Titelgeschichte: Zehn geniale Gewinner: Die weltbesten Aktien mit neuen Ideen – Börse Online


Jeffrey Tiong legte 2007 gleich nach seinem Studium los. Seine Idee: Patente werden unterschätzt, deshalb gründete der heute 36-Jährige die Start-up-Firma PatSnap. Als Startkapital hatte der Absolvent des Unternehmerstudiums an der National University of Singapore ein Gründerstipendium.
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PatSnap entwickelt Software und digitale Werkzeuge, um Firmen oder Forschungseinrichtungen die Onlinesuche sowie die Bewertung und Erstellung von Patenten zu erleichtern. Wie mühsam diese Jobs sind, wusste Tiong, seit er drei Jahre zuvor bei der US-Medizintechnikfirma BioConnect Systems Patente bewertete. Damals war der Jungunternehmer überrascht, wie häufig Patentdokumente veraltet waren.
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Mit der Software und den Algorithmen des Patentdienstleisters aus Singapur ist heute auch in großen Konzernen eine Digitalisierung des Patentwesens möglich. Effizientere Verwaltung und schnellere Aktualisierung werten die Patente der Firmen auf und stärken ihre Wettbewerbsfähigkeit. Unterm Strich verbessert das die Profitabilität – und damit bei gelisteten Unternehmen auch den Börsenwert. Zu PatSnaps Kunden in 40 Ländern zählen inzwischen Konzerne wie Tesla, Walt Disney, Paypal, Colgate-Palmolive oder auch die NASA.
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Auch einflussreiche Investoren haben dieses Wertsteigerungspotenzial erkannt. Die noch nicht gelistete PatSnap selbst wird seit dem Einstieg von Japans Beteiligungsriesen Softbank und Chinas Technologiekonzern Tencent im März mit über eine Milliarde Dollar bewertet.
Ein Team von Analysten der US-Bank Morgan Stanley hat darüber hinaus weltweit mehr als 18 Millionen aktive Patente aus 20 Jahren analysiert. Vor allem Patentfamilien und -portfolios mit globalen Schutzrechten und von hoher Qualität liefern den Aktionären der Unternehmen über Jahre hinweg zusätzliche Wertsteigerungen, stellten die Analysten fest. Je größer das Portfolio und je besser die Patentqualität, desto höher die Renditen. Das funktioniert allerdings nur, wenn die geschützten Innovationen auch in begehrte Produkte umgesetzt werden. Zudem sollte kontinuierlich und überdurchschnittlich viel Geld in Forschung und Produktentwicklung fließen.
Wichtig ist zudem ein großer Markt für die innovativen Produkte und viel Kapital von Investoren, die hohe Risiken akzeptieren. Es kann schließlich Jahre dauern, bis sich Innovationen am Markt durchsetzen. Die Geldgeber der Wachstumsunternehmen, oft Risikokapitalfirmen, müssen sich die dafür notwendige Ausdauer leisten können.
An der Wall Street und im Silicon Valley sind diese Ressourcen in weitaus größerem Umfang als in anderen technologisch starken Regionen der Welt vorhanden. Die USA verfügen auch deshalb über die weltweit höchste Anzahl sogenannter “Unicorns”: Die Einhörner sind nicht börsennotierte Firmen im Wert von über einer Milliarde Dollar. Im Großraum San Francisco gibt es laut Morgan Stanley mehr als 30 Stellen für Patentanmeldungen und damit mehr als in jeder anderen Region der Welt.
Wie können nun Investoren durch die Analyse der öffentlich verfügbaren Patentdaten an den Börsen globale Innovations-Champions aufspüren? Der Münchner Finanzdienstleister Quant IP hat sich darauf spezialisiert: “Mit unseren Kennzahlen können Vermögensverwalter die Innovationskraft von Firmen quantifizieren, um höhere Renditen zu erwirtschaften. Unsere Analysen helfen Firmen und Risikokapitalgebern, um mit ihren Investments Vorreiter von Technologietrends aufzuspüren”, sagt Firmenmitgründer Lucas von Reuss.
Um den Lesern von €uro am Sonntag Zugang zum neuen Anlagetrend zu verschaffen, hat sich die Redaktion auf die Suche nach aussichtsreichen Innovations-Champions gemacht. Für unsere umfangreiche und exklusive Analyse haben wir mit dem auf geistiges Eigentum und Patente spezialisierten Fondsinitiator Quant IP zusammengearbeitet.
Grundlage für die Einschätzung der Innovationskraft der Unternehmen ist eine Methode der Münchner Experten: Sie bilden eine Gesamtnote in Zusammenhang mit den von den Firmen gemeldeten Patenten aus den drei Faktoren Innovationswachstum, Patentqualität und -effizienz.
Aus der Materie ergibt sich dabei ein branchenorientierter Ansatz. Ein Vergleich der Patente über verschiedene Branchen hinweg ist meist nicht sinnvoll. Patentanmeldungen sind etwa für Pharmaunternehmen deutlich teurer als für Softwarefirmen. Bei der Patentaktivität gibt es große Unterschiede. So kamen in der Biotechbranche rund 240 Firmen als Favorit infrage, bei Konglomeraten und Konsumgüterherstellern waren es 15 respektive 16 Firmen.
Unsere Favoriten wurden deshalb in brancheninternen Vergleichen ermittelt. Gemessen an der Patentaktivität einer Firma in den vergangenen zwölf Monaten wird für jede Firma ein individueller Gesamt-Rang innerhalb einer Branche errechnet, bei dem auch die Patentqualität entscheidend ist. Aus den besten Fünf einer Branche wählte die Redaktion zwei Favoriten anhand nachhaltiger Wertzuwächse aus.
