SPAC Boom an der Börse: Kurschancen für Anleger oder Seifenblasen, die bald platzen? – LYNX

Während es in Deutschland kaum Börsengänge gibt, boomt in den USA das Geschäft mit Neuemissionen. Doch nicht alle Börsenaspiranten gehen dabei den recht aufwändigen, klassischen Weg eines Börsengangs in Form eines IPOs. Etliche Firmen schlüpfen per SPAC durch die „Hintertür“ an die Börse, so dass auch von Backdoor-Listings die Rede ist. SPACs werden als spezielle Zweckgesellschaften mit der Absicht geschaffen, nach dem eigenen IPO möglichst aussichtsreiche Firmen zu kaufen. Diese wiederum können auf diese Weise relativ rasch und unkompliziert an der Börse landen und profitieren so ebenfalls. Die Abkürzung „SPAC“ steht für „Special Purpose Acquisition Company“, was übersetzt so viel heißt wie „Zweckgesellschaft für Übernahmen“. “. Für Anleger gibt es nicht immer nur Gewinne, aber drei sehr erfolgreiche SPACs stellen wir Ihnen heute vor.
SPACs werden von einem sogenannten Sponsor gegründet. Das kann beispielsweise eine Investmentgesellschaft, ein Finanzinvestor oder ein Hedgefonds sein. Anfangs sind SPACs leere Hüllen, die noch über kein eigenes operatives Geschäft verfügen, sondern nach dem eigenen Börsengang als Akquisitionsvehikel dienen. Deshalb werden SPACs auch als „Blank check Company“ (Blankoscheck-Unternehmen) bezeichnet. Ziel solcher Mantelgesellschaften ist der Erwerb von erfolgsversprechenden Unternehmen, die allerdings den in der Gesellschaftssatzung vorgegebenen Kriterien (z.B. Branche, Größe) entsprechen müssen.
Der Sponsor engagiert sich bereits vorbörslich in begrenztem Maße finanziell und leitet auch alle weiteren notwendigen Voraussetzungen für einen Börsengang (IPO) in die Wege. Im zweiten Schritt, beim Sprung an die Börse – typischerweise zu einem Aktienkurs von 10 USD – sammelt die SPAC dann weiteres Kapital ein, das später für die Übernahme einer geeigneten Firma verwendet werden kann. In der Regel werden die Anteile im Rahmen des IPOs ausschließlich an institutionelle Anleger platziert, während Privatanleger erst nach dem Börsengang zugreifen können und somit am Ende der „Nahrungskette“ stehen. Spekulationsgetrieben notieren die meisten SPACs dann bereits deutlich höher, obwohl die Anleger immer noch im „Blindflug“ agieren und nicht wissen, welche Firma später einmal übernommen werden soll. Bis ein geeigneter Kandidat gefunden ist, werden die Barmittel risikolos, meist in kurzlaufenden Staatsanleihen treuhänderisch angelegt.
Wird nach einer bestimmten Zeit, meist innerhalb von 18 bis 24 Monaten kein geeignetes Unternehmen für eine Übernahme gefunden oder die Aktionäre lehnen eine vorgeschlagene Übernahme auf der Hauptversammlung ab, so erfolgt in der Regel die Auflösung der SPAC. In dem Fall erhalten die Anteilseigner der Special Purpose Acquisition Company die für Übernahmen vorgehaltenen Barmittel abzüglich aller bislang entstandenen Kosten wieder ausbezahlt. Darüber hinaus haben auch alle Anleger ein individuelles Wahlrecht: Entweder sind sie mit der Übernahme bzw. deren Konditionen einverstanden und bleiben beteiligt oder sie votieren stattdessen für eine anteilsmäßige Auszahlung vom Firmenkonto und reichen ihre Anteile an die SPAC zurück. Das ist für die Investoren der ersten Stunde natürlich ein geniales Sicherheitsnetz. Denn falls es bis zur Abstimmung über eine Übernahme noch keine gewinnträchtige Verkaufsgelegenheit gab, so kann ein fast verlustfreier Ausstieg erfolgen. Kein Wunder, dass sich Großinvestoren geradezu um neue SPACs reißen.
