DAX 40: So investieren Sie in den deutschen Leitindex DAX XXL – finanzen.net

Der deutsche Leitindex wird größer, er besteht in Zukunft aus 40 statt aus 30 Unternehmen: aus DAX 30 wird DAX 40. Die Deutsche Börse zieht damit Konsequenzen aus dem Skandal rund um Wirecard. In unserem Ratgeber erfahren Sie alle wichtigen Infos zum DAX XXL, was das für Anleger bedeutet und wie Sie in den DAX 40 investieren können.
Der deutsche Leitindex DAX wurde im September 2021 von 30 auf 40 Unternehmen aufgestockt, der MDAX schrumpfte im Gegenzug von 60 auf 50 Mitglieder. Der Indexbetreiber die Deutsche Börse AG zieht damit Konsequenzen aus dem Wirecard-Skandal.
Der Zahlungsdienstleister sorgte als DAX-Mitglied mit einem historischen Betrugsskandal für ein Desaster an der Deutschen Börse. Mitte 2020 stürzte die Wirecard-Aktie ab und viele Anleger verloren ihr Kapital. Obwohl Wirecard bereits Ende Juni 2020 Insolvenz anmeldete und offensichtlich pleite war, musste das Unternehmen aus Aschheim bei München bis Ende August noch im DAX bleiben. Der Grund: Lücken im Regelwerk der Deutschen Börse.
Als an Stelle von Wirecard Delivery Hero in den DAX aufstieg, hagelte es heftige Kritik. Denn der Essenslieferant profitierte zwar stark von der Corona-Krise, konnte jedoch operativ keinen Gewinn verzeichnen. Außerdem ist Delivery Hero in Deutschland trotz des Hauptsitzes Berlin nicht mehr aktiv. Sein Deutschland-Geschäft hatte Delivery Hero bereits 2019 an den Konkurrenten Lieferando verkauft. Mit der Überarbeitung der Index-Regeln sollen in Zukunft Fälle wie diese vermieden werden, die Aufnahme in den wichtigsten deutschen Aktienindex steht nun unter strengerer Kontrolle.
Der DAX30 gehört also der Vergangenheit an, seit September 2021 gibt es den DAX 40. Was das für Anleger bedeutet und wie Sie in den DAX40 investieren können, lesen Sie im Folgenden. Außerdem klären wir die wichtigsten Fragen rund um den DAX XXL.
Um in Zukunft in den DAX neu aufgenommen zu werden, hat die Deutsche Börse strengere Regeln festgesetzt, die vor allem solch ein Chaos wie den Wirecard-Skandal verhindern sollen. So müssen Unternehmen seit Dezember 2020 vor der Aufnahme in den DAX mindestens zwei Jahre hintereinander ein positives Gewinn-Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen erwirtschaftet haben. Dieses nennt sich Ebitda (Earnings before interest, taxes, depreciation and amortization).
Außerdem sind ab März 2021 alle DAX-Mitglieder dazu verpflichtet, Quartalsmitteilungen und testierte Geschäftsberichte zu veröffentlichen und das spätestens 90 Tage nach Ende des Geschäftsjahres. Die Frist kann einmalig um 30 Tage verlängert werden. Liegen nach Ablauf dieser keine Geschäftszahlen vor, fliegen sie automatisch aus dem Index – das gilt nicht nur für den DAX, sondern auch für MDAX, TecDAX und SDAX. So verschob zum Beispiel Wirecard mehrfach die Veröffentlichung der Zahlen und blieb weiterhin im DAX. Sowas wird in Zukunft nicht mehr möglich sein.
Im September 2021 wurde der Deutsche Leitindex auf 40 Unternehmen erweitert. „Mit 40 Werten können wir die Wirtschaft breiter abbilden“, sagt Stephan Flügel von der Deutsche-Börse-Tochter Qontigo, der für die Index-Reform zuständig ist. In Zukunft werden wachstumsstarke moderne Branchen eine größere Rolle im DAX 40 spielen, wie zum Beispiel Medizintechnik oder der Online-Handel.
Stand: 07.09.2021
Wie bereits erwähnt, bestand der DAX bis September 2021 noch aus 30 deutschen Unternehmen. Die Schwergewichte unter den DAX-Mitgliedern gemessen an der Marktkapitalisierung sind SAP, Linde, Siemens, Volkswagen und die Allianz.
Die umsatzstärksten Unternehmen sind Volkswagen (149 Mrd. Dollar), Allianz (138 Mrd. Dollar), Daimler (136 Mrd. Dollar), Deutsche Bank (126 Mrd. Dollar) und auf dem fünften Platz liegt Siemens mit einem Umsatz von 96 Mrd. Dollar im Jahr.
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Die neue Index-Zusammenstellung des DAX wird in Zukunft gleich zweimal jährlich überprüft – im März und im September. Bisher hat der Arbeitskreis Aktienindizes den Deutschen Leitindex nur im September unter die Lupe genommen. Dabei wird nur noch die Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien eine Rolle spielen. Bisher wurde die Marktkapitalisierung und der Börsenumsatz zur Entscheidung über den Verbleib im DAX herangezogen.
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Anleger betreffen die neuen Regelungen vor allem dann, wenn sie in ETFs, Zertifikate oder Fonds investiert haben. Dabei handelt es sich um Aktienpakete, die entweder aktiv von einem Fondsmanager verwaltet werden oder passiv einen bestimmten Index nachbilden (ETF). Doch Anleger können beruhigt sein: Wer in so ein aktiv oder passiv gemanagtes Finanzprodukt investiert hat, muss bei der Umstellung vom DAX 30 auf den DAX 40 nichts weiter tun. Die Emittenten schichten ihre passiven Fonds automatisch um und bilden den Deutschen Leitindex auch mit den neuen Werten passiv nach – sobald der DAX auf 40 Unternehmen anwächst. Sie müssen Ihre „alten“ DAX-ETFs also nicht verkaufen und einen „neuen“ ETF kaufen.
Interessant: Die neuen Regelungen haben den Vorteil, dass ein einzelnes Unternehmen nun weniger Gewicht auf den gesamten Index hat – und somit auch ein DAX-ETF oder Fonds weniger anfällig für Schwankungen ist, wenn nur ein Wert schwächelt.
Haben Sie mit Einzelaktien in den DAX investiert, so müssen Sie natürlich die Werte nachkaufen, die ab September 2021 neu in den DAX 40 aufsteigen. Natürlich nur dann, wenn Sie den kompletten Deutschen Leitindex in Ihrem Depot selbst nachbilden möchten.
Wer keinen ETF kaufen will, kann auch mit Einzelaktien in den DAX 40 investieren – also Aktien eines einzelnen DAX-Mitglieds zum Beispiel BMW, SAP oder Bayer kaufen. Das hat den Vorteil, dass Sie sich als Anleger genau überlegen können, in welches Unternehmen Sie investieren möchten. Wenn der Wert der Aktie steigt, profitieren Sie im Vergleich zum ETF mehr von der Kurssteigerung.
Das Gleiche gilt aber auch umgekehrt: Haben Sie Ihr Geld in Einzelaktien investiert, ist das Verlustrisiko höher, da Sie im Gegensatz zu einem ETF nur auf ein Unternehmen setzen und von der Performance einer einzelnen Aktie abhängig sind. Wenn Sie also nur die Aktien eines einzelnen DAX-Mitglieds besitzen, investieren Sie nicht in den gesamten DAX 40, sondern lediglich in ein Unternehmen, das im Deutschen Aktienindex vertreten ist.
Tipp: Beim finanzen.net zero Depot1 können Sie Aktien und andere Wertpapiere komplett gebührenfrei handeln – werfen Sie einen Blick auf den ausführlichen Online Broker-Vergleich.
Sie haben auch die Möglichkeit in den DAX 40 zu investieren, indem Sie alle Indexmitglieder in Ihr Depot mit Einzelaktien aufnehmen. Das Prinzip kommt dem eines ETFs gleich, jedoch können Sie hier selbst entscheiden, ob und wann Sie welche Aktien verkaufen. Das ist bei einem DAX-ETF nicht möglich. Sollten Sie sich dafür entscheiden, müssen Sie die Kosten im Blick behalten. Denn der Kauf von Einzelaktien kann teuer werden. Unter anderem müssen Anleger für jeden Aktienkauf Ordergebühren berappen.
Wenn Sie in den DAX 40 investieren, aber nicht alle Aktien einzeln kaufen wollen, könnte ein aktiv gemanagter Fond, ein DAX-ETF oder auch ein DAX-CFD für Sie infrage kommen. Wir für Sie im Folgenden die besten Möglichkeiten aufgelistet, wie Sie in den Deutschen Leitindex investieren können:
Wer überlegt, einen DAX-ETF zu kaufen, sollte auf jeden Fall den Vanguard Germany All ETF (ISIN IE00BG143G97/WKN A2JF6S) in Betracht ziehen. Der ausschüttende ETF bildet den DAX physisch nach und ist mit einer TER von 0,10 Prozent p.a. einer der günstigstens ETFs auf den Deutschen Leitindex.
Zu den günstig­sten DAX-ETFs zählt auch der Xtrackers DAX UCITS ETF 1C (ISIN LU0274211480/WKN DBX1DA). Für jährliche Gebühren in Höhe von 0,09 Prozent bekommen Sie eine vollständige physische Nachbildung des deutschen Leitindex. Der ETF der Deutsche Bank-Tochter Xtrackers reinves­tiert die Erträge (thesau­rierend).
Tipp: Wie Sie am besten in einen DAX-ETF investieren und welche Möglichkeiten es gibt, erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Thema DAX-ETF. Dort haben wir die verschiedenen ETFs, die den Deutschen Leitindex abbilden, unter die Lupe genommen und erklären Ihnen die Vor- und Nachteile eines DAX-ETFs.
Mit einem DAX-Zertifikat können Anleger ähnlich wie mit einem ETF gleichzeitig in alle DAX-Unternehmen investieren. Ein Indexzertifikat eignet sich sowohl für langfristige Anlagen, aber auch für kurzfristige Strategien, da ein Zertifikat keine Laufzeit hat. Allerdings hat der Anleger bei einem Indexzertifikat keinen Anspruch auf Dividendenausschüttung und sie müssen beim Kauf das Emittentenrisiko beachten.
Wichtig: Das Anlagekapital bei Zertifikaten stellt kein Sondervermögen dar! Bei einer Insolvenz des Emittenten, verlieren Sie also möglicherweise Ihr Geld. In unserem Ratgeber zu Indexzertifikaten erfahren Sie mehr über die Vor- und Nachteile dieser.
CFDs sind hochspekulative Finanzderivate, die zwar höhere Chancen aber auch höhere Risiken bergen. Deshalb sollten Anleger nur in CFDs investieren, wenn Sie bereit sind dieses Risiko einzugehen und auch gleichzeitig das Prinzip hinter CDFs verstehen. Wer mit CFDs handeln will, braucht außerdem ein Depot bei einem CFD-Broker – zum Beispiel Admiral Markets oder eToro.
Unsere Empfehlung: Weitere Infos zum CFD-Handel finden Sie in unserem Ratgeber. Dort erklären wir nicht nur ganz genau, was CFDs sind, sondern geben auch Tipps zu den besten CFD-Brokern.
Die Investition in einen aktiv gemanagten Deutschland-Fonds macht aus unserer Sicht wenig Sinn. Denn im Gegensatz zu einem ETF, der passiv den DAX abbildet, wird ein Fonds von einem Manager verwaltet. Während die Kosten für einen DAX-ETF überschaubar sind, können diese bei einem Fonds schon bei 1,5 Prozent pro Jahr liegen. Diese drücken die Performance nach unten. Das bedeutet, dass der aktiv gemanagte Fonds deutlich besser sein müsste als der DAX beziehungsweise ein DAX-ETF – und das ist er langfristig in der Regel nicht. Wer also in den DAX investieren will, sollte lieber auf ETFs statt aktiv gemanagte Fonds setzen.
Viele Experten sehen den Veränderungen des Deutschen Leitindex positiv entgegen. „Eine Erneuerung war überfällig“, erklärt Jürgen Hackenberg, Fondsmanager bei Union Investment, im Hinblick auf den Wirecard-Skandal im Gespräch mit dem Nachrichtenportal t-online. Ein größerer DAX bedeutet gleichzeitig mehr Streuung und Stabilität. Denn der Wert eines einzelnen Unternehmens kann den Deutschen Leitindex nicht mehr so leicht beeinflussen. Eine Revolution seien die neuen Regeln jedoch nicht, erklärt der Finanz-Experte weiter.
Doch bei all der positiven Resonanz gibt es auch Kritik an den neuen DAX 40-Regeln: so zum Beispiel an der Verkleinerung des MDAX. Dieser wird statt 60 nur noch 50 Werte enthalten und wäre somit leichter anfällig für Schwankungen am Markt, weil dieser seine Top-Unternehmen an die nächsthöhere Liga abgeben muss.
Außerdem wurde auch darüber diskutiert, ob die Deutsche Börse zukünftig Unternehmen, die mindestens zehn Prozent ihres Umsatzes in der Rüstungsindustrie generieren, ganz aus den Indizes auszuschließen. Diese Regelung hätte zum Beispiel hätte Airbus betroffen, da eine Tochterfirma Trägerraketen für französische Atomwaffen wartet. Der Vorschlag diese Unternehmen zu verbannen, wurde jedoch nicht in das neue DAX-Regelwerk aufgenommen. Stattdessen will sich die Deutsche Börse mit speziellen Nachhaltigkeits-Indizen dem Thema Nachhaltigkeit widmen.
Beitrag aktualisiert von:
Joy Jakob - Redakteurin finanzen.net RatgeberJoy Jakob verstärkt seit Anfang 2020 die Ratgeber-Redaktion. Sie ist zuständig für die Themen Versicherung, Vorsorge und Finanzen. Ihr Journalismus-Studium hat sie mit Bachelor abgeschlossen. Während ihres Studiums hospitierte sie unter anderem bei der Badischen Zeitung und in der Presseabteilung des SV Werder Bremen.
Beitrag verfasst von:
Jana Buch ist seit März 2020 für die Themen Börse und Wertpapiere zuständig. Sie schloss ihr Volontariat bei der Mediengruppe Dr. Haas ab und hospitierte bei der tz.de sowie dem Münchner Merkur. Zuletzt arbeitete sie als News-Redakteurin und Promi-Expertin in einer Online-Redaktion.
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Bildquelle: FrankHH / Shutterstock.com
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