Auffällig ist die große Anzahl kleinerer und mittelgroßer Firmen in den jeweiligen Top Five. “Die flachen Hierarchien in diesen Unternehmen lassen Innovation leichter zu”, erklärt Quant-IP-Experte von Reuss. Es gibt aber auch wendige Großkonzerne: Pharmariese Johnson & Johnson etwa entwickelte sein Corona-Vakzin in ähnlich kurzer Zeit wie die Aufsteiger Moderna und Biontech. Im Folgenden stellt die Redaktion die zehn Favoriten nach Branchen und Rang geordnet vor.
Regelmäßig erinnert Emily Leproust, Chefin und Mitgründerin von Twist Bioscience, ihre Mitarbeiter daran, dass die Biotechfirma aus San Francisco ein produzierendes Unternehmen ist, allerdings in Nanometer-Dimensionen. “Wir stellen DNA her”, sagt Leproust dann. Die Träger von Erbinformationen erzeugt Twist in Röhren mit 600 Nanometer Durchmesser. Ein Haar ist um mehr als das Hundertfache dicker als diese Röhren. Aus Basiskomponenten der DNA entstehen so neue genetische Codes zum Beispiel von Organismen wie Hefepilzen, die Grundstoffe für Arzneien bilden, oder Algen, die Kraftstoffe produzieren.
Mit einem geschätzten Umsatz von 100 Millionen Dollar im laufenden Geschäftsjahr ist Twist Bioscience ein Wegbereiter in dem jungen Zukunftsmarkt synthetische Biologie. Die Beispiele von Hefepilzen und Algen zeigen, dass die Technologie in vielen Bereichen angewendet werden kann. Twists Qualitätsscore ist mit 91,5 auf der von Quant IP verwendeten Skala von 1 bis 100 Punkte ist sehr hoch und liegt deutlich über dem Median der Biotechbranche von 81.
Victor Perloth, Chef und Mitgründer von Kodiak Sciences in Palo Alto im Silicon Valley, hat an der US-Elite-Uni Stanford studiert und in Princeton in Molekularbiologie promoviert. Kodiak erforscht und entwickelt Therapien und Wirkstoffe zur Behandlung der weit verbreiteten Netzhautkrankheiten. Wie häufig bei Biotechunternehmen ist das mit hohen Risiken verbunden, kostet viel und dauert mehrere Jahre. Für die Aktionäre von Kodiak Sciences ist es deshalb nicht überraschend, dass die Firma noch keine Erlöse ausweist und Verluste in Kauf nehmen muss.
Analysten der US-Bank JP Morgan erwarten die ersten Erlöse ab 2023. Sie schätzen das Umsatzpotenzial für Therapien zur Behandlung von Netzhauterkrankungen und Degenerationen der Makula weltweit auf zehn Milliarden Dollar. Kodiaks ABC-Plattform (Antibody Biopolymer Conjugate) nutzt die Molekulartechnik, um antikörperbasierte und chemiebasierte Therapien zu verschmelzen. Der aussichtsreichste Produktkandidat KSI-301 wurde für die Behandlung von Gefäßerkrankungen der Netzhaut entwickelt, darunter auch die Degeneration der Makula. Diese ist eine der Hauptursachen für Erblindung bei älteren Patienten und bei Menschen im arbeitsfähigen Alter, die an Diabetes erkrankt sind.
Mit 89,7 Punkten liegt auch der Qualtitätsscore von Kodiak Sciences klar über dem Median der Branche.
Im Alltag kennen viele die Minnesota Mining and Manufacturing Company (3M) durch die bunten Post-it-Notizblätter und lichtreflektierende Beschichtungen auf Fahrzeug- und Verkehrszeichen, Signalwesten und Bekleidung. Der Spezialchemiekonzern entwickelt überwiegend Technologien und Produkte nach individuellen Anforderungen von Firmenkunden. Dieses Spezialwissen bringt 3M hohe Margen ein und liefert den Löwenanteil der Erlöse. Den Umsatz für 2021 schätzen Analysten auf 35 Milliarden Dollar. In der Konzernbilanz macht 3Ms Expertise für Firmenkunden die Hälfte der immateriellen Vermögenswerte aus. Für 2020 taxierte 3M diesen Posten auf gut 8,2 Milliarden Dollar – darin enthalten Patente im Wert von 537 Millionen Dollar.
Mit 16.751 Anmeldungen für geistiges Eigentum, die 3M während der vergangenen 36 Monate verzeichnet hat, kommt der Konzern bei den von €uro am Sonntag ausgewählten Champions auf Platz 2 nach dem ebenfalls außergewöhnlichen Pharmariesen Johnson & Johnson mit 36.394 Anmeldungen. Bei der Qualität der Patente im Segment Konglomerate ist 3M die Nummer 1. Mit 80,5 Punkten liegt der Qualitätsscore deutlich über dem Median des Sektors.
Die Stockholmer Beteiligungsfirma Lifco sieht sich als Entwickler von Firmen in den Industriesegmenten Dentaltechnik, Roboter und Maschinen für Abbrucharbeiten sowie im Spezialanlagenbau. Den Spezialanlagenbau ergänzten die Schweden im Juni mit dem Kauf von Bode Components. Der Entwickler von Aufzugstechnik aus Düsseldorf mit fünf Millionen Euro Umsatz liefert Komponenten wie Geschwindigkeitsbegrenzer, Seilbremsen, Aufzugsteuerungen.