Der Erfolg einer SPAC hängt am Verhandlungsgeschick und der Vernetzung des Sponsors, der deshalb auch als Dealmaker bezeichnet wird. Dieser erhält als Initiator für sein meist relativ überschaubares Anfangsinvestment in der Regel rund 20 % der SPAC Anteile. Ist ein Übernahmeobjekt identifiziert, so wird dieses – die Zustimmung der Hauptversammlung vorausgesetzt – durch einen Kauf bzw. eine Verschmelzung in die SPAC eingebracht. Das übernommene Unternehmen spart sich mit diesem Reverse IPO (Reverse Merger) den langwierigen und kostspieligen Prozess eines eigenen Börsengangs. Es muss keine Investmentbank mit den Vorbereitungen eines Börsengangs beauftragt werden und es ist auch kein umfangreicher Börsenprospekt mit den Bilanzen der vergangenen Jahre und weiteren Daten notwendig. Auch eine Genehmigung und Zulassung zum Börsenhandel durch die Wertpapieraufsichtsbehörde (in den USAdie SEC) ist nicht erforderlich, denn diese Aufgabe hat bereits die SPAC übernommen. Da eine solche Gesellschaft allerdings noch nicht über ein operatives Geschäft verfügt, gibt es auch nicht viel offen zu legen. Daher wird der Zulassungsprozess von üblichen 3-6 Monaten bei SPACs auf maximal ca. 2 Monate verkürzt.
Nicht alle leeren Börsenmäntel sind SPACs. In einigen Fällen bleiben Börsenlistings von gescheiterten Unternehmen vorläufig bestehen. Insbesondere dann, wenn nach der Aufgabe, Insolvenz oder Liquidation des operativen Geschäfts noch Barmittel vorhanden sind, kann in einen solchen „übrig gebliebenen“ Börsenmantel ebenfalls eine neue Firma schlüpfen. Das ist insbesondere bei geringem Streubesitz interessant, d.h. wenn die Eigentümer des neuen Geschäfts vorab einen großen Anteil der Aktien von Altaktionären erwerben können. Das neue operative Geschäft wird dann meist in Form einer Sachkapitalerhöhung gegen neue Aktien eingebracht. Man spricht hierbei ebenfalls von einem Reverse IPO (Reverse Merger) oder von einem Back Door Listing. Das Prinzip ähnelt dem einer SPAC, wobei die Börsenhülle eben nicht gezielt als solche geschaffen wird.
Bei einer sogenannten Mantelspekulation setzten risikobewusste Anleger darauf, dass alte Börsenhüllen (Englisch: Shell Companies) mit einem neuen operativen Geschäft belebt werden. Im Erfolgsfall winkt dabei nicht selten eine Vervielfachung des Einsatzes. Das Risiko liegt hingegen darin, dass doch kein Unternehmen eingebracht wird und die Notierung an der Börse früher oder später aus Kostengründen eingestellt wird. Prominentestes Beispiel für ein solches Börsen Listing durch die Hintertür ist Warren Buffets Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway, einem ehemaligen Textilhersteller aus Massachusetts. Beispiele in Deutschland sind die Unternehmen Gigaset (ehemals Arques Industries, davor Bad Salzschlirf AG), TAG Immobilien (ehemals Tegernsee-Bahn) oder ElringKlinger (ehemals ZWL Grundbesitz, davor Ziegelwerke Ludwigsburg). Auch das insolvente Skandalunternehmen Wirecard ist aus einem Reverse Merger mit der Infogenie AG hervorgegangen, einem erfolglosen Betreiber von kostspieligen Telefonhotlines.
SPACs sind nicht neu. Die ersten Special Purpose Acquisition Companies wurden bereits in den 1990er Jahren gegründet und vor der Finanzkrise 2008/09 gab es eine erste kleine SPAC-Welle. In den vergangenen Jahren entwickelte sich ein neuer Trend, der sich nach dem Corona-Crash zu einem regelrechten Boom entwickelte. SPACs verhalfen zahlreichen Unternehmen vor allem aus Trend-Branchen wie erneuerbare Energien und Elektromobilität zu unkomplizierten Börsen Listings und sammelten viele Milliarden USD Investorengelder ein. So gingen allein in den USA im vergangenen Jahr 248 SPACs an den Start und sammelten 83 Mrd. USD Kapital ein. Immer häufiger sind auch bekannte Persönlichkeiten involviert, beispielsweise Hedgefonds Manager Bill Ackmann und Dan Loeb, Silicon Valley Investor Peter Thiel, Rapper Jay-Z oder Basketballer Stephen Curry. Sie helfen mit ihrer Bekanntheit Anleger für die jeweilige SPAC-Hülle zu mobilisieren – und verdienen auch entsprechend mit. Das Silicon Valley Business Journal erklärte das Jahr 2020 zum „Year of the SPAC“. Beispiele für SPACs sind Aktien wie Nikola Motors, Hyliion, Fisker, Lucid Motors oder QuantusmScape, allesamt Unternehmen aus der eMobility-Branche. Lesen Sie hier unseren Artikel Megatrend Elektroauto: Die besten Elektromobilität-Aktien und Batterie-Aktien. Auch das ambitionierte Raumfahrtunternehmen von Richard Branson, Virgin Galactic, sowie der Glückspiel- und Sportwettenanbieter Draftkings bewerkstelligten den Börsengang mittels SPAC. Zuletzt schaffte auch der Münchner Flugtaxi-Hersteller Lilium im September mit Ach und Krachden Börsengang via SPAC. Allerdings fiel der Kurs kurz nach dem Deal unter die 10 USD-Marke und notiert aktuell bei ca. 9 USD.
