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Frachthafen in Schanghai: Wenn es in den Lieferketten ruckelt, werden auch die Aktienbörsen nervös. Bild: dpa
Angesichts hoher Kursniveaus müssen sich Anleger auf „Schaukelbörsen“ einstellen. Wenn es deutlich nach unten geht, kann das als Einstiegsgelegenheit genutzt werden.
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Eine überzeugende Erholung ist an den Aktienmärkten am Dienstag zwar ausgeblieben, trotzdem sehen professionelle Investoren die weitere Entwicklung gelassen. Der deutsche Aktienindex Dax lag am Dienstagnachmittag dank einer freundlichen Eröffnung an Wall Street mit 15. 214 Punkten um 0,5 Prozent über dem Vortagesschluss. Am Montag hatte der Dax noch 2,6 Prozent eingebüßt. Es war einer der schwärzesten Börsentage in diesem Jahr. Der Index hatte am Dienstagvormittag noch um bis zu 1 Prozent zugelegt, doch danach verpuffte der Schwung. Die vorsichtige Haltung unter den Anlegern hat die Sorge vor neuen Lockdown-Maßnahmen ausgelöst, sollte die Delta-Variante des Coronavirus weiterhin für hohe Neuinfektionen sorgen.
„Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Kursverluste am Montag den Auftakt zu einer tieferen Korrekturphase darstellen“, erwartet Achim Stranz, Chefanlagestratege der 70 Milliarden Euro verwaltenden AXA Investment Managers Deutschland. Die Fondsgesellschaft des französischen Versicherungskonzerns Axa geht im Kernszenario weiterhin von einem fortgesetzten Wirtschaftswachstum aus. „Damit wären Aktien und Immobilien als Anlagen zu bevorzugen.“
Es gibt für Stranz aber zwei Risikoszenarien: zum einen Störungen in den Lieferketten in Südostasien aufgrund der Pandemie und geringen Impfquoten, zum anderen eine anziehende Inflation. Gegen Störungen in den Lieferketten spreche die hohe Impfquote in China – anders als zum Beispiel in Malaysia oder Indonesien. Damit seien zumindest für diese Region harte Lockdown-Maßnahmen wie im vergangenen Jahr unwahrscheinlich. Es müsse sich aber zeigen, wie wirksam der chinesische Impfstoff gegen die Delta-Variante sei.
Auch eine Teuerungsspirale fürchtet Stranz nicht: „Die jüngsten Inflationsraten sind überzeichnet gewesen aufgrund des Basiseffekts im Vorjahr, als die Pandemie für einen wirtschaftlichen Stillstand gesorgt hatte.“ Er erwartet, dass sich die Inflationsraten wieder nach unten normalisierten. „So spricht die Globalisierung gegen eine sich nach oben beschleunigende Lohn-Preis-Spirale.“
Zuversichtlich bleibt auch die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, die Union Investment. Nach der kräftigen Kurserholung über viele Monate seien die Aktienquoten der Investoren entsprechend erhöht, sagt Michael Herzum, Leiter der Abteilung Macro & Strategy. Jetzt flache der Erholungspfad etwas ab, hinzu komme die Unsicherheit aufgrund der neuen Virusvariante. Das erkläre die Kursrückgänge. „Aber die wirtschaftliche Erholung wird sich fortsetzen, denn die Notenbanken werden noch lange Zeit Liquidität bereitstellen und die Unternehmen weisen eine hohe Profitabilität auf. Wir erwarten deshalb keine größere Korrektur“, sagt Herzum.
Der Chefanlagestratege der DWS, des Vermögensverwalters der Deutschen Bank, verweist auf den Dax und den Weltaktienindex MSCI World, die auf historischen Hochs liegen. Für Stefan Kreuzkamp ist eine Korrektur wie die jetzige noch kein Grund zur Beunruhigung, sondern normales Marktgeschehen. Die DWS gehe nicht davon aus, dass die Delta-Variante für eine richtige Korrektur hinreichend wäre. Bisher würden Rückschläge im Kampf gegen die Pandemie immer noch von jenen zuallererst als Einstiegsgelegenheit aufgefasst, die an ihrem mittelfristigen Wirtschaftsausblick festhielten.
Sowohl Inflation als auch Wachstum bewegten sich in diesem Jahr auf einem nicht nachhaltig hohen Niveau. Gleichzeitig erreiche die Wirtschaftsaktivität in vielen Bereichen, etwa im US-Arbeitsmarkt, noch nicht wieder Vorkrisenniveau. „2022 sollte die globale Wirtschaft also erneut überdurchschnittlich wachsen. Allerdings haben die Aktienmärkte das weitgehend auch schon so abgebildet, weshalb wir auf Zwölfmonatssicht nur mit geringem Aufwärtspotenzial rechnen“, sagt Kreukamp.
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Quelle: F.A.Z.
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