Lifcos Erlös für 2021 schätzen Analysten auf zwei Milliarden Dollar. Der Bereich mit Firmen wie Bode Components liefert mit 39 Prozent den größten Anteil der Erlöse, Dentaltechnik folgt mit 32 Prozent. Hersteller automatisierter Maschinen für Abbrucharbeiten erwirtschaften 29 Prozent der Erlöse.
Der schwedische Unternehmer Carl Bennet, dessen gleichnamiger Beteiligungskonzern bei Lifco 46,5 Prozent der Anteile hält, hat seit den 90er-Jahren viel Einfluss auf die Strategie der Holding. Bei der von Quant IP bewerten Patent-Effizienz, dem Verhältnis zwischen Investitionen in Forschung und Entwicklung (R & D) und Patentportfolios, kommt Lifco aus Platz 2 von den 15 Holdings, die in der Analyse berücksichtigt wurden. Beim Quant-IP-Faktor Wachstum, dem Verhältnis zwischen R & D und der Anzahl der in zwölf Monaten gemeldeten Patente, liegt Lifco auf Platz 5. Der Qualitätsscore von 66,7 bleibt unter dem Median, vermutlich ein Handicap der Holdingstruktur.
Bekannt ist Colgate-Palmolive vor allem für Zahnbürsten und Zahncreme. In beiden Kategorien ist der US-Konzern weltweit führend. William Colgate, Auswanderer aus Großbritannien, startete 1806 in New York als Kerzenmacher, der auch Seife und Wäschestärke aus eigener Herstellung verkaufte. Palmolive kam 1926 als Hersteller von Seife aus Palm– und Olivenöl an Bord. Colgate-Palmolive mit geschätzten 17,5 Milliarden Dollar Umsatz für 2021 zählt an der Wall Street zu den Dividend Kings, Firmen, die ihre Ausschüttung pro Aktie mindestens 50 Jahre in Folge erhöht haben. Bei Colgate-Palmolive sind es bisher 58.
Vor allem im Markt für Elektrozahnbürsten muss sich der Konzern mit Innovationen und Patenten gegen große Rivalen wie Procter & Gamble (Oral B) oder Philips (Sonicare) behaupten. Das US-Patent Nummer 10 478 274 schützt laut Urkunde “den ersten beweglichen Bürstenkopf” mit “horizontalen, vertikalen und Kipp-Bewegungen” seit November 2019. Marktforscher schätzen den Umsatz mit Elektrozahnbürsten für 2020 weltweit auf 2,36 Milliarden Dollar. Bis 2028 sollen die Erlöse jährlich um mehr als fünf Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar zulegen. Die Marktanteile der Konzerne sind ein Geheimnis, das nur in teuren Studien erworben werden kann. Im Quant-IP-Gesamtranking von 16 Konsumgüterriesen kommt Colgate-Palmolive auf Platz 1. Gegenüber Procter & Gamble und Henkel punktet der Konzern mit besseren Noten bei Patenteffizienz und Qualität.
Marken wie Ariel, Pampers, Braun und Gillette oder Head & Shoulders hat der US-Konsumgüterriese Procter & Gamble erfolgreich aufgebaut. Auch P & G wurde wie Colgate 1837 in Cincinnati von Auswanderern aus Großbritannien gegründet, von Kerzenzieher William Procter und dessen Schwager, dem Seifensieder James Gamble. Der Aufbau einer Marke hatte für P & G von Beginn an immer Vorrang vor dem Firmennamen, der im Hintergrund blieb. Heute sind Marken für P & G wertvoll, wenn sie kontinuierlich zur Profitabilität und zum Wachstum beitragen. In einer beispiellosen Restrukturierung des Portfolios hat P & G die Anzahl seiner Marken von 170 auf 65 mehr als halbiert.
Für das Geschäftsjahr bis Juni 2022 erwarten Analysten knapp 79 Milliarden Dollar Umsatz. In der Bilanz von P & G machen Marken den Löwenanteil der immateriellen Vermögenswerte aus, rund 21 von 29,7 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr bis Ende Juni 2021. Maßstäbe in der Branche setzt P & G auch bei der Anzahl der registrierten Patente in 36 Monaten: 14.815 ist der Bestwert im Konsumgütersektor.
In Drogeriemärkten präsent ist Johnson & Johnson mit Marken wie Bebe, Listerine, Nicorette, Dolormin und Imodium. Janssen, die Pharmasparte des Konzerns aus New Brunswick im US-Bundesstaat New Jersey, ist mit geschätzten 46 Milliarden Dollar Erlös für 2021 das fünftgrößte Pharmaunternehmen der Welt. Zu den umsatzstärksten Janssen-Produkten zählen Spezialarzneien wie Stelara oder Darzalex. Für dieses Jahr erwarten Analysten 94,4 Milliarden Dollar Gesamtumsatz.
Damit ist Johnson & Johnson auch der größte Medizintechnikkonzern der Welt. Nach dem Kauf des Herstellers von Operationsrobotern Auris Health 2019 und Verb Surgical, Entwickler einer digitalen Plattform zur Unterstützung von Operationen, drängt Johnson & Johnson nun in einen zusätzlichen Wachstumsmarkt. Bisher fährt hier Branchenpionier Intuitive Surgical mehr als 90 Prozent der Erlöse ein.
Wie effizient die Unternehmensstrukturen bei Johnson & Johnson trotz der Größe sind, zeigt die Anzahl der angemeldeten Patente während der vergangenen 36 Monate: insgesamt 36 394.