Der SPAC-Boom hatte sich im Jahr 2021 sogar noch beschleunigt: Per Ende September waren bereits weitere 452 neue SPACS börsennotiert, die rund 172 Mrd. USD an Investorengeldern einsammelten. Der Rekord des Jahres 2020 war mit 298 Deals und 88 Mrd. USD Volumen bereits im ersten Quartal übertroffen worden. Dann allerdings setzte eine vorübergehende Abkühlung ein, im zweiten Quartal gingen gerade mal 59 SPACs neu an den Start. Trotzdem: Das Volumen der SPAC-Börsengänge übertrifft das der traditionellen IPOs bereits bei weitem. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es mehr als 760 börsennotierte SPACs. Mehr als 300 davon haben bereits einen Übernahmekandidaten gefunden und der Zusammenschluss wurde entweder bereits durchgeführt oder befindet sich in Planung. Entsprechend sind rund 460 SPACs auf der Suche nach geeigneten Übernahmezielen.
SPACs erfreuen sich zwar unter Anlegern immer größerer Beliebtheit, sind allerdings auch nicht unumstritten. Zum einen lautet die Kritik, dass sich in erster Linie die Initiatoren die Taschen voll machen. Die Sponsoren erhalten für ihr relativ kleines Anfangsinvestment, das meist nur bei ca. 5 bis 10 Mio. USD liegt in der Regel einen stattlichen 20 % Anteil der SPACs und obendrein oft auch noch gratis Warrants (Optionsscheine). Mit diesen können Sie, ähnlich wie bei einer Option, zu einem späteren Zeitpunkt Aktien zu einem festgelegten Preis kaufen. Wird die Fantasie der Anleger nach dem SPAC-Börsengang durch ein attraktives Übernahmeobjekt oder auch nur durch Versprechungen befeuert, so versilbern die Sponsoren ihre Anteile zu den gestiegenen Aktienkursen. Ob das gekaufte Unternehmen die hohen Erwartungen dann tatsächlich auch erfüllen und die Bewertung rechtfertigen kann zeigt sich jedoch erst in der Zukunft, so dass potenzielle Verluste in erster Linie auf Privatanleger abgewälzt werden dürften. Prof. Michael Ohlrogge von der Uni New York errechnete beispielsweise, dass der Sponsor der Clover Health SPAC rund 150 Mio. USD verdiente, obwohl die SPAC mittlerweile erheblich unter dem Ausgabepreis von 10 USD notiert.
Da kein Börsenprospekt erstellt wird und auch keine Prüfung durch die Börsenaufsichtsbehörde SEC notwendig ist, können auch Unternehmen an die Börse gelangen, die es über den klassischen Weg eines IPOs schwer hätten, eine Börsenzulassung zu bekommen. Dazu zählen beispielsweise Start Ups und Firmen mit bilanziellen Risiken oder mit Geschäftsmodellen, die hauptsächlich aus „heißer Luft“ bestehen. Denn im Gegensatz zu klassischen Börsengängen, bei denen sich die Unternehmen aus regulatorischen Gründen nur sehr vorsichtig zum Geschäftsverlauf äußern dürfen, gibt es bei SPACs Schlupflöcher, die es den Firmen erlauben ihre Geschäftsaussichten in den schillerndsten Farben darzustellen, ohne dabei Konsequenzen fürchten zu müssen.
Besonders attraktiv für SPACs sind Trendbranchen bei denen an der Börse zum Teil übermäßig hohe Bewertungen bezahlt werden. So wie zuletzt beispielsweise in der Elektromobilitätsbranche, die getrieben durch den Boom der Tesla-Aktie gewaltige Summen an Anlegerkapital anzog. In einem Umfeld, in dem Mondpreise für Aktien bestimmter Trendbranchen bezahlt werden, macht ein SPAC-Deal auch für die Eigentümer von Unternehmen Sinn, die noch nicht unbedingt börsenreif sind. Beispielsweise weil hohe Verluste geschrieben werden oder Umsätze gar noch gänzlich fehlen. Hinter dem Motiv im Eiltempo an die Börse zu gelangen könnte aber in einigen Fällen auch ein dringender Kapitalbedarf stehen, der zum Fortbestehen des Unternehmens unbedingt gedeckt werden muss.
