichbarer Höhe der Investition mit kaum einer anderen Anlageklasse erzielt werden kann”, schreibt die Springer-Autorin im Buchkapitel “Investieren an der Börse” (Seite 115). 
Dabei scheint die Rendite nur bei einem Teil der potenziellen Anlger ein Investmentanreiz zu sein. Wer aber auf die Wertentwicklung schaut, hat in der Regel genaue Erwartungen an eine Kapitalanlage: 
“Die Befragten bleiben überraschend nah an den historisch erwartbaren Börsenrenditen und bewegen sich in eine realistischen Bandbreite. Die Anleger sind eher vorsichtig als gierig”, urteilt Steib. Allerdings geben 20,3 Prozent der Teilnehmer an, ihnen sei es nur wichtig, keinen Verlust zu machen. Und weitere 29,2 Prozent wissen gar nicht, bei welcher Rendite sie in den Aktienmarkt überhaupt einsteigen sollten.
Dass die schwankenden Aktienkurse viele Menschen verunsichern, sei eine Folge mangelnden Finanzwissens, so Steib. “Der Mangel an Know-how schreckt ab, lässt Risiken unkontrollierbar erscheinen und erweist sich so für viele als zu hohe Hürde auf dem Weg an die Börse. Es muss also mehr in die Finanzbildung investiert werden”, lautet sein Fazit.
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Version: 0.1618.0

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