Rostocker Polizisten decken Finanzbetrug auf – so schützen Sie sich – NDR.de

Die Rostocker Kriminalpolizei hat in einer gemeinsamen Aktion mit Beamten aus Niedersachsen einen Ring von Online-Betrügern im Ausland ausgehoben. Darüber informierten die Ermittler am Montag in einer gemeinsamen Pressekonferenz.
Am vergangenen Mittwoch schlugen die Ermittler mit Unterstützung von örtlichen Beamten, Interpol und Europol aus Den Haag zu. Mehr als 100 Beamte stürmten Büros und Privathäuser in Bulgarien, der Ukraine und Zypern. Dabei wurden zahlreiche Computer und Speichermedien beschlagnahmt. Auch viele Konten der Betrüger wurden eingefroren. Zudem konnten die Ermittler einige Hundert Server abschalten. Die Staatsanwaltschaft Rostock geht inzwischen von einem Schaden von 15 Millionen Euro allein in Deutschland aus. Weltweit könne der Schaden in Milliardenhöhe liegen.
Im Februar 2020 erstattete ein Geschädigter aus Göttingen Strafanzeige, nachdem er 250.000 Euro investiert hatte und seine Gewinnauszahlung nicht erhielt. Ein Teil des Geldes konnte gesichert werden und die Ermittlungen kamen ins Rollen. Fast parallel dazu gab es in Rostock im April 2020 eine Anzeige einer Anlegerin, die einen Schaden von 500 Euro meldete.
Die Rostocker Ermittler stießen bei ihren Ermittlungen schließlich auf ein IT-Unternehmen in der Ukraine, das im Verdacht stand, seit September 2018 180 Tradingplattformen mit über 250 verschiedenen Webseiten zu betreiben. Server wurden daraufhin beschlagnahmt, Seiten abgeschaltet und Beweise gesichert. Die Analyse der Webseiten brachte schließlich eine große IT-Infrastruktur zu Tage, die sich allein mit der Programmierung solcher Tradingseiten beschäftigt.
Die Ermittlungen wurden daraufhin mit Göttingen zusammengelegt, nachdem sich immer mehr Parallelen aufzeigten, Erkenntnisse fortan ausgetauscht. Schnell wurde klar, dass man einem regelrechten Massenphänomen auf der Spur ist und Täter in arbeitsteiligen Gruppen strukturiert sind. “Wir haben eine langen Atem bewiesen. Durch hartnäckige Ermittlungen konnten letztendlich tatsächlich existente Firmen und Personen ermittelt werden, die der Führungsebene zugeordnet werden können”, so der Göttinger Staatsanwalt, Dr. Manuel Recha.
Rostocks Oberstaatsanwalt Harald Nowak betonte, wie wichtig die Zusammenarbeit der verschiedenen Staatsanwaltschaften und Polizeidienststellen bei den Ermittlungen gewesen sei. Denn nur so sei es möglich gewesen, nicht nur eine Plattform zu ermitteln, sondern die gesamte Serverstruktur mit über 250 einzelnen Webseiten: “Das bedeutet für die Geschädigten, dass wir einen sehr großen Schaden abwenden konnten. Denn all diese Plattformen haben eines gemein: Sie sind so programmiert, dass man sein Geld hinbringen kann, aber es nicht wieder zurückbekommt.”
Für die Betrüger bedeutet das, dass ihnen ein Neustart maßgeblich erschwert wird. Diese Struktur wieder aufzubauen, dauert sehr lange.
Durch die neuesten Ermittlungen konnten aber viele Täter auf frischer Tat ertappt werden. Ein mutmaßlicher Hintermann wurde festgenommen, kam jedoch auf Kaution wieder frei. Ein Auslieferungsantrag durch die Staatsanwaltschaft Göttingen wurde aber bereits gestellt. Die kriminelle Infrastruktur wurde identifiziert und durch die Beamten in Rostock beschlagnahmt. Eine Auswertung wird jedoch lange Zeit dauern – allein in Göttingen befinden sich mittlerweile mehr als 100 Aktenordner.
Der Trick der Betrüger war immer der gleiche: Sie entwickelten falsche Internetseiten, auf denen man in Aktien oder Kryptowährungen, wie zum Beispiel Bitcoins, anlegen konnte. Den Anlegern wurden überdurchschnittliche Gewinne versprochen. Um bei den Anlegern Vertrauen zu erwecken, wurden auch Falsch-Berichte über Prominente wie Boris Becker oder Günther Jauch auf den Seiten veröffentlicht. Diese hätten in kurzer Zeit traumhafte Gewinne gemacht. Die Prominenten wussten nichts von dem Missbrauch ihrer Namen.
Einsteigen konnten die Anleger auch mit geringen Summen. Auf professionellen Seiten mit Börsenkursen wurden schnelle Gewinne vorgegaukelt. Einigen Anlegern wurden am Anfang auf Wunsch auch geringe Summen von ihrem Gewinn ausgezahlt. Danach meldeten sich oft per Telefon angebliche Anlage-Berater und warben um höhere Investitionen. Viele Anleger folgten dem. Als diese aber später ihr Geld und die Gewinne zurück haben wollten, war das Geld weg.
Harald Nowak warnte noch einmal eindringlich davor, sein Geld im Internet anzulegen: „Alle Geldanleger sollten sich auch in dieser Niedrigzinsphase vorher überlegen, wo sie ihr Geld anlegen. Anonym im Internet ist immer gefährlich, aber man sollte sich vorher über die jeweilige Plattform informieren und genau schauen, ob ich mein Geld dort hinbringen kann. Es fängt mit 250 Euro an, aber die Methoden der vermeintlichen Broker sind so gut, dass sie danach die Geschädigten dazu bringen, mehrere hunderttausend Euro, ihr gesamtes Erspartes, anzulegen und es nie wieder zu bekommen.“
Deshalb sollte man vorher unbedingt überprüfen, ob die Seite ein Impressum nach europäischem Standard besitzt. Werden überdurchschnittliche Gewinne versprochen, sollte man zudem sehr vorsichtig sein und vielleicht auch Rücksprache mit einem Finanzberater seiner Bank halten. Denn hat man erst einmal investiert, ist es nahezu unmöglich, sein Geld wieder zu bekommen.
Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Torsten Renz (CDU) hat den Ermittlungserfolg als positives Beispiel für die internationale polizeiliche Zusammenarbeit gewürdigt: “Hier ist länderübergreifend ein harter Schlag gegen die Organisierte Kriminalität gelungen.” Außerdem betonte er, dass man “diesem besorgniserregenden Trend” weiterhin mit “hoch qualifizierten Spezialermittlern” und “Hightech-Ausstattung” entgegentreten müsse.
Bei tagesschau.de gibt es weitere Hintergründe und Informationen zur virtuellen Währung Bitcoins. extern
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