Alles in allem ermöglichen SPACs zwar auch seriösen Unternehmen einen raschen, unkomplizierten Börsengang, aber es dürfte auch eine Vielzahl von Fällen geben, in denen aufgrund der fehlenden Kontroll- und Regulierungsmöglichkeiten durch die Börsenaufsicht überbewertete Seifenblasen an der Börse landen – mit anschließenden Verlusten für die Anleger. So entsteht zum Nachteil der Kleinanleger ein unkontrollierter SPAC-Wildwuchs, der früher oder später – nämlich dann, wenn die SPAC-Blase platzt – zu einem bösen Erwachen führen dürfte. Möglicherweise greift allerdings die SEC bald stärker regulierend ein, denn die Behörde wirft bereits einen gezielten Blick auf die Methoden der SPACs und wie sie an Privatanleger vermarktet werden.
Privatanleger haben einen signifikanten Nachteil schon bevor überhaupt ein Übernahmekandidat gefunden ist. Denn sie können die Aktien erst nach dem Börsengang kaufen, wenn die Preise meist schon deutlich oberhalb des Emissionspreises notieren, beispielsweise bei 15 oder 20 USD. Und je weiter der Aktienkurs über dem Emissionskurs liegt, desto höher ist der potenzielle Verlust, wenn entweder kein geeigneter Übernahmekandidat gefunden oder die Übernahme abgelehnt wird. Im Rahmen einer Studie recherchierte Prof. Ohlrogge, dass im Schnitt 97 % (!) der Anleger, die beim Börsengang der SPACs Anteile erhalten haben, diese im Vorfeld der Fusion entweder bereits wieder verkauft oder zum Kaufpreis zurückgegeben haben. Kein Wunder, denn mit der Garantie zur Rücknahme der Anteile sind SPACs zum Emissionspreis für Großanleger quasi „free Money“: Entweder der Aktienkurs steigt bereits im Vorfeld einer geplanten Fusion und beschert Gewinne oder man lässt sich das Geld eben wieder zurückbezahlen und steigt aus. Entsprechend sind zum Zeitpunkt der eigentlichen Übernahme vor allem Privatanleger investiert. Diese haben ihre Anteile im Zuge der gezielt geschürten Übernahmefantasie meist zu weitaus höheren Aktienkursen gekauft und hoffen darauf, bei einer neuen Tesla- oder Nio-Aktie dabei zu sein. Dass das Chance-Risiko-Verhältnis dabei nicht unbedingt vorteilhaft ist, wird durch die Studie von Prof. Ohlrogge untermauert, wonach die Performance von 50 betrachteten SPACs im ersten Jahr im Schnitt um etwa 50 % niedriger ausfiel, als bei den traditionellen Börsengängen/IPOs im selben Zeitraum.
Aufgrund der aktuellen Flut an Neuemissionen bei SPACs haben die potenziellen Kandidaten mittlerweile die Wahl, in welche SPAC sie schlüpfen möchten. Immer mehr Kapital buhlt um eine begrenzte Anzahl an geeigneten Kandidaten. Und je größer die Konkurrenz, desto höher die Preise und desto schlechter die Deals aus Sicht der Privatanleger. Sogar der CEO der Investmentbank Goldman Sachs, David Solomon erklärte zu Jahresbeginn, dass der derzeitige SPAC-Boom nicht nachhaltig sei – obwohl die Bank selbst einer der größten SPAC-Sponsoren ist. Das Ganze klingt also schon sehr nach einer SPAC-Blase, die früher oder später auch platzen dürfte. Denn bekanntlich geht der Krug nur so lange zum Brunnen bis er bricht. Noch bietet die allgemeine Börseneuphorie den SPAC-Intitatoren und Finanzinvestoren ein „Window of Opportunity“, doch dieses dürfte sich früher oder später wieder schließen. Spätestens dann, wenn das Börsenumfeld etwas widriger wird.
Ein Negativbeispiel ist das eMobility-Unternehmen Nikola Motors, das wegen gezielter Investoren-Täuschung unter Beschuss geriet. Das im Jahr 2014 gegründete Unternehmen fusionierte im Juni 2020 mit der SPAC VectoIQ und gelangte so an die Börse. Der Leerverkäufer Nathan Anderson deckte in seinem Report Hindenburg Research im Herbst 2020 mehrere Täuschungshandlungen auf. Beispielsweise, dass Nikola in einem Werbevideo keineswegs die erste Fahrt eines emissionsfreien LKW-Prototypen zeigte. Der Truck war einen Hügel im US-Bundesstaat Utah hinaufgeschleppt worden und rollte anschließend nicht mit den angegebenen 1.000 PS, sondern nur dank der eigenen Schwerkraft hinunter. Durch gezielte Kameraeinstellungen ließ es das Video jedoch so erscheinen, als würde der Prototyp auf einer ebenen Fläche mit Wasserstoff-Antrieb selbstständig fahren. Auch wurden eingekaufte Technologie-Komponenten als Eigenentwicklungen dargestellt, indem die eigentlichen Hersteller-Logos überklebt wurden. Darüber hinaus wurde auch die Zahl der Fahrzeugreservierungen deutlich übertrieben dargestellt. Der Gründer Trevor Milton trat im September 2020 als CEO zurück und gegenüber der Wertpapieraufsichtsbehörde SEC wurden Falschaussagen eingeräumt.
