China-Aktien: Das müssen Berater jetzt wissen – procontra-online

Die chinesische Regierung hat mit neuen Richtlinien für einheimische Unternehmen zuletzt viele Anleger abgeschreckt. Wie Berater am besten mit den Nachrichten aus China umgehen.
Immer wieder grätscht die chinesische Regierung auf dem Kapitalmarkt dazwischen. Jüngstes Beispiel sind die Regulierungsankündigungen für Internetunternehmen, die die Kurse chinesischer Tech-Aktien haben fallen lassen. Bild: Adobe Stock/ Engdao
Innovation, Wachstum, Wirtschaftsmacht: Aktien chinesischer Unternehmen, allen voran aus der Technologie-Branche, sind in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Steckenpferd in vielen Portfolios geworden. Doch zuletzt kamen die ernüchternden Nachrichten aus der Volksrepublik Schlag auf Schlag: In Summe will die chinesische Regierung allen voran Tech-Giganten wie Alibaba, Tencent, JD.com und Co. stärker regulieren.
Und auch andere Branchen, etwa die Spieleindustrie, unterliegen künftig wohl strengeren Regeln. Die Kurse stehen unter Druck, zahlreiche Anleger trennten sich zuletzt von den chinesischen Titeln. Finanzvermittler stehen nun vor der Frage: Wie werden sich chinesische Unternehmen langfristig an der Börse entwickeln?
Die chinesische Regierung will nach vielen Jahren ungebremsten Wachstums nun verstärkt eine nachhaltige Entwicklung, soziale Gerechtigkeit und die Unabhängigkeit von westlichen Industriestaaten in den Vordergrund rücken. „China steht vor einer demographischen Herausforderung und muss sich gleichzeitig einer westlichen Allianz stellen, die Chinas geopolitischen Ambitionen Einhalt gebieten will“, sagt Michael Gollits, Vorstand des Vermögensverwalters Heydt & Co. AG.
Bereits im November 2020 hat die Regulierung der chinesischen Regierung dafür gesorgt, dass der Börsengang von Ant Financial, der Finanztochter des E-Commerce-Giganten Alibaba abgesagt werden musste. Daraufhin geriet auch der Mutterkonzern unter Druck und konnte sich seitdem nicht richtig erholen. „Das war der Anfang einer mittlerweile breiten Korrektur der zuvor hoch im Kurs stehenden chinesischen Internetwerte“, sagt Hagen Ernst, stellvertretender Leiter Research & Portfoliomanagement bei der DJE Kapital AG.
Was außerdem noch bevorstehen könnte: Laut Berichten des „Wall Street Journals“ plant die chinesische Regierung angeblich ein Verbot von Börsengängen in den USA für chinesische Unternehmen, die über große Mengen sensibler Verbraucherdaten verfügen. Bereits im Juli hatte Chinas Regierung eine deutlich schärfere Kontrolle von im Ausland an der Börse gehandelten chinesischen Unternehmen angekündigt. Die neuen Regeln zielten laut einem Dokument des Staatsrates auf „Datensicherheit, grenzüberschreitenden Datenfluss und die Verwaltung vertraulicher Informationen“. Zudem hieß es damals, dass künftige Börsengänge eigens genehmigt werden müssten.
Investiert bleiben oder aussteigen? Oder sogar den Dip als günstigen Einstiegsmoment nutzen? Diese Frage stellen derzeit Anleger ihren Beratern. Die Antwort hängt, wie so oft, von der individuellen finanziellen und „nervlichen“ Situation der Investoren ab. Denn chinesische Aktien sind nichts für Anleger, die nur schlecht mit einem erhöhten Risiko und einer ganzen Menge Volatilität umgehen können. „Die weitere Entwicklung chinesischer Technologiewerte ist schwer einzuschätzen. Zum einen, weil die chinesischen Regulierungsbehörden so hart vorgehen – zum anderen, weil es nicht klar ist, ob und welche Maßnahmen noch folgen“, sagt Ernst.
Daher sei es auf den ersten Blick nachvollziehbar, dass sich einige ausländische Investoren von diesen Titeln verabschiedet hätten. „Allerdings sind die Ziele, die Chinas Machthaber mit ihren Interventionen erreichen wollen, durchaus plausibel“, sagt der Marktexperte. Seiner Meinung nach dürften die bislang verhängten Regulierungsmaßnahmen den Großteil der chinesischen Technologiekonzerne nur am Rande betreffen. Das zukünftige Wachstum werde jedoch nachhaltiger werden müssen: „Internetriesen wie Tencent oder Alibaba werden langfristig vermutlich etwas langsamer als der Markt wachsen, damit andere Anbieter Marktanteile gewinnen können“, sagt Ernst. 
Eine mögliche Strategie für Berater und ihre Kunden: In Wirtschaftssektoren investieren, die von den Regulierungen weniger stark betroffen sind. „Der lokale Kapitalmarkt ist enorm breit. Cybersecurity kann China mit eigenen Unternehmen ebenso bedienen, wie den Software-Bedarf in der öffentlichen Verwaltung“, sagt Gollits. Auch Umwelttechnologie und medizinische Versorgung seien Segmente, die in Zukunft stark wachsen würden. „Während die chinesischen Internet-Superstars um Luft ringen, haben Infrastruktur-Sektoren zugelegt: Hersteller von Komponenten für Elektromobilität, Ausrüster für Hochspannungsnetze, regenerative Energien oder auch lokale Cloudbetreiber“, ergänzt der Experte.
Ein Unternehmen, das mittlerweile auch europäische Verbraucher begeistert, ist der chinesische Elektronik-Hersteller Xiaomi. Laut einem aktuellen Strategy-Analytics-Bericht ist es Xiaomi im zweiten Quartal dieses Jahres aber bereits gelungen, Samsung als beliebtester Smartphone-Hersteller Europas zu überholen. Daneben produziert das Unternehmen auch weitere Lifestyle-Elektronik sowie Internet-Services. Die Aktie von Xiaomi entwickelt sich volatil, konnte in den vergangenen drei Jahren aber immerhin um 70,8 Prozent zulegen. Noch beeindruckender ist allerdings die Rally, die der Mischkonzern BYD in den vergangenen zwölf Monaten hingelegt hat: Die Kurse schossen um über 200 Prozent nach oben. Zum Geschäft des Konzerns gehören E-Autos, Hybridfahrzeuge, Mobilfunk-Komponenten, sowie wiederaufladbare Batterien.   
Selbst für besonders risikoscheue Kunden könnte auf dem chinesischen Aktienmarkt etwas zu finden sein. Berater können hier beispielsweise den MSCI Emerging Markets empfehlen. Chinesische Titel machen hier mit rund 39 Prozent den Großteil der insgesamt 1.400 Aktien aus 27 Schwellenländern aus. Der Index notiert trotz der Turbulenzen für chinesische Unternehmen derzeit verglichen zum Jahresanfang mehr als 16 Prozent im Plus.
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