Häufig senden Krebszellen Signale aus, um damit Reaktionen des Immunsystems zu verhindern. Checkpoint-Inhibitoren heben diese Blockaden auf. Bei manchen Patienten ist die Therapie dauerhaft erfolgreich. Immunzellen werden aktiviert und drängen den Krebs zurück. Der Checkpoint-Inhibitor Opdivo des US-Pharmakonzerns Bristol-Myers Squibb wird zum Beispiel in Europa seit 2015 bei erwachsenen, schwerkranken Patienten bei sechs verschiedenen Tumoren eingesetzt. Opdivo ist ein sogenannter Blockbuster. Das sind Medikamente, die jährlich mehr als eine Milliarde Dollar Erlöse bringen. Im Geschäftsjahr 2020 spielte Opdivo fast sieben Milliarden Dollar ein.
Die Erlöse der acht Blockbuster im Portfolio von Bristol-Myers Squibb lieferten zusammen mehr als 90 Prozent der Erlöse. Für 2021 erwarten Analysten 46,5 Milliarden Dollar Umsatz, gut neun Prozent mehr als 2020. Eine aussichtsreiche Kombinationstherapie von Opdivo und Yervoy, einem Antikörpermedikament der Biotechfirma Celgene, die Bristol-Myers Squibb 2020 übernahm, wurde für die Behandlung von Lungenkrebs und Tumoren, die das Brustfell befallen, zugelassen. Der Qualitätsscore von Bristol-Myers Squibb von 77,9 Punkten liegt über dem Median der Pharmakonzerne bei 72,4 Punkten.
Die von Robert LoCascio 1995 gegründete und seit 2000 börsennotierte Firma LivePerson bietet Unternehmen eine cloudbasierte Onlineplattform für die Kommunikation mit ihren Kunden. Technologiechef des New Yorker Unternehmens ist seit 2018 Alex Spinelli, der bei Amazon seinerzeit das Betriebssystem der digitalen Assistentin Alexa entwickelte.
Mit den in die Plattform eingebauten Algorithmen künstlicher Intelligenz (KI) erfahren Firmen über regelmäßige Chats mit ihren Kunden kontinuierlich mehr über deren Bedürfnisse. Im Dezember 2018 beantragte LivePerson Patentschutz für die KI seiner Onlineplattform. Die Genehmigung steht noch aus.
Der für die Firma ermittelte Qualitätsscore ist mit 81,3 Punkten deutlich höher als der Median von 69,1 für die von Quant IP berücksichtigten 201 Softwarefirmen. Dienstleister wie Kreditkartenkonzerne und Telekomfirmen nutzen LivePersons Technologie, um die Beantwortung eines erheblichen Anteils der Onlineanfragen zu automatisieren.
LivePersons durchschnittlicher Erlös pro Kunde legte 2020 um 35 Prozent auf 456.000 Dollar zu. Für 2021 erwarten Analysten beim Umsatz 28 Prozent mehr, rund 469 Millionen Dollar. Der erste Jahresgewinn wird 2024 erwartet.
Die Software von Mitek Systems ermöglicht in Apps auf mobilen Geräten eine digitale Identitätsprüfung über die Gesichtserkennung. Die Technologie nutzen Banken und Finanzdienstleister etwa zur Freigabe von Onlinezahlungen. US-Marktforscher Markets and Markets schätzt die globalen Erlöse mit digitaler Identifikation für 2020 auf weltweit 7,6 Milliarden Dollar. Für 2025 erwarten die Experten eine Verdopplung. Mitek ist mit einem geschätzten Erlös von 120 Millionen Dollar für das Geschäftsjahr bis Ende September noch ein kleiner Anbieter.
Trotz der vergleichsweise geringen Erlöse ist die Wachstumsfirma schon seit 2015 profitabel. Mindestens bis 2023 erwarten Analysten Erlössteigerungen um mehr als 15 Prozent pro Jahr. Mitek fokussiert sich auf Finanz- und Versicherungsunternehmen sowie den Gesundheitssektor. Nach Firmenangaben wurden mit der Technologie mehr als vier Millionen Konten freigeschaltet und Transaktionen im Wert von mehr als 1,5 Billionen Dollar genehmigt. Setzt sich die Technologie durch, dürfte Mitek bald auf den Kauflisten von Online- und Finanzkonzernen landen.


 

Für die Bewertung der Patentaktivität von Firmen ermittelt Quant IP einen Gesamt-Rang, anhand dessen auch die Top Five einer Branche ersichtlich werden. Der Gesamt-Rang ergibt sich aus der Summe der Rangfolgen dreier Kriterien. Zunächst der Patentqualität: Diese ermittelt ein Algorithmus auf Basis künstlicher Intelligenz. Der resultierende Qualitätsscore einer Firma, der mit dem Median in der Branche verglichen wird, ist umso größer, je wahrscheinlicher es ist, dass die zur Erfindung gehörenden Patente in den wichtigsten Märkten erteilt werden und die Firma die Erfindung in vielen Märkten anmeldet. Ebenso wird hier berücksichtigt, von wie vielen anderen Patentanmeldern die Erfindung zitiert wird. Die Patenteffizienz vergleicht das Patentportfolio mit dem Aufwand für die firmeneigene Forschung und Entwicklung (R & D). Das Innovationswachstum schließlich bestimmt sich aus dem Verhältnis der R & D-Ausgaben und der Anmeldetätigkeit.