Der Autokonzern General Motors, der im Rahmen einer umfangreichen Kooperation eigentlich auch 2 Mrd. USD in elf Prozent der Nikola-Anteile investieren wollte, kündigte daraufhin an, auf das Investment zu verzichten und auch die Zusammenarbeit bis auf eine unverbindliche Absichtserklärung einzuschränken. Der deutsche Bosch-Konzern, der bereits eine Beteiligung hielt, reduzierte diese daraufhin auf weniger als 5 Prozent. Die Aktie, die im Hoch 93,99 USD kostete, notiert aktuell bei etwa 10 USD. Das entspricht allerdings immer noch einer Bewertung von ca. 4 Mrd. USD.
Auch der SPAC Modern Media Acquisition brachte den Anlegern herbe Verluste. Nach der 200 Mio. USD teuren Übernahme des griechischen Musikstreaming Dienstes Akazoo stellte sich heraus, dass die angeblich knapp 6 Mio. Abonnenten überhaupt nicht existierten und es sich um einen großangelegten Betrug handelte. Wer in die SPAC investiert hatte, verlor seinen gesamten Einsatz.
In Deutschland wurden bislang nur vier SPACs aufgelegt. Die im Jahr 2008 von Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und Roland Berger gegründete SPAC Germany 1 übernahm im Jahr darauf die Mehrheit am Hersteller von Stromversorgungsgeräten AEG Power Solutions, das Unternehmen scheiterte allerdings. Gleiches gilt für den im Jahr 2010 aufgelegten SPAC Europe Cleantech 1. Dieser musste nach der Pleite der übernommenen belgischen Electrawind Gruppe vor wenigen Jahren Insolvenz anmelden. Die SPAC Helikos übernahm im Jahr 2011 die Schweizer Firma Exceet Group und firmiert seitdem unter diesem Namen. Obwohl es das Unternehmen im Gegensatz zu den anderen beiden noch gibt, verlief die Kursentwicklung der Aktie sehr enttäuschend: Die SPAC erreichte den Ausgabekurs von 10 Euro nach der Übernahme nicht mehr und notiert heute abgeschlagen bei ca. 5 Euro.
Im Februar 2021 ging in Deutschland mit der Lakestar SPAC I (ISIN: LU2290523658 – Symbol LRS1– Währung: EUR) erstmals seit 2011 wieder ein SPAC an den Start. Das von Tech-Investor Klaus Hommels initiierte Unternehmen sammelte, mit dem ehemaligen Burda-Manager Stefan Winners an der Spitze, immerhin rund 275 Mio. Euro von Anlegern ein und feierte auch ein erfolgreiches Börsendebüt: Die in der Privatplatzierung achtmal überzeichnete Lakestar-Aktie startete an der Börse rund +11 % über dem Ausgabekurs von 10 Euro, notiert aber mittlerweile bei enttäuschenden 7,75 Euro, nachdem kürzlich der Ferienhausvermittler Hometogo eingebracht wurde. Neben der Aktie gab es für die Erstinvestoren noch Optionsscheine (Warrants), die derzeit für etwas mehr als 1 Euro gehandelt werden. Nun dürfen die Anleger gespannt sein, welches Übernahmeziel sich Initiator Klaus Hommels aussuchen wird, der Fokus liegt auf europäischen Technologieunternehmen. Hommels Ziel ist es, „den Ausverkauf europäischer Technologiefirmen an die USA“ zu verhindern und „die Entwicklung einer europäischen SPAC-Kultur voranzutreiben“. Wie üblich erhielten die Initiatoren der SPAC ca. 20 % bzw. rund 7 Mio. Gründeraktien, die zu zwei Drittel allerdings noch einer Sperrfrist (Lockup) unterliegen. Diese wurde – was sehr unüblich ist – an den Aktienkurs gekoppelt, der dazu einige Zeit über 12 Euro bzw. 14 Euro klettern muss.
