Anlagestrategie: Rally an den Rohstoffmärkten – Handelsblatt

Die Preise für viele Rohstoffe sind in den vergangenen Monaten gewaltig gestiegen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Doch vor allem die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise ließ die Notierungen anziehen. „Die industrielle Produktion ist wieder gestiegen, ebenso die Nachfrage“, sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank.
„Natürlich laufen nicht alle Rohstoffe gleich, aber wenn man sich beispielsweise den S&P Commodities Index anschaut, dann liegen wir auf ein Jahr zurückgerechnet bei mehr als 50 Prozent im Plus und seit Jahresbeginn immer noch bei 30 Prozent.“ In dem Index sind 24 Rohstoffe gelistet, gewichtet nach der jährlichen Produktionsmenge.

Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank

Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank
In seinem wöchentlichen Podcast „PERSPEKTIVEN To Go“ gibt der Experte erst einmal Entwarnung. Steigende Rohstoffpreise seien natürlich Kosten für die Unternehmen. Aktuell können sie diese aber über die Preise an ihre Kunden weitergeben. „Deshalb sehen wir auch höhere Inflationszahlen“, so Stephan. „Die Unternehmen konnten ihre Margen nicht nur halten, sondern sogar steigern.“ Denn es gibt aktuell kein Nachfrageproblem sondern ein Angebotsproblem, bedingt durch gestörte Lieferketten und Nachwirkungen der Corona-Krise.
„Teilweise sind Rohstoffe nicht in dem Ausmaß vorhanden, wie das in der Vergangenheit der Fall gewesen ist“, ergänzt er. Produktionsstätten seien ausgefallen, es könne nicht geliefert werden. „Dadurch steigen die Kosten, aber die Unternehmen können diese aktuell weitergeben.“
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Es ist aber längst nicht nur die wirtschaftliche Erholung, die die Preise treibt. Politische Krisen in rohstoffreichen Ländern sorgen immer wieder für Ausschläge. Ein wichtiger Grund ist aber auch der Umbau der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit.
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Energierohstoffen, Industrie- und Edelmetallen. „Die Energierohstoffe sind die in den vergangenen Monaten sehr stark gestiegen“, sagt Stephan. „Auch die Industriemetalle sind teilweise sehr stark angestiegen, denn sie werden verstärkt für die ökologische Transformation, also den Umbau der Infrastruktur und der Wirtschaft insgesamt benötigt.“ Zuletzt habe es hier einige Angebotsengpässe gegeben.
Nicht gut laufen hingegen Edelmetalle. „Hier sehen wir in diesem Jahr durchweg negative Entwicklungen“, so Stephan. Am schlimmsten habe es Silber erwischt, Palladium, Gold und Platin folgen dahinter. „Mit Blick auf Solarpanels, E-Autos oder Erneuerbare Energien darf man aber nicht vergessen, dass deutlich mehr von diesen Rohstoffen gebraucht werden wird.“ Ähnliches gilt für die Industriemetalle Nickel oder Silizium.
Nachhaltigkeit ist ein großes Thema und beeinflusst Angebot und Nachfrage. Stephan nennt ein aktuelles Beispiel: „China möchte sich als nachhaltiges Land mit sauberer Luft präsentieren, aber das bedeutet Einschränkungen für die Wirtschaft.“ Die chinesische Stahlproduktion soll in diesem Jahr auf dem Niveau des vergangenen Jahres eingefroren werden. „Will man dieses erreichen, müssten im zweiten Halbjahr dieses Jahres etwa zehn Prozent weniger Stahl produziert werden.“ Solche Dinge beeinflussen die Rohstoffpreise. Das müssten Investoren bedenken.
Für Anleger sind die Entwicklungen am Rohstoffmarkt definitiv ein wichtiger Faktor, auch wenn sie die Unternehmensgewinne derzeit nicht ausbremsen. Sie können bei entsprechender Risikoneigung aber natürlich auch in Rohstoffe investieren. „Das geht über Indizes oder man investiert in einzelne Rohstoffe, was in der Regel über Derivate passiert“, sagt der Experte. Eine weitere Möglichkeit sei es, in Minenaktien zu investieren oder in Unternehmen, die die Rohstoffe transportieren oder verarbeiten.
„Eine Alternative können Rohstoff-Fonds mit breiterer Risikostreuung sein. Darunter fallen entweder Aktienfonds , die sich eher mit Minenaktien beschäftigen, oder Fonds, die direkt in einzelne Rohstoffe investieren.“, ergänzt der Chefanlagestratege. Es sei immer die Frage, wie direkt man in Rohstoffe investieren wolle und welches Risiko man eingehen möchte. Und natürlich seien eben alle Unternehmen von der Entwicklung abhängig – einige mehr, andere weniger.

Hier hören Sie regelmäßig aktuelle Einschätzungen von Dr. Ulrich Stephan im Podcast PERSPEKTIVEN To Go.

Der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank spricht in seinem Podcast jede Woche mit Finanzjournalistin Jessica Schwarzer darüber, was die Märkte bewegt – und was das für Anleger bedeutet. Schnell, pragmatisch und auf den Punkt.

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