Der im April 2019 aufgelegte Fonds DWS Invest Intellectual Capital legt derzeit 57,5 Prozent des Vermögens in Aktien innovativer US-Firmen an, japanische Aktien folgen auf Platz 2 mit 9,2 Prozent Anteil. Deutschland liegt auf Rang 4 mit vier Prozent.
Der im Juli 2019 aufgelegte Fonds Quant IP Global Patent Leaders investiert weltweit in Aktien von Firmen, die stark in Forschung und Entwicklung investieren. Die Innovationskraft wird in regelmäßigen Abständen über einen selbst entwickelten Algorithmus berechnet. Ende August waren 50,3 Prozent des Kapitals in US-Firmen angelegt, 27,5 Prozent in japanischen Aktien. Aktien deutscher Firmen folgen auf Platz 3 mit 5,3 Prozent. Der Fonds ist sparplanfähig.

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Jeffrey Tiong legte 2007 gleich nach seinem Studium los. Seine Idee: Patente werden unterschätzt, deshalb gründete der heute 36-Jährige die Start-up-Firma PatSnap. Als Startkapital hatte der Absolvent des Unternehmerstudiums an der National University of Singapore ein Gründerstipendium.
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Mit der Software und den Algorithmen des Patentdienstleisters aus Singapur ist heute auch in großen Konzernen eine Digitalisierung des Patentwesens möglich. Effizientere Verwaltung und schnellere Aktualisierung werten die Patente der Firmen auf und stärken ihre Wettbewerbsfähigkeit. Unterm Strich verbessert das die Profitabilität – und damit bei gelisteten Unternehmen auch den Börsenwert. Zu PatSnaps Kunden in 40 Ländern zählen inzwischen Konzerne wie Tesla, Walt Disney, Paypal, Colgate-Palmolive oder auch die NASA.
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Wichtig ist zudem ein großer Markt für die innovativen Produkte und viel Kapital von Investoren, die hohe Risiken akzeptieren. Es kann schließlich Jahre dauern, bis sich Innovationen am Markt durchsetzen. Die Geldgeber der Wachstumsunternehmen, oft Risikokapitalfirmen, müssen sich die dafür notwendige Ausdauer leisten können.
An der Wall Street und im Silicon Valley sind diese Ressourcen in weitaus größerem Umfang als in anderen technologisch starken Regionen der Welt vorhanden. Die USA verfügen auch deshalb über die weltweit höchste Anzahl sogenannter “Unicorns”: Die Einhörner sind nicht börsennotierte Firmen im Wert von über einer Milliarde Dollar. Im Großraum San Francisco gibt es laut Morgan Stanley mehr als 30 Stellen für Patentanmeldungen und damit mehr als in jeder anderen Region der Welt.
Wie können nun Investoren durch die Analyse der öffentlich verfügbaren Patentdaten an den Börsen globale Innovations-Champions aufspüren? Der Münchner Finanzdienstleister Quant IP hat sich darauf spezialisiert: “Mit unseren Kennzahlen können Vermögensverwalter die Innovationskraft von Firmen quantifizieren, um höhere Renditen zu erwirtschaften. Unsere Analysen helfen Firmen und Risikokapitalgebern, um mit ihren Investments Vorreiter von Technologietrends aufzuspüren”, sagt Firmenmitgründer Lucas von Reuss.
Um den Lesern von €uro am Sonntag Zugang zum neuen Anlagetrend zu verschaffen, hat sich die Redaktion auf die Suche nach aussichtsreichen Innovations-Champions gemacht. Für unsere umfangreiche und exklusive Analyse haben wir mit dem auf geistiges Eigentum und Patente spezialisierten Fondsinitiator Quant IP zusammengearbeitet.
Grundlage für die Einschätzung der Innovationskraft der Unternehmen ist eine Methode der Münchner Experten: Sie bilden eine Gesamtnote in Zusammenhang mit den von den Firmen gemeldeten Patenten aus den drei Faktoren Innovationswachstum, Patentqualität und -effizienz.
Aus der Materie ergibt sich dabei ein branchenorientierter Ansatz. Ein Vergleich der Patente über verschiedene Branchen hinweg ist meist nicht sinnvoll. Patentanmeldungen sind etwa für Pharmaunternehmen deutlich teurer als für Softwarefirmen. Bei der Patentaktivität gibt es große Unterschiede. So kamen in der Biotechbranche rund 240 Firmen als Favorit infrage, bei Konglomeraten und Konsumgüterherstellern waren es 15 respektive 16 Firmen.
Unsere Favoriten wurden deshalb in brancheninternen Vergleichen ermittelt. Gemessen an der Patentaktivität einer Firma in den vergangenen zwölf Monaten wird für jede Firma ein individueller Gesamt-Rang innerhalb einer Branche errechnet, bei dem auch die Patentqualität entscheidend ist. Aus den besten Fünf einer Branche wählte die Redaktion zwei Favoriten anhand nachhaltiger Wertzuwächse aus.
Auffällig ist die große Anzahl kleinerer und mittelgroßer Firmen in den jeweiligen Top Five. “Die flachen Hierarchien in diesen Unternehmen lassen Innovation leichter zu”, erklärt Quant-IP-Experte von Reuss. Es gibt aber auch wendige Großkonzerne: Pharmariese Johnson & Johnson etwa entwickelte sein Corona-Vakzin in ähnlich kurzer Zeit wie die Aufsteiger Moderna und Biontech. Im Folgenden stellt die Redaktion die zehn Favoriten nach Branchen und Rang geordnet vor.
Regelmäßig erinnert Emily Leproust, Chefin und Mitgründerin von Twist Bioscience, ihre Mitarbeiter daran, dass die Biotechfirma aus San Francisco ein produzierendes Unternehmen ist, allerdings in Nanometer-Dimensionen. “Wir stellen DNA her”, sagt Leproust dann. Die Träger von Erbinformationen erzeugt Twist in Röhren mit 600 Nanometer Durchmesser. Ein Haar ist um mehr als das Hundertfache dicker als diese Röhren. Aus Basiskomponenten der DNA entstehen so neue genetische Codes zum Beispiel von Organismen wie Hefepilzen, die Grundstoffe für Arzneien bilden, oder Algen, die Kraftstoffe produzieren.
Mit einem geschätzten Umsatz von 100 Millionen Dollar im laufenden Geschäftsjahr ist Twist Bioscience ein Wegbereiter in dem jungen Zukunftsmarkt synthetische Biologie. Die Beispiele von Hefepilzen und Algen zeigen, dass die Technologie in vielen Bereichen angewendet werden kann. Twists Qualitätsscore ist mit 91,5 auf der von Quant IP verwendeten Skala von 1 bis 100 Punkte ist sehr hoch und liegt deutlich über dem Median der Biotechbranche von 81.
Victor Perloth, Chef und Mitgründer von Kodiak Sciences in Palo Alto im Silicon Valley, hat an der US-Elite-Uni Stanford studiert und in Princeton in Molekularbiologie promoviert. Kodiak erforscht und entwickelt Therapien und Wirkstoffe zur Behandlung der weit verbreiteten Netzhautkrankheiten. Wie häufig bei Biotechunternehmen ist das mit hohen Risiken verbunden, kostet viel und dauert mehrere Jahre. Für die Aktionäre von Kodiak Sciences ist es deshalb nicht überraschend, dass die Firma noch keine Erlöse ausweist und Verluste in Kauf nehmen muss.
Analysten der US-Bank JP Morgan erwarten die ersten Erlöse ab 2023. Sie schätzen das Umsatzpotenzial für Therapien zur Behandlung von Netzhauterkrankungen und Degenerationen der Makula weltweit auf zehn Milliarden Dollar. Kodiaks ABC-Plattform (Antibody Biopolymer Conjugate) nutzt die Molekulartechnik, um antikörperbasierte und chemiebasierte Therapien zu verschmelzen. Der aussichtsreichste Produktkandidat KSI-301 wurde für die Behandlung von Gefäßerkrankungen der Netzhaut entwickelt, darunter auch die Degeneration der Makula. Diese ist eine der Hauptursachen für Erblindung bei älteren Patienten und bei Menschen im arbeitsfähigen Alter, die an Diabetes erkrankt sind.
Mit 89,7 Punkten liegt auch der Qualtitätsscore von Kodiak Sciences klar über dem Median der Branche.
Im Alltag kennen viele die Minnesota Mining and Manufacturing Company (3M) durch die bunten Post-it-Notizblätter und lichtreflektierende Beschichtungen auf Fahrzeug- und Verkehrszeichen, Signalwesten und Bekleidung. Der Spezialchemiekonzern entwickelt überwiegend Technologien und Produkte nach individuellen Anforderungen von Firmenkunden. Dieses Spezialwissen bringt 3M hohe Margen ein und liefert den Löwenanteil der Erlöse. Den Umsatz für 2021 schätzen Analysten auf 35 Milliarden Dollar. In der Konzernbilanz macht 3Ms Expertise für Firmenkunden die Hälfte der immateriellen Vermögenswerte aus. Für 2020 taxierte 3M diesen Posten auf gut 8,2 Milliarden Dollar – darin enthalten Patente im Wert von 537 Millionen Dollar.
Mit 16.751 Anmeldungen für geistiges Eigentum, die 3M während der vergangenen 36 Monate verzeichnet hat, kommt der Konzern bei den von €uro am Sonntag ausgewählten Champions auf Platz 2 nach dem ebenfalls außergewöhnlichen Pharmariesen Johnson & Johnson mit 36.394 Anmeldungen. Bei der Qualität der Patente im Segment Konglomerate ist 3M die Nummer 1. Mit 80,5 Punkten liegt der Qualitätsscore deutlich über dem Median des Sektors.
Die Stockholmer Beteiligungsfirma Lifco sieht sich als Entwickler von Firmen in den Industriesegmenten Dentaltechnik, Roboter und Maschinen für Abbrucharbeiten sowie im Spezialanlagenbau. Den Spezialanlagenbau ergänzten die Schweden im Juni mit dem Kauf von Bode Components. Der Entwickler von Aufzugstechnik aus Düsseldorf mit fünf Millionen Euro Umsatz liefert Komponenten wie Geschwindigkeitsbegrenzer, Seilbremsen, Aufzugsteuerungen.
Lifcos Erlös für 2021 schätzen Analysten auf zwei Milliarden Dollar. Der Bereich mit Firmen wie Bode Components liefert mit 39 Prozent den größten Anteil der Erlöse, Dentaltechnik folgt mit 32 Prozent. Hersteller automatisierter Maschinen für Abbrucharbeiten erwirtschaften 29 Prozent der Erlöse.