Wer SPACs kaufen möchte, der sollte sich sehr genau ansehen mit welchem Management bzw. Sponsor er es zu tun hat und vor allem zu welcher Bewertung er die SPAC Aktien kaufen möchte. Es ist davon abzuraten, gleich nach dem Börsengang im Blindflug in eine SPAC zu investieren, zumindest dann, wenn diese bereits deutlich über dem Ausgabepreis notiert. In diesem Fall würden Sie sich als Anleger gegenüber den Erstinvestoren klar im Nachteil befinden. Denn diese können ihre Anteile quasi ohne Verlust wieder zurückgeben, falls ihnen die vorgeschlagene Übernahme nicht zusagen sollte oder ihnen der Preis zu hoch erscheint. Das gilt auch für den Fall, dass – aus welchen Gründen auch immer – innerhalb der vorgesehenen Zeitspanne doch kein Deal zu Stande kommen sollte. Wer höher gekauft hat bekommt trotzdem nur den pro Aktie geparkten Cashanteil zurückbezahlt.
Falls Sie ein erfahrener Anleger sind und tatsächlich die „Katze im Sack“ kaufen möchten, so sollten Sie nur im Bereich des Ausgabekurses einsteigen. Oder Sie warten eben, bis eine Übernahme abgeschlossen ist, falls Ihnen die Bewertung dann angemessen erscheint. Auf diese Weise stellen Sie sicher, dass Sie nicht zu den (oft unbedarften) Anlegern gehören, die hohe Euphorie-Preise für Aktien bezahlen, die nach der Transaktion mit recht hoher Wahrscheinlichkeit wieder deutlich tiefer notieren…
Hier finden Sie eine SPAC Liste mit einigen größeren und bekannteren SPACs, die bereits erfolgreich ein Unternehmen integriert haben. Auf SPACs, die noch auf der Suche nach einem Übernahmekandidaten sind, wurde bewusst verzichtet. Anschließend stellen wir Ihnen drei der Unternehmen kurz vor.
SPAC Aktien Liste:
DraftKings (ISIN: US26142R1041 – Symbol DKNG – Währung: USD) ist ein amerikanischer Betreiber von Fantasy Sports-Wettbewerben und Sportwetten. Das Unternehmen ermöglicht es Benutzern, an täglichen und wöchentlichen Fantasy-Sport-Wettbewerben, bei Sportwetten oder Onlinekasino-Spielen teilzunehmen und Geld zu gewinnen. Die Wettbewerbe basieren auf den fünf großen amerikanischen Sportarten Basketball (NBA), Eishockey (NHL), Football (NFL), Baseball (MLB) und Golf (PGA). Daneben befinden sich auch Angebote im Bereich Fußball (Premier League und Champions League), Nascar-Autorennen, Tennis und weiteren Sportarten im Portfolio.
Draftkings wurde im April 2020 mit der SPAC Diamond Eagle Acquisition verschmolzen und verzeichnete seitdem eine beeindruckende Kursentwicklung. Ausgehend vom Ausgabepreis von 10 USD kletterte der Aktienkurs stetig nach oben und versiebenfachte sich auf bis zu 74 USD, bevor eine Korrektur einsetzte. Die Draftkings-Aktie kostet aktuell rund 50 USD, was einer Marktkapitalisierung von 20 Mrd. USD entspricht. Das Unternehmen schreibt zwar noch Verluste, aber beeindruckt dafür mit hohem Umsatzwachstum. Nach 615 Mio. USD Umsatz im Vorjahr, soll Analysten zufolge im Jahr 2021 bereits ein Umsatz von 1,28 Mrd. USD erzielt werden (+108 %). Im kommenden Jahr soll der Umsatz dann bereits bei 1,75 Mrd. USD liegen. Die Aktie korrigiert derzeit und ist von den Höchstständen von ca. 74 USD im vergangenen Jahr bereits ein gutes Stück entfernt. Die Aktie könnte im Bereich von 40 bis 45 USD für sehr spekulative Anleger mit guten Nerven interessant werden. Rechnen Sie jedoch mit sehr hohen Kursschwankungen.
Die Firma Open Lending (ISIN: US68373J1043 – Symbol LPRO – Währung: USD) bietet als Fintech-Unternehmen automatisierte Kreditvergabedienste für Finanzinstitute an. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Kreditanalyse, risikobasierte Preisgestaltung, Risikomodellierung und automatisierte Entscheidungstechnologie für die Vergabe von Autokrediten und anderen Verbraucherkrediten. Das Unternehmen aus Austin, Texas wurde Anfang 2006 mit der SPAC Nebula Acquisition verschmolzen, die Transaktion hatte ein Volumen von 1,7 Mrd. USD und sollte dem Finanzdienstleister dazu verhelfen weitere Märkte zu erschließen.
