Gamestop-Aktie: Anleger sollten nach hohen Verlusten Lektion lernen – Business Insider Deutschland

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Der Hype um Gamestop scheint vorbei. Die Aktie ist in den vergangenen Tagen von 483 auf etwa 90 US-Dollar gefallen.
Zahlreiche Kleininvestoren, die erst spät bei Gamstop eingestiegen sind, haben mit dem Investment hohe Verluste erlebt.
Auch manche Broker machten in den vergangenen Tagen keine gute Figur. Trade Republic entschuldigt sich sogar bei den Kunden.
Der Hype ist vorbei. Die Mehrheit der Kleinanleger, die dachten, am Finanzmarkt könnten sie schnell reich werden, sitzt nun auf hohen Verlusten. Nachdem sich in einem Reddit-Forum zahlreiche Anleger verabredeten und zu einer hohen Zahl in die Gamestop-Aktie investiert hatten, lösten sie in kurzer Zeit einen Short Squeeze bei der Aktie aus. Bis auf 483 US-Dollar stieg der Wert, nachdem er noch Anfang des Jahres unter 20 US-Dollar notierte.
Einige wenige haben den rechtzeitigen Ausstieg geschafft und sind wohl tatsächlich durch diese Aktion reich geworden. Doch die große Mehrheit ist viel zu spät auf den vermeintlichen Weg „zum Mond“, wie es in den Foren immer wieder hieß, dazugekommen. Die Aktie brach in sich zusammen und selbst als das traurige Ende längst abzusehen war, gab es Durchhalteparolen im Forum. Viele Screenshots zeigen, dass immer noch Kleinanleger mit ihrem Geld eingestiegen sind.
Dass Gamestop ein Einzelhändler ist, der Videospiele und Zubehör verkauft, wussten vielleicht noch einige. Wie es dem Konzern geht, spielte hingegen keine Rolle. Genauso wenig wie bei der nahezu insolventen Kino-Kette AMC Entertainment. Die Aktie stieg zunächst von rund 2,50 US-Dollar auf 20 US-Dollar, nur um nun wieder bei acht US-Dollar gelandet zu sein.
Der Kampf der kleinen Privatanleger gegen böse Hedgefonds — so wurde dieses Marktgeschehen schnell bezeichnet. Die Anleger wollten den milliardenschweren Firmen ein Schnippchen schlagen, gemeinsam den Preis von bestimmten Werten in die Höhe treiben, die Hedgefonds im großen Stil leerverkauft haben. Um entstehende Verluste zu minimieren, mussten die Fonds die Aktien zu jedem Preis zurückkaufen, was die Preise in schwindelerregende Höhen trieb.
Doch dieses Spiel ging nicht ewig so weiter, was vermutlich einige Kleinanleger sich erhofft haben. Irgendwann waren die Shortpositionen der Hedgefonds eingedeckt und viele Anleger, die auf hohen Gewinnen saßen, verkauften ihre Anteile. Unter dem Druck des fallenden Kurses sprangen immer mehr Anleger ab und das Kartenhaus stürzte in sich zusammen.
Die Wut kanalisierte sich schnell auf einige Broker, die tatsächlich eine fragwürde Rolle an einigen Handelstagen spielten — und das im Nachhinein auch zugeben. Die Robin-Hood-App in den USA stellte den Kauf von den Hype-Aktien am Donnerstag kurzerhand ein und auch Trade Republic hierzulande begrenzte den Handel mit Gamestop, AMC und Co. Nur noch der Verkauf war möglich, kaufen konnte die Aktien niemand mehr.
Trade Republic hat sich daher nun an seine Kunden gewandt und sich entschuldigt. „Wir haben die Erwartungen an einen modernen, demokratischen und freien Broker enttäuscht. Wir werden hart daran arbeiten, besser zu werden“, heißt es in der Mail selbstkritisch. Trade Republic betont in der Mail, dass im Wesentlichen die Anzahl der Orders von sechs Titeln die gesamten Systeme des Brokers überlastet haben. Daher war Trade Republic gezwungen, den Handel einzuschränken, um Käufe und Verkäufe von anderen Titeln sicherzustellen, so der Broker weiter.
Doch die Schuld auf die Broker zu schieben, wäre zu kurz gedacht. Schließlich handelte es sich bei der Aktion der Anleger nicht um Geldanlage, sondern um pure Spekulation. Rot oder schwarz, wie im Casino, schwankten sie zwischen schnellem Reichtum oder hohem Verlust. „Es war ein reiner Versuch auf Aktien mit starkem Momentum zu setzen, rechtzeitig zu verkaufen und auf dem Weg schnell Geld zu verdienen. Mit Substanz hatten die Investments nichts zu tun“, sagt Folker Hellmeyer, Chefanalyst vom Vermögensverwalter Solvecon im Gespräch mit Business Insider. „Auf lange Sicht schlägt Substanz aber immer Momentum“, ergänzt er.
Anleger, die solch eine Wette eingehen bräuchten laut Hellmeyer viel Geld und noch mehr Glück, um damit erfolgreich zu sein. Kleinanleger, die durch Gamestop und Co. hohe Verluste erfahre haben, hätten dieses Geld sinnvoller an der Börse investieren können. Regelmäßige Investitionen in Sparpläne von aktiv gemanagten Fonds oder ETFs bringen zwar nicht das „schnelle Geld“, sind dafür aber auch lange Sicht erfolgversprechend.
Ein ETF auf den MSCI World beispielsweise generiert langfristig eine Rendite von rund neun Prozent pro Jahr. Wer früh anfängt und regelmäßig spart profitiert zusätzlich vom Zinseszinseffekt. Auch eine Einmalanlage ist möglich und hätte den Kleinanlegern auf lange Sicht eine gute Grundlage für ihren Vermögensaufbau beschert. Stattdessen ist das Geld weg und viele Anleger vermutlich gebrannte Kinder des Aktienmarkts. Sie beschuldigen höhere Instanzen oder Broker für ihre Verluste und kehren dem Markt den Rücken.
Dabei haben zahlreiche, langjährige Finanzexperten exakt dieses Szenario mit hohen Verlusten von Beginn der Bewegung an vorausgesagt. Die Frage war nicht, ob die Kurse in sich zusammenfallen, sondern nur wann. Nicht der Markt ist schuld, oder Broker — auch wenn sie ebenfalls keine gute Figur gemacht haben — sondern, die Anleger haben Wetten und damit ihren Einsatz verloren. Diese Lektion solltet ihr gelernt haben, egal, ob ihr investiert wart, oder von der Seitenlinie das Spektakel beobachtet habt.
Dennoch ist diese Entwicklung der vergangenen Woche kein Grund, den Aktienmarkt zu verteufeln. Im Gegenteil: Ein Vermögensaufbau mit Aktien ist sehr gut möglich, wenn man Risiko streut und langfristig orientiert investiert. Habt ihr im Hype um Gamestop erst ein Depot eröffnet, nutzt es zumindest weiter, um Geld in breit gestreute ETFs oder Fonds langfristig anzulegen. Vielleicht ist es einen Versuch wert, das verlorene Geld als Lehrgeld zu betrachten.
André Kostolany, einer der bekanntesten Finanz- und Börsenexperten, hat schon vor sehr vielen Jahren die passenden Worte für die Geschehnisse rund um den Gamestop-Hype gesprochen: „Ich kann Ihnen nicht sagen, wie man schnell reich wird. Ich kann Ihnen aber sagen, wie man schnell arm wird: indem man nämlich versucht, schnell reich zu werden.“
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