Der schwedische Unternehmer Carl Bennet, dessen gleichnamiger Beteiligungskonzern bei Lifco 46,5 Prozent der Anteile hält, hat seit den 90er-Jahren viel Einfluss auf die Strategie der Holding. Bei der von Quant IP bewerten Patent-Effizienz, dem Verhältnis zwischen Investitionen in Forschung und Entwicklung (R & D) und Patentportfolios, kommt Lifco aus Platz 2 von den 15 Holdings, die in der Analyse berücksichtigt wurden. Beim Quant-IP-Faktor Wachstum, dem Verhältnis zwischen R & D und der Anzahl der in zwölf Monaten gemeldeten Patente, liegt Lifco auf Platz 5. Der Qualitätsscore von 66,7 bleibt unter dem Median, vermutlich ein Handicap der Holdingstruktur.
Bekannt ist Colgate-Palmolive vor allem für Zahnbürsten und Zahncreme. In beiden Kategorien ist der US-Konzern weltweit führend. William Colgate, Auswanderer aus Großbritannien, startete 1806 in New York als Kerzenmacher, der auch Seife und Wäschestärke aus eigener Herstellung verkaufte. Palmolive kam 1926 als Hersteller von Seife aus Palm– und Olivenöl an Bord. Colgate-Palmolive mit geschätzten 17,5 Milliarden Dollar Umsatz für 2021 zählt an der Wall Street zu den Dividend Kings, Firmen, die ihre Ausschüttung pro Aktie mindestens 50 Jahre in Folge erhöht haben. Bei Colgate-Palmolive sind es bisher 58.
Vor allem im Markt für Elektrozahnbürsten muss sich der Konzern mit Innovationen und Patenten gegen große Rivalen wie Procter & Gamble (Oral B) oder Philips (Sonicare) behaupten. Das US-Patent Nummer 10 478 274 schützt laut Urkunde “den ersten beweglichen Bürstenkopf” mit “horizontalen, vertikalen und Kipp-Bewegungen” seit November 2019. Marktforscher schätzen den Umsatz mit Elektrozahnbürsten für 2020 weltweit auf 2,36 Milliarden Dollar. Bis 2028 sollen die Erlöse jährlich um mehr als fünf Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar zulegen. Die Marktanteile der Konzerne sind ein Geheimnis, das nur in teuren Studien erworben werden kann. Im Quant-IP-Gesamtranking von 16 Konsumgüterriesen kommt Colgate-Palmolive auf Platz 1. Gegenüber Procter & Gamble und Henkel punktet der Konzern mit besseren Noten bei Patenteffizienz und Qualität.
Marken wie Ariel, Pampers, Braun und Gillette oder Head & Shoulders hat der US-Konsumgüterriese Procter & Gamble erfolgreich aufgebaut. Auch P & G wurde wie Colgate 1837 in Cincinnati von Auswanderern aus Großbritannien gegründet, von Kerzenzieher William Procter und dessen Schwager, dem Seifensieder James Gamble. Der Aufbau einer Marke hatte für P & G von Beginn an immer Vorrang vor dem Firmennamen, der im Hintergrund blieb. Heute sind Marken für P & G wertvoll, wenn sie kontinuierlich zur Profitabilität und zum Wachstum beitragen. In einer beispiellosen Restrukturierung des Portfolios hat P & G die Anzahl seiner Marken von 170 auf 65 mehr als halbiert.
Für das Geschäftsjahr bis Juni 2022 erwarten Analysten knapp 79 Milliarden Dollar Umsatz. In der Bilanz von P & G machen Marken den Löwenanteil der immateriellen Vermögenswerte aus, rund 21 von 29,7 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr bis Ende Juni 2021. Maßstäbe in der Branche setzt P & G auch bei der Anzahl der registrierten Patente in 36 Monaten: 14.815 ist der Bestwert im Konsumgütersektor.
In Drogeriemärkten präsent ist Johnson & Johnson mit Marken wie Bebe, Listerine, Nicorette, Dolormin und Imodium. Janssen, die Pharmasparte des Konzerns aus New Brunswick im US-Bundesstaat New Jersey, ist mit geschätzten 46 Milliarden Dollar Erlös für 2021 das fünftgrößte Pharmaunternehmen der Welt. Zu den umsatzstärksten Janssen-Produkten zählen Spezialarzneien wie Stelara oder Darzalex. Für dieses Jahr erwarten Analysten 94,4 Milliarden Dollar Gesamtumsatz.
Damit ist Johnson & Johnson auch der größte Medizintechnikkonzern der Welt. Nach dem Kauf des Herstellers von Operationsrobotern Auris Health 2019 und Verb Surgical, Entwickler einer digitalen Plattform zur Unterstützung von Operationen, drängt Johnson & Johnson nun in einen zusätzlichen Wachstumsmarkt. Bisher fährt hier Branchenpionier Intuitive Surgical mehr als 90 Prozent der Erlöse ein.
Wie effizient die Unternehmensstrukturen bei Johnson & Johnson trotz der Größe sind, zeigt die Anzahl der angemeldeten Patente während der vergangenen 36 Monate: insgesamt 36 394.
Häufig senden Krebszellen Signale aus, um damit Reaktionen des Immunsystems zu verhindern. Checkpoint-Inhibitoren heben diese Blockaden auf. Bei manchen Patienten ist die Therapie dauerhaft erfolgreich. Immunzellen werden aktiviert und drängen den Krebs zurück. Der Checkpoint-Inhibitor Opdivo des US-Pharmakonzerns Bristol-Myers Squibb wird zum Beispiel in Europa seit 2015 bei erwachsenen, schwerkranken Patienten bei sechs verschiedenen Tumoren eingesetzt. Opdivo ist ein sogenannter Blockbuster. Das sind Medikamente, die jährlich mehr als eine Milliarde Dollar Erlöse bringen. Im Geschäftsjahr 2020 spielte Opdivo fast sieben Milliarden Dollar ein.
Die Erlöse der acht Blockbuster im Portfolio von Bristol-Myers Squibb lieferten zusammen mehr als 90 Prozent der Erlöse. Für 2021 erwarten Analysten 46,5 Milliarden Dollar Umsatz, gut neun Prozent mehr als 2020. Eine aussichtsreiche Kombinationstherapie von Opdivo und Yervoy, einem Antikörpermedikament der Biotechfirma Celgene, die Bristol-Myers Squibb 2020 übernahm, wurde für die Behandlung von Lungenkrebs und Tumoren, die das Brustfell befallen, zugelassen. Der Qualitätsscore von Bristol-Myers Squibb von 77,9 Punkten liegt über dem Median der Pharmakonzerne bei 72,4 Punkten.
Die von Robert LoCascio 1995 gegründete und seit 2000 börsennotierte Firma LivePerson bietet Unternehmen eine cloudbasierte Onlineplattform für die Kommunikation mit ihren Kunden. Technologiechef des New Yorker Unternehmens ist seit 2018 Alex Spinelli, der bei Amazon seinerzeit das Betriebssystem der digitalen Assistentin Alexa entwickelte.
Mit den in die Plattform eingebauten Algorithmen künstlicher Intelligenz (KI) erfahren Firmen über regelmäßige Chats mit ihren Kunden kontinuierlich mehr über deren Bedürfnisse. Im Dezember 2018 beantragte LivePerson Patentschutz für die KI seiner Onlineplattform. Die Genehmigung steht noch aus.
Der für die Firma ermittelte Qualitätsscore ist mit 81,3 Punkten deutlich höher als der Median von 69,1 für die von Quant IP berücksichtigten 201 Softwarefirmen. Dienstleister wie Kreditkartenkonzerne und Telekomfirmen nutzen LivePersons Technologie, um die Beantwortung eines erheblichen Anteils der Onlineanfragen zu automatisieren.
LivePersons durchschnittlicher Erlös pro Kunde legte 2020 um 35 Prozent auf 456.000 Dollar zu. Für 2021 erwarten Analysten beim Umsatz 28 Prozent mehr, rund 469 Millionen Dollar. Der erste Jahresgewinn wird 2024 erwartet.
Die Software von Mitek Systems ermöglicht in Apps auf mobilen Geräten eine digitale Identitätsprüfung über die Gesichtserkennung. Die Technologie nutzen Banken und Finanzdienstleister etwa zur Freigabe von Onlinezahlungen. US-Marktforscher Markets and Markets schätzt die globalen Erlöse mit digitaler Identifikation für 2020 auf weltweit 7,6 Milliarden Dollar. Für 2025 erwarten die Experten eine Verdopplung. Mitek ist mit einem geschätzten Erlös von 120 Millionen Dollar für das Geschäftsjahr bis Ende September noch ein kleiner Anbieter.
Trotz der vergleichsweise geringen Erlöse ist die Wachstumsfirma schon seit 2015 profitabel. Mindestens bis 2023 erwarten Analysten Erlössteigerungen um mehr als 15 Prozent pro Jahr. Mitek fokussiert sich auf Finanz- und Versicherungsunternehmen sowie den Gesundheitssektor. Nach Firmenangaben wurden mit der Technologie mehr als vier Millionen Konten freigeschaltet und Transaktionen im Wert von mehr als 1,5 Billionen Dollar genehmigt. Setzt sich die Technologie durch, dürfte Mitek bald auf den Kauflisten von Online- und Finanzkonzernen landen.


 

Für die Bewertung der Patentaktivität von Firmen ermittelt Quant IP einen Gesamt-Rang, anhand dessen auch die Top Five einer Branche ersichtlich werden. Der Gesamt-Rang ergibt sich aus der Summe der Rangfolgen dreier Kriterien. Zunächst der Patentqualität: Diese ermittelt ein Algorithmus auf Basis künstlicher Intelligenz. Der resultierende Qualitätsscore einer Firma, der mit dem Median in der Branche verglichen wird, ist umso größer, je wahrscheinlicher es ist, dass die zur Erfindung gehörenden Patente in den wichtigsten Märkten erteilt werden und die Firma die Erfindung in vielen Märkten anmeldet. Ebenso wird hier berücksichtigt, von wie vielen anderen Patentanmeldern die Erfindung zitiert wird. Die Patenteffizienz vergleicht das Patentportfolio mit dem Aufwand für die firmeneigene Forschung und Entwicklung (R & D). Das Innovationswachstum schließlich bestimmt sich aus dem Verhältnis der R & D-Ausgaben und der Anmeldetätigkeit.
Der im April 2019 aufgelegte Fonds DWS Invest Intellectual Capital legt derzeit 57,5 Prozent des Vermögens in Aktien innovativer US-Firmen an, japanische Aktien folgen auf Platz 2 mit 9,2 Prozent Anteil. Deutschland liegt auf Rang 4 mit vier Prozent.
Der im Juli 2019 aufgelegte Fonds Quant IP Global Patent Leaders investiert weltweit in Aktien von Firmen, die stark in Forschung und Entwicklung investieren. Die Innovationskraft wird in regelmäßigen Abständen über einen selbst entwickelten Algorithmus berechnet. Ende August waren 50,3 Prozent des Kapitals in US-Firmen angelegt, 27,5 Prozent in japanischen Aktien. Aktien deutscher Firmen folgen auf Platz 3 mit 5,3 Prozent. Der Fonds ist sparplanfähig.

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