Die Aktie von Open Lending kletterte seit der Übernahme kontinuierlich nach oben und erreichte Anfang 2021 bei 44 USD ein vorläufiges Hoch und konnte sich somit ausgehend vom SPAC-Deal vervierfachen. Die starke Kursentwicklung hängt natürlich auch mit der positiven operativen Entwicklung zusammen. Nach einem Umsatz von 109 Mio. USD im Vorjahr erwarten Analysten für dieses Jahr eine Steigerung um +101 % auf 219 Mio. USD. Dabei soll nach einem Verlust von -1,09 USD je Aktie im Vorjahr bereits ein Gewinn in Höhe von 1,16 USD je Aktie erzielt werden. Im kommenden Jahr 2022 soll der Umsatz um weitere +30 % auf 286 Mio. USD zulegen, bei einem Ergebnis von 1,21 USD je Aktie. Mit einer Marktkapitalisierung von aktuell 4,3 Mrd. USD und mehr als einer Verdreifachung seit dem SPAC-Deal ist die Open Lending Aktie bei aktuell 34 USD fair bepreist. Für spekulative Einstiege können Rücksetzer in den Bereich 30 USD abgewartet werden.
Vertiv (ISIN: US92537N1081 – Symbol VRT – Währung: USD) ist Anbieter von digitaler Infrastrukturtechnik und Dienstleistungen für Rechenzentren und Kommunikationsnetze. Das Unternehmen mit weltweit mehr als 20.000 Mitarbeitern und mehr als 6 Mrd. USD Jahresumsatz bietet Hardware, (Cloud)Software, Analytik und Services, mit denen der reibungslose Betrieb von Rechenzentren, Kommunikationsnetzen und industriellen Anlagen gewährleistet wird. Dazu zählen beispielsweise auch Strom-, Kühlungs- und IT-Infrastrukturlösungen. Zu den Kunden zählen unter anderem Amazon, Google, AT&T, Verizon, Tencent, Vodafone und China Telecom. Vertiv wurde Anfang 2020 mit der von der Investmentbank Goldman Sachs gegründeten SPAC GS Acquisition Holdings fusioniert. Im September 2021 meldete das Unternehmen die Übernahme der E&I Engineering Group für rund 2 Mrd. USD. Der Kaufpreis wurde zum Teil mit eigenen Aktien, zum Teil in Cash vereinbart. E&I Engineering ist ein unabhängiger Anbieter von Schaltkreisen und modularen Stromversorgungslösungen.
Analysten gehen davon aus, dass das Unternehmen, seinen Umsatz im laufenden Jahr 2021 um +12 % auf 4,9 Mrd. USD steigern kann. Dabei soll das Ergebnis je Aktie von 0,78 USD im Vorjahr um +285 % auf 1,00 USD steigen. Für das kommende Jahr 2022 erwarten die Marktexperten bei einem Umsatz von knapp 5,4 Mrd. USD einen Gewinn je Aktie von 1,29 USD. Damit erscheint die Aktie bei einem aktuellen Aktienkurs von 23 USD auf den ersten Blick relativ günstig. Angesichts der relativ niedrigen Gewinnmargen und der Schuldenbelastung des Unternehmens ist die Bewertung jedoch angemessen. Die Vertiv-Aktie, die im Corona-Crash kurzzeitig auf unter 5 USD absackte, befindet sich in einem intakten Aufwärtstrend und konnte sich vom Startwert 10 USD aus im Hoch auf 28,80 USD bereits fast verdreifachen und vom Corona-Tief gerechnet sogar mehr als verfünffachen. Aktuell notiert Vertiv bei ca. 23,50 USD. Weiteres Kurspotenzial könnte dann freigesetzt werden, wenn es dem Management gelingt, das Unternehmen profitabler zu machen.
Wie z.B. die drei vorgestellten Unternehmen zeigen, gab es in den vergangenen Jahren durchaus einige Erfolgsgeschichten bei SPACs. Wer den richtigen Riecher hat, kann mitunter hohe Kursgewinne erzielen. Unterm Strich jedoch verläuft die Kursentwicklung der meisten SPAC Aktien nach getätigten Übernahmen enttäuschend. Doch das kümmert offenbar niemanden, das Tempo, mit dem im Jahr 2021 neue SPACs aus dem Boden gestampft werdenm, ist trotz einer leichten Abkühlung weiterhin enorm. Da auf Seiten der Initiatoren und Erstinvestoren dank Rückgabe-Sicherheitsnetz quasi nur Gewinne gemacht werden können, ist dieser „Wettlauf“ auch kein Wunder. Denn Verluste fallen höchstens auf Seiten der Privatanleger an, die dank der allgemeinen Börseneuphorie zu überhöhten Kursen zugreifen und so einen „Free Lunch“ der Finanzinvestoren ermöglichen.
Der SPAC Boom wird allerdings nicht unbegrenzt weiterlaufen. Denn mittlerweile buhlen hunderte SPACs um eine begrenzte Anzahl an geeigneten Übernahmekandidaten und wöchentlich kommen neue hinzu. Die Chancen auf wirklich attraktive Deals (aus Privatanlegersicht) schwinden von Tag zu Tag und so dürften sich die Anlegerhoffnungen auf Kursgewinne in vielen Fällen leider nicht erfüllen lassen. Der SPAC-Spuk dürfte vorläufig so lange weiter gehen, bis SPACs keine Vorschusslorbeeren mehr bekommen und nicht mehr wie selbstverständlich über den Ausgabepreis von 10 USD klettern. Denn dann lohnt es sich für Investoren nicht mehr an den Privatplatzierungen zum Börsengang teilzunehmen – die Zeit des „Free Money“ wäre vorbei.
Als Aktien-Broker bieten wir Ihnen den Börsenhandel der vorgestellten besten SPAC Aktien direkt an den Heimatbörsen der Unternehmen an. Damit profitieren Sie von einem hohen Handelsvolumen und engen Spreads.
Über den Online-Broker LYNX profitieren Sie als Daytrader, Anleger oder Investor von einem ausgezeichneten Angebot, denn wir ermöglichen Ihnen den preiswerten Handel von Aktien, ETFs, Futures, Optionen, Forex u.v.m. Nehmen Sie sich die Zeit, unsere Gebühren mit denen der Konkurrenz zu vergleichen und handeln Sie in Zukunft über unsere professionelle Handelsplattform.


Displaying the chart
Heutigen Chart anzeigen
Jetzt teilen:
Der Online Broker für professionellen Wertpapierhandel – seit 2006. Als einer der führenden Online Broker und Online-Depot Anbieter in Europa bietet LYNX mehr als günstige Gebühren und kostenlose Depotführung. Mit umfangreichen Leistungen ebnen wir den Weg für erfolgreicheres Trading. Wir setzen konsequent auf neueste Technologien und Software-Lösungen: eine preisgekrönte Trading-Plattform mit hilfreichen Analyse-Tools und eine moderne Broker App für mobiles Trading. Handeln Sie alle wichtigen Assetklassen und Wertpapiere mit nur einem Depot und profitieren Sie beim Online-Brokerage von persönlichem Service durch qualifizierte Experten. Neben Top Online Broker Leistungen stellen wir neueste Informationen von der Börse und ein großes Bildungsangebot im Bereich Trading im Internet bereit. Unser Börsenportal “Börse LYNX” versorgt Sie kostenlos mit Realtime-Kursen, täglichen News von Finanzmärkten wie den deutschen Börsen und US-Börsen sowie aktuellen Prognosen und Analysen der besten Aktien. Mit einem Depot über LYNX entscheiden Sie sich für einen der besten Broker und Trading zu günstigen Konditionen.
Die LYNX B.V. und sämtliche ihrer Zweigniederlassungen erheben und verarbeiten Ihre E-Mail-Adresse für die Versendung des Newsletters sowie zur werblichen Ansprache. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung. Mit dem Abonnement des Newsletters willigen Sie in die genannte Nutzung Ihrer E-Mail-Adresse ein.

Vollständigen Disclaimer anzeigen / ausblenden

Hinweis: Sie möchten das E-Book, aber keinen Wochenausblick-Newsletter von uns erhalten? Dann schreiben Sie uns einfach eine kurze formlose E-Mail an service@lynxbroker.de und wir senden Ihnen das E-Book unverbindlich zu. Als kleine Erinnerung: Sie können sich in jeder E-Mail ganz einfach wieder vom Wochenausblick abmelden und einer Verwendung zum Zweck der werblichen Ansprache jederzeit widersprechen, vorzugsweise per E-Mail an service@lynxbroker.de, ohne dass hierfür andere als die Übermittlungskosten nach den Basistarifen entstehen.
Die LYNX B.V. und sämtliche ihrer Zweigniederlassungen erheben und verarbeiten Ihre E-Mail-Adresse für die Versendung des Newsletters sowie zur werblichen Ansprache. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung. Mit dem Abonnement des Newsletters willigen Sie in die genannte Nutzung Ihrer E-Mail-Adresse ein.
Hinweis: Sie können das Abonnement des Newsletters jederzeit beenden und einer Verwendung zum Zweck der werblichen Ansprache jederzeit widersprechen, vorzugsweise per E-Mail an service@lynxbroker.de, ohne dass hierfür andere als die Übermittlungskosten nach den Basistarifen entstehen.

source

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*