Homeoffice von der Steuer absetzen – so geht's – GQ Germany

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Die Corona-Krise verlangt uns allen viel ab, doch das vermehrte Arbeiten im Homeoffice kann sich auch lohnen – zum Beispiel finanziell. Die täglichen Kosten fürs Homeoffice steuerlich absetzen: Klingt gut, oder? Längst nicht jeder ist sich darüber bewusst, dass durch den richtigen Heimarbeitsplatz eine wahre Chance auf Steuerersparnis eröffnet wird. (Lesen Sie auch: Homeoffice wegen Corona: So organisieren Sie sich richtig)
Das voll ausgestattete Büro im Unternehmensgebäude ist während der Corona-Pandemie nicht zugänglich und somit auch nicht Arbeitsgeräte wie der Firmen-PC, Telefon, Drucker und sonstige Arbeitsmaterialien. So muss sich erst einmal mit den Gegebenheiten im Homeoffice arrangiert und ein möglichst professioneller Workspace eingerichtet werden. Bei weitem nicht jeder, der gerade von zu Hause aus arbeitet, besitzt ein eigenes Büro und so fallen für neue Anschaffungen und die häufigere Präsenz in der eigenen Wohnung extra Kosten an, die an bisherigen Arbeitstagen nicht zustande kamen. 
Da stellt sich für viele die Frage, wie eigentlich genau die vom Finanzamt bestimmten Bedingungen für eine Steuererleichterung lauten. Was kann man absetzen und welche Voraussetzungen muss man dafür erfüllen? (Auch interessant: New Work: Diese 7 Trends werden unsere Arbeitswelt für immer verändern)
Wer seine Arbeiten nur vorübergehend von Zuhause aus erledigt, tut dies meist am Esstisch, am Schreibtisch im Wohnzimmer oder in einer kleinen provisorischen Arbeitsecke. Doch das zählt laut dem aktuellen Steuergesetz nicht und somit gehen die meisten Arbeitnehmer leer aus. 
Denn die Voraussetzung der Finanzämter lautet: Der Arbeitnehmer muss in seinen eigenen vier Wänden einen ausschließlich für berufliche Zwecke genutzten Raum vorweisen können. Dieses Arbeitszimmer muss separat zu allen anderen Räumen des Wohnbereichs liegen – darf also kein Durchgangszimmer, keine Flur-Nische oder offene Galerie sein. Steuerexperte Matthias Hiller von der SRH Fernhochschule erklärt gegenüber der Deutschen Presse Agentur, dass „Arbeitnehmer [..] dafür allerdings nachweisen [müssen], dass ihr Arbeitgeber das Arbeiten von Zuhause aus angeordnet hat“
Nur wenige Steuerzahler dürfen alle beruflich anfallenden Kosten in unbegrenzter Höhe in ihrer Steuererklärung aufführen. Demnach gilt: Stellt das separate Arbeitszimmer den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit dar, wie beispielsweise bei Schriftstellern und freien Journalisten, so können alle anfallenden Kosten als Werbungskosten abgesetzt werden. Bei Arbeiten, bei denen das Heimbüro nur teilweise für berufliche Zwecke genutzt wird – wie bei Lehrern, Versicherungsmaklern und Außendienstmitarbeitern – kann ein maximaler Betrag von 1.250 Euro pro Jahr steuerlich berücksichtigt werden.
Dies gilt übrigens auch, wenn sich berufstätige Ehepaare, eingetragene Lebenspartner oder WG-Partner aus Platzgründen ein Arbeitszimmer teilen. Denn da dürfen sogar beide Partner jeweils bis zu 1.250 Euro an Steuern absetzen. Nur hängt die Betragshöhe nicht mehr von der Raumgröße ab, sondern von der Zahl der Personen, die dort Arbeit verrichten, beschloss der Bundesfinanzhof (At. VI R 53/12). (Lesen Sie auch: Stresstest für die Beziehung: So kommen Sie als Paar durch die Quarantäne-Zeit)
In der Praxis sieht das (in vereinfachter Form) wie folgt aus: Die Warmmiete für Ihre 100-Quadratmeter-Wohnung beträgt monatlich 1.000 Euro, das Heimbüro ist 20 Quadratmeter groß. Wer über zwei Monate von Zuhause aus arbeitet, kann 400 Euro steuermindernd angeben. Hiller erklärt, dass der tatsächlich absetzbare Betrag jedoch sehr individuell zu berechnen ist, da es neben den tatsächlichen Arbeitsstunden und der räumlichen Größe vom persönlichen Steuersatz abhängt.
Arbeitnehmer, die keine Möglichkeit auf ein extra Arbeitszimmer haben und darum in ihren privaten Wohnräumen arbeiten müssen, gehen bislang leer aus. Darum setzt sich Deutschlands größter Lohnsteuerhilfeverein – Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) – dafür ein, dass auch die tatsächlich anfallenden Kosten für alternative Arbeitsecken, besonders in Zeiten von Corona, steuerlich berücksichtigt werden. So sollte laut Forderung die Bundesregierung und das Finanzministerium die anteiligen Kosten für Miete, Strom, Telefon und eigenfinanzierte Büromöbel und Materialien auch für die Arbeitsecke anerkennen.
Ob nun mit oder ohne extra Arbeitszimmer: Holen Sie sich eine schriftliche Bescheinigung des Arbeitgebers, in dem aufgeführt wird, über welchen Zeitraum sie von zu Hause aus arbeiten und dass dies unfreiwillig geschieht
Steuerexperte Matthias Hiller empfiehlt zudem, den Arbeitsplatz auf Bildern festzuhalten: „Auf den Fotos muss ersichtlich sein, dass es tatsächlich ein Arbeitszimmer ist und keine privaten Gegenstände, kein Bett oder keine Schlafcouch vorhanden sind.“ Zudem rät er, die dokumentierenden Bilder an die berufliche Mailadresse zu schicken, denn dann haben Sie auch einen zeitlichen Nachweis, dass das Arbeitszimmer bereits zu diesem Zeitpunkt eingerichtet war.
Dokumentieren Sie Ihre Arbeitszeiten in Form einer Tabelle mit Datum und Anzahl der Arbeitsstunden
Archivieren Sie alle Rechnungen, zum Beispiel für Druckerpapier, Büromaterialien und vermehrte Kosten für Strom und Telefon
Je detaillierter die Auflistung, desto größer ist die Chance, dass Sie über die Finanzämter die Kosten für das Homeoffice steuerlich absetzen können. (Auch interessant: Home-Office in Zeiten von Corona: 7 Tipps mit denen Sie psychisch und physisch fit